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Lafontaines Rückzug : Linksaußen im Aus

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Die Diva aus dem Saarland: Oskar Lafontaine will nun doch nicht für den Parteivorsitz kandidieren Bild: dapd

Lafontaine kam, forderte und gab wieder auf: Den Vorsitz der Linken mag er nicht mehr übernehmen. Wer die Partei führen soll, ist nach seinem Rückzieher wieder so unklar wie davor.

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          Am Sonntag zog Oskar Lafontaine zusammen mit seiner Gefährtin Sahra Wagenknecht unter „Oskar-Oskar!“-Rufen als umjubelter Held in eine Truppenschau des linksradikalen Lagers ein. Am selben Tag distanzierte sich Lothar Bisky, mit dem er die Linkspartei seit ihrer Gründung aus PDS und WASG geführt hatte, von ihm. Lafontaines Anspruch, von der Linkspartei quasi per Akklamation zum neuen Vorsitzenden gemacht zu werden, wies Bisky kühl zurück. Nur ohne Gegenkandidat, ohne seinerseits Zugeständnisse an die innerparteilichen Gegner gemacht zu haben, und nur mit der Zusage, 2013 auch die Spitzenkandidatur für den Bundestagswahlkampf zu bekommen, war Lafontaine bereit, die Führung der Partei zu übernehmen. Bisky aber sagte, man habe schließlich „Demokratie gewollt“; es sei ein Gewinn für eine Partei, mehrere Kandidaten für ein zu besetzendes Amt zu haben.

          Am Montag dann wurde Lafontaine auch von Gregor Gysi verlassen, der seit 2005 alle nur gewünschten Schritte unternommen hatte, um die Diva aus dem Saarland bei guter Laune zu halten. Gysi äußerte, niemand könne Dietmar Bartsch verargen, dass er seine Kandidatur um den Parteivorsitz nicht zurückziehe. Seit Dienstag ist Bartsch nun wieder der einzige männliche Kandidat.

          Doppelspitze mit mindestens einer Frau

          Der derzeitige Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, erwies sich in den Debatten der vergangenen Wochen als strammer Lafontainist. Weder er noch sein Idol - der während seiner Amtszeit „immer im Hintergrund“ gewesen sei, wie Ernst Mitarbeitern der Bundesgeschäftsstelle vortrug -, hatten seit dem Programmparteitag in Erfurt im vergangenen Herbst auch nur einen Finger krumm gemacht, um zu der oft beschworenen „kooperativen Führung“ zu kommen. Das wurde spätestens am Montagabend deutlich, als die weithin unbekannte Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann sich zur Verblüffung vieler als Kandidatin für den Vorsitz vorstellte. Frauen werden auf dem Parteitag zuerst gewählt; sie hätte die „Ossi“-Vorsitzende zum „Wessi“-Vorsitzenden Lafontaine geben können. Seit Dienstag kandidiert nun auch die Vorsitzende aus Nordrhein-Westfalen, Katharina Schwabedissen. Ihr wird die Fähigkeit zur „Kooperation“ zugetraut.

          Ein strammer Lafontainist: Der derzeitige Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, hielt bis zuletzt zu seinem Idol

          In der vergangenen Woche erwies sich, dass Lafontaine und seine Leute offenbar den Durchmarsch beim Parteitag in Göttingen vorbereiteten. Zu der logischen Falle, in die er sich mit seiner Ankündigung gebracht hatte, er werde nur mit „breiter Unterstützung“ und ohne Gegenkandidat antreten, fiel ihm nichts ein, als Bartsch nicht zurückwich. Frau Wagenknecht aber höhnte, sie wundere sich über Bartschs Selbstbewusstsein. Der (parteilose) Justiziar der Bundestagsfraktion, Wolfgang Neskovic, bezichtigte Bartsch gar, gemeinsam mit dem früheren Fusionsbeauftragten der PDS, Bodo Ramelow, an der Demontage der von Gysi 2010 installierten Parteiführung gearbeitet zu haben. Damals hatte sich Lafontaine aus Gesundheitsgründen aus Berlin zurückgezogen.

          Am Sonntag, vor seinen Fans aus dem linksradikalen Lager, schilderte Lafontaine sein Bild von der Partei: „Was aber in dieser Partei, wenn sie Erfolg haben, will, aufhören muss, das ist, dass zehn bis 15 Personen ununterbrochen seit vielen Jahren nur Personaldebatten führen und die Partei öffentlich beschädigen“. Mit Vorwürfen dieser Art hatte er schon in den Jahren 2009 und 2010, als seine Kräfte nicht mehr reichten, um die Partei und die Fraktion zu führen, versucht, seine Widersacher auszuschalten: Auf sein Betreiben hin beschuldigte Gysi Bartsch, der damals Geschäftsführer der Partei war, der Illoyalität gegenüber Lafontaine. Bartsch widersprach heftig und gab doch auf. Nachdem Gesine Lötzsch unmittelbar nach dem Erfurter Parteitag mit der Ankündigung verblüffte, sie werde sich um eine zweite Amtszeit bemühen, gab Bartsch im November seine Kandidatur für den Vorsitz bekannt. Das Statut der Linkspartei schreibt für den Vorsitz der Partei eine Doppelspitze vor, die mindestens aus einer Frau besteht. Eine weibliche Doppelspitze ist möglich - eine männliche nicht.

          Unberechenbare Sympathien der Delegierten

          Frau Wagenknecht, die in der PDS als Repräsentantin der Kommunistischen Plattform nie Spitzenpositionen erreichen konnte, wurde in der neuen Linkspartei stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende. Gysi verhinderte mit Sonderregelungen, dass sie neben ihm Vorsitzende der Fraktion wurde. Zu Lafontaines Bedingungen für die Kandidatur in Göttingen soll dem Vernehmen nach gehört haben, Frau Wagenknecht müsse noch in dieser Wahlperiode Fraktionsvorsitzende werden. Sie dementierte heftig und schrieb das angebliche Gerücht ihren Widersachern zu. Sie äußerte, nie habe sie Posten „in der Partei“ angestrebt. Das stimmt und verfehlt doch den Punkt: Ihr Ehrgeiz zielt bekanntlich nicht auf den Parteivorsitz - der wurde ihr, von Ramelow, Bartsch und anderen mehrfach angeboten -, sondern eben auf die Führung der Fraktion.

          Wie nun ein Parteivorstand aussehen könnte, der Chancen hat, beim Parteitag gewählt zu werden,  ist völlig ungewiss

          Wie nach den Verletzungen und üblen Nachreden der vergangenen Tage ein Parteivorstand aussehen könnte, der Chancen hat, beim Parteitag gewählt zu werden, und dessen Mitglieder nach dem Parteitag auch miteinander arbeiten können, war vor Lafontaines überraschendem Rückzieher so unklar wie danach. Wo die Sympathien der Delegierten liegen, ist nicht berechenbar: Zwar schicken die mitgliederstarken Ostverbände mehr Delegierte, doch haben auch die Zusammenschlüsse und der Jugendverband zwischen viele Stimmen. Weder Bartsch noch Lafontaine hätten fest auf überzeugende Mehrheiten bauen können. Dass Lafontaine, wie 1995 bei der SPD, durch eine seiner fulminanten Reden den Vorsitz überhaupt hätte an sich reißen könnte, war in den vergangenen Tagen Gegenstand vieler Spekulationen und Vermutungen. Sie sind nun hinfällig.

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