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Lafontaines Rückkehr : Beredtes Schweigen

  • -Aktualisiert am

Kanzelte Bartsch ab: Oskar Lafontaine beim saarländischen Neujahrsempfang in Saarbrücken Bild: ddp

Die Rückkehr Oskar Lafontaines auf die politische Bühne war nach seiner Krebsoperation mit Spannung erwartet worden. In Saarbrücken trat er jetzt wieder auf, kanzelte innerparteiliche Gegner ab - und ließ offen, ob er wieder als Parteivorsitzender kandidiert. Zumindest halb.

          Die Erlösung kommt um kurz nach sechs. Eben noch hatten sie hinten getuschelt, „ob der wirklich kommt?“, man weiß das ja nie bei ihm. Doch als der erste ihn erblickt hat und zu klatschen beginnt, brandet der Beifall so urplötzlich hoch, als löse sich ein lange angestauter Krampf. Er erklimmt die zwei Stufen hoch zum Podium, strahlt in die Menge, reißt die Arme in die Höhe. Eine, vielleicht zwei Minuten verharrt er dort und lässt sich feiern, dann steigt er vorerst wieder hinunter. So als wolle er lediglich bewiesen haben, dass er wirklich da ist. „Der sieht aber gut aus“, entfährt es einem, und wirklich: Dieser 67-Jährige, dunkler Anzug, helles Hemd, wirkt vital, fast braungebrannt. Zwei Monate nach seiner Prostata-Operation, die seine Anhänger hier im Saarland regelrecht in Agonie versetzt hat, ist Oskar Lafontaine wieder zurück. Es ist wie die Rückkehr des Helden für sie.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Allein dieser erster öffentliche politische Auftritt nach einer schweren Erkrankung wäre Grund genug gewesen, zu diesem Neujahrsempfang der saarländischen Linken nach Saarbrücken zu kommen. In normalen Zeiten. Weil da aber eben noch diese Führungskrise der Partei ist, die sich bis aufs Blut zerstritten hat und nun, endlich, auf ein klärendes Wort Lafontaines wartet, ist der Medienaufruhr in der kleinen Halle so groß wie sonst nur an Wahlabenden. Alle, die 500 Gäste wie die 50 Journalisten, die aus ganz Deutschland angereist sind, warten auf diese eine Aussage, ob Lafontaine beim Bundesparteitag im Mai abermals als Parteivorsitzender kandidieren wird; jetzt, wo diese Sache mit Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch „geklärt“ ist. Darum geht es derzeit, auch an diesem Dienstagabend in Saarbrücken: Um die künftige Gestalt der Partei und die Frage, ob Lafontaine, den sie im Osten zwar als Zugpferd akzeptieren, nie aber so geliebt haben wie im tiefen Westen, ob er also weiter der Pate der Linken sein soll. Braucht die Partei ihren Übervater noch dringend oder wird sie längst von ihm erdrückt? Gregor Gysi hat diese Frage unlängst für seine ostdeutschen Parteikollegen beantwortet und seinem „Freund“ Bartsch das Vertrauen entzogen, weil der Details über Lafontaines Privatleben an die Presse gegeben haben soll und dessen Führungsanspruch schon infrage stellte, als Lafontaine noch nicht einmal auf dem OP-Tisch lag. West gegen Ost, Regierungswillige gegen Radikalere, PDS gegen WASG, darum geht es, und der Keil, den Lafontaine, Gysi und Bartsch in die Partei hineingetrieben haben, war womöglich schon immer da. Bislang ging diese Zweckehe gut, weil die gemeinsame Mission zusammenhielt, was vielleicht nicht zusammen gehört. Nun aber drohen die alten ungelösten Konflikte die Zweckgemeinschaft zu spalten. Viel steht auf dem Spiel, auch für Lafontaine. Sein Lebenswerk, wenn man so will.

          Zurück in alter Form

          Die Spannung könnte deshalb kaum größer sein, als Lafontaine an diesem Dienstagabend wieder auf das Podium tritt - doch wer sich Antworten erhofft hat, klare zumindest, wird enttäuscht. Von der Rente mit 67 spricht der Rekonvaleszente, die weg müsse, von Hartz IV, dieser Geißel, vom unrechtmäßigen Krieg in Afghanistan und dem „Kampagnenjournalismus“, der die Linkspartei immerzu herunterschreibe. Auch die saarländische Landespolitik seziert Lafontaine, boshaft wie eh und je. Die Jamaika-Koalition: käuflich und vom Saarbrücker Unternehmer Ostermann in Hinterzimmern zusammengezimmert. Die Grünen: Verräter, allesamt. Ministerpräsident Müller: ratlos und schwach. Lafontaine spricht frei; eine Rede wie diese hat er schon hunderte, vielleicht tausende Male gehalten. Eine Routineübung, die keine der drängenden Fragen beantwortet. Außer vielleicht die, ob Lafontaine schon wieder in alter Form ist.

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