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Landwirtschaftsministerin Aigner im Gespräch : „Ich bin nicht ideologisch, sondern pragmatisch“

  • Aktualisiert am

Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Bild: Andreas Pein

„Ich mag alle Käfer gern, besonders Marienkäfer.“ - Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) im Interview über das Verbot von „Genmais“, Studien und Gesundheitsgefahren, Horst Seehofer und den Einfluss massenhafter E-Mails auf Politiker.

          5 Min.

          Nach ihrem Verbot der Maissorte Mon 810 der amerikanischen Firma Monsanto ist Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) von Umweltverbänden gelobt und von Parteikollegen getadelt worden - allen voran von Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Die CSU-Politikerin sprach nun mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über ihr Verbot von „Genmais“, Studien und Gesundheitsgefahren, Horst Seehofer und den Einfluss massenhafter E-Mails auf die Politik.

          Mögen Sie Zweipunkt-Marienkäfer, Frau Aigner?

          Ich mag alle Käfer gern, besonders Marienkäfer.

          Niedlich: Marienkäfer
          Niedlich: Marienkäfer : Bild: AP

          Wir fragen, weil den Marienkäfern gentechnisch veränderter Mais nicht gut tun soll, jedenfalls laut mancher Gutachten. Sie haben den Anbau dieses Maises nun verboten. Dem Käfer zuliebe?

          Die Frage lautete: Gibt es neue Erkenntnisse, die darauf hinweisen, dass bei einer Zulassung von gentechnisch verändertem Mais der Sorte Mon 810 der Firma Monsanto die Umwelt geschädigt wird? Mon 810 trägt ein Toxin in sich, mit dem ein bestimmter Schädling, der Maiszünsler, vernichtet werden soll. Der Marienkäfer aber ist eindeutig kein Maiszünsler. Eine neue Studie gibt aber Hinweise darauf, dass Marienkäfer und Wasserflöhe ebenfalls geschädigt werden. Wenn solche schädlichen Auswirkungen auf solche Organismen festgestellt werden, die nicht Ziel des Toxins sind, stellt sich natürlich die Frage, ob es solche Auswirkungen möglicherweise nicht auch auf andere Organismen gibt, die man noch nicht untersucht hat. Meine Entscheidung beruht auf dieser Studie. Sie war auch Grundlage der Entscheidung von Luxemburg, im März die Schutzklausel zu ziehen.

          Sagt diese Studie auch etwas darüber, ob eine Gefahr für den Menschen besteht?

          Aus dieser Untersuchung ist das nicht erkennbar.

          Das heißt, diese Sorge steckt nicht hinter Ihrer Entscheidung?

          Nein. Mit der Studie ist aber nachgewiesen worden, dass es eine Schädigung für die Umwelt gibt, zum Beispiel für die Larve des Marienkäfers.

          Aber die Pestizide, die sonst auf den Mais gesprüht werden, enthalten das gleiche Gift, das auch im gentechnisch veränderten Mais steckt. Warum sind die weniger schlimm?

          Weil sie nicht in die Pflanze eingebracht, sondern nur aufgesprüht werden. Die Pestizide wirken nicht permanent. Darüber hinaus wird das Toxin in anderer Form von den Insekten aufgenommen und wirkt somit in anderer Weise. Zudem hat das Bundesamt für Naturschutz eine weitere Studie vorgelegt, nach der die Pollen des Genmaises sehr viel weiter fliegen als bisher vermutet. Auch das war ein Grund für meine Entscheidung.

          Der Genmais ist nicht nur in Amerika, sondern in 21 EU-Staaten zugelassen. Handeln die alle verantwortungslos?

          Ich kann anderen Regierungen nicht vorschreiben, was sie zu tun haben. Längst nicht in allen diesen Staaten wird überhaupt Mais angebaut. Meine Entscheidung betrifft Deutschland. Wir sind aber nicht allein: Immerhin fünf weitere EU-Staaten haben die Schutzklausel gegen die Zulassung durch die EU geltend gemacht.

          Bevor Sie Ministerin wurden, haben Sie noch anders gesprochen und für die Gentechnik in der Landwirtschaft geworben: Die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Produktion steige, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit würden gestärkt - das waren Ihre Worte.

          Es geht um die Regelung eines Einzelfalls, in dem es inzwischen neue Erkenntnisse gibt. Die kann ich doch nicht ignorieren. Das wäre verantwortungslos.

          Auch als es um die Stammzellen ging, haben Sie - Seite an Seite mit Bundeskanzlerin Merkel und Forschungsministerin Schavan - den forschungsfreundlichen Standpunkt vertreten.

          Das würde ich heute auch wieder tun!

          Warum steigen Sie dann bei dem moralisch weitaus weniger bedenklichen Genmais auf die Bremse?

          Ich kann mich nur wiederholen: Es gibt neue Erkenntnisse, dass Genmais der Umwelt schaden kann. Bei der Stammzellendebatte ging es um eine rein ethische Frage, und da haben wir in einem schwierigen Abwägungsprozess einen guten Kompromiss gefunden. Und auch mit meiner Entscheidung zum Genmais habe ich ausdrücklich die Forschung ausgenommen.

          Warum darf eigentlich nicht jedes Bundesland in Deutschland für sich entscheiden, ob es den Anbau von Genmais zulässt oder nicht?

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