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Landtagswahl in Schleswig-Holstein : Farbenspiele an der Förde

Gemischte Gefühlslage: Die Spitzenkandidaten Jost de Jager (CDU), Wolfgang Kubicki (FDP) und Torsten Albig (SPD, v.l.)
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          Die SPD sollte im Kieler Landeshaus ihren Saal wechseln. Wann immer sie im Fraktionsraum 342 hoch oben mit weitem Blick über die Förde ihre Wahlparty vorbereitet, gibt es am Ende lange Gesichter. So war es 2005, als die Spitzenkandidatin Heide Simonis hieß. So war es 2009, als Spitzenkandidat Ralf Stegner seine Niederlage eingestehen musste und Frau Simonis unten im Publikum stand. Das hat sich auch 2012 kaum verändert, mit Frau Simonis im Publikum und Stegner am Bühnenrand. Spitzenkandidat Torsten Albig, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel, wirkt irritiert von den ersten Prognosen. Der Wahlkampf sei prächtig gelaufen, die Stimmung toll gewesen, sagt er. „Ich habe mich von der Partei getragen gefühlt.“ Auch sei das eigentliche Ziel, der „Politikwechsel“, vielleicht zu erreichen. Tapferer Beifall. „Und wenn wir erst einmal in der Staatskanzlei sind, gehen wir da auch nie wieder raus.“

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Da gibt es dann ein bisschen Jubel bei den Genossen, die, als die Prognose bekannt wurde, überhaupt nichts mehr zu sagen wussten. Dabei hatte ein Genosse sogar ein nettes Pappschild für die Fernsehkameras gebastelt mit der „Dänen-Ampel“ drauf - roter Kreis, grüner und blauer für den Südschleswigschen Wählerverband, die Partei der dänischen Minderheit, und der Aufschrift: „Dänen lügen nicht.“ Aber vielleicht war es genau das, was die Partei die entscheidenden Stimmen kostete: ein Wahlkampf für eine Koalition von SPD, Grünen und SSW.

          Des anderen Leid ist des einen Freud’

          Albig sagte dieser Zeitung: „Nein, genau das hat mobilisierend in der Partei gewirkt, um einen Politikwechsel zu erreichen.“ Freilich behaupteten das auch CDU und FDP von ihren Anhängern. Albig hat immerhin hinzugewonnen, aber von dem sehr niedrigen Niveau aus, das Stegner hinterlassen hatte. Er gibt das auch zu. Ausgerechnet bei seiner Rede im verflixten Saal 342 ist hinter ihm auf der großen Leinwand Jost de Jager von der CDU mit jubelnden Anhängern zu sehen. Da entfährt ihm ein Satz, der ihn sehr frustriert zeigt: „Eine so laut brüllende Gruppe wollen wir gar nicht sein.“

          Im CDU-Fraktionssaal herrscht tatsächlich ausgelassene Stimmung - genau wie 2005 und 2009. Für die CDU zeigt sich am Wahlabend, dass auch das Leid der anderen große Freude auslösen kann. Im Fraktionssaal im Kieler Landeshaus ist die Partei zusammengekommen. Als die erste Hochrechnung die CDU bei gut 30 Prozent sieht, gibt es zunächst gar keine Reaktion. Doch als dann der Balken der SPD nicht über den der CDU hinauswächst, ist der Jubel groß. „Jost de Jager, Ministerpräsident“-Gesänge werden angestimmt. Im Applaus gehen die Ergebnisse der anderen Parteien unter.

          Als de Jager gut 30 Minuten später mit Frau und Tochter die Bühne besteigt, braucht er gleich mehrere Anläufe, um im allgemeinen Trubel über seine Einleitung „Liebe Freunde...“ hinwegzukommen. Als er es dann schafft, fasst er die Lage gleich zusammen: „Die Stimmung ist gut, die Ergebnisse sind knapp, aber wir liegen vorne.“ Auch wenn das Ergebnis der CDU mit kaum 31 Prozent noch einmal schlechter ist als vor drei Jahren - und somit das schlechteste der CDU im Norden seit rund 50 Jahren -, so hat de Jager es doch geschafft, das Kopf-an-Kopf-Rennen mit Albig bis zum Wahltag durchzuhalten - und scheinbar sogar zu gewinnen.

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