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Laschets Gratwanderung : Der Kampf um den Kurs geht weiter

Armin Laschet (l.), Friedrich Merz und Paul Ziemiak (r.) nach der Wahl beim digitalen CDU-Parteitag. Bild: Reuters

Die CDU glaubt nicht ohne Grund, dass Armin Laschet besser als Friedrich Merz die innerparteiliche Spaltung überwinden kann. Dazu muss aber auch der neue Vorsitzende über sich hinauswachsen.

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          Die Bergmannsmarke seines Vaters hat Armin Laschet das Glück gebracht, das sie ihm bringen sollte. Mit 55 Stimmen Vorsprung ist er zum neunten Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union Deutschlands gewählt worden. Damit aus diesem knappen Glück für den neuen Steiger und seine Partei eine Strähne wird, braucht es jedoch mehr als den Beistand des Vaters und den Glanz eines Stücks Messing. Annegret Kramp-Karrenbauer, die ebenfalls aus einer Bergbauregion stammt, war vor zwei Jahren mit fast der gleichen Prozentzahl an die Spitze der Partei gelangt – und binnen eines Jahres gescheitert. Die CDU ist keine gemütliche Honoratiorenpartei. Sie ist das Bayern München der deutschen Politik: Wer die Erwartungen nicht erfüllt – die nächste Meisterschaft/Kanzlerschaft zu holen –, wird fallengelassen. Die Missachtung, die Angela Merkel ihrer ehemaligen Wunschnachfolgerin am Ende zuteilwerden ließ, hat in München freilich noch nicht einmal der glückloseste Trainer erdulden müssen.

          Laschets Chancen, diesem Schicksal zu entgehen und Merkel auch im Kanzleramt zu beerben, stehen besser. Die CDU müsste mit dem Klammerbeutel der SPD gepudert sein, wenn sie im Superwahljahr 2021 ihrem neuen Vorsitzenden so die Gefolgschaft verweigerte wie seiner Vorgängerin. Laschet wird sich hüten, ihre Fehler zu wiederholen. Merkel ist auch nicht mehr lange im Amt. Doch der Kampf darum, in welche Richtung die CDU nach dem endgültigen Ende ihrer Ära marschieren soll, ist noch nicht vorbei. Das zeigen die vielen Stimmen für Friedrich Merz und auch sein gleich nach der Niederlage veröffentlichtes Angebot, als Wirtschaftsminister in die Regierung einzutreten – noch in die Regierung seiner alten Feindin Merkel. Das Wort ist nicht übertrieben, in keiner Richtung.

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