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Lafontaine-Gattin Müller : Die Eva Herman der Linken

  • -Aktualisiert am

Christa Müller: „Viele Hausfrauen leiden unter dem Mangel an Wertschätzung” Bild: Frank Röth

Oskar Lafontaines Ehefrau Christa Müller fordert ein „Erziehungsgehalt“. Das erinnert an Vorschläge der CSU - entsprechend ungehalten reagiert „Die Linke“. Nützen könnte der Ausflug ins wertkonservative Lager ihrem Mann - bei der Landtagswahl 2009.

          Sie ist die Eva Herman der Partei „Die Linke“. Eine Frau, die Karriere gemacht hat, spät Mutter wurde - und schließlich für Mann und Kind ihre beruflichen Ambitionen aufgab. Aus dieser privaten Lebensentscheidung ziehen beide gesellschaftspolitische Schlüsse, an der sie die Öffentlichkeit teilhaben lassen. Während die Fernsehmoderatorin Herman in ihrem teils belächelten, teils bejubelten Buch „Das Eva-Prinzip“ die Rückkehr zur traditionellen Rollenteilung als Weg aus der demographischen Krise predigt, schlägt die Volks- und Betriebswirtin Christa Müller, SPD-Mitglied von ihrem 23. bis zum 49. Lebensjahr, den Weg der Umverteilung vor.

          Die Ehefrau von Oskar Lafontaine, die in der Hessischen Staatskanzlei und bei der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitete, möchte Hausfrauen („und Hausmännern“, schiebt sie schnell ein) über hohe staatliche Zuwendungen mehr gesellschaftliche Anerkennung zuteil werden lassen.

          Hausbesuch vom „Familienberater“

          Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Familienpolitik der Linken im Saarland hat sie ein Konzept für ein „Erziehungsgehalt“ entwickelt, das das „Betreuungsgeld“ weit überbietet. Im ersten Lebensjahr des Kindes sollen Eltern rund 1600 Euro brutto im Monat, im zweiten und dritten Lebensjahr rund 1000 Euro und bis zum 20. Lebensjahr rund 500 Euro erhalten. Dieses Geld soll jedoch an Hausbesuche von „Familienberatern“ geknüpft sein, die kontrollieren sollen, ob Familien ihre Erziehungsleistung „ordnungsgemäß“ erbringen.

          Frau Müller verspricht sich davon, dass Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung schneller aufgedeckt würden. Wenn ein Kind Hilfe brauche, etwa eine Kur gegen Übergewicht, würden die Kosten vom „Erziehungsgehalt“ abgezogen. Wenn der Nachwuchs wegen Misshandlung seiner Familie entzogen würde, bekämen die Eltern kein Geld mehr. Finanziert werden soll das „Erziehungsgehalt“ durch die Einführung einer Steuer auf Devisengeschäfte sowie die Abschaffung des Ehegattensplittings.

          „Reproduktion des asozialen Milieus begrenzen“

          „Wir verstehen das Geld nicht als Sozialleistung, sondern als steuer- und sozialversicherungspflichtiges Gehalt für Erziehungsarbeit. Denn viele Hausfrauen leiden unter dem Mangel an Wertschätzung für ihre Arbeit“, sagt Frau Müller. In der Partei, in die sie vor zwei Jahren zusammen mit ihrem Mann eingetreten ist (damals hieß diese noch „Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit“), erntet sie damit geteilte Reaktionen: von erbittertem Widerspruch bis hin zu Anerkennung - Letztere kommt aber nicht aus der Bundespartei, sondern aus ihrem und dem baden-württembergischen Landesverband.

          Als Müller die Äußerungen des Augsburger Bischofs Mixa („Wer Mütter durch finanzielle Vorteile dazu anregt, ihre Kleinkinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Betreuung zu geben, degradiert sie zu einer ,Gebärmaschine'“) unterstützte, nannte die nordrhein-westfälische Landessprecherin der Linkspartei Frau Müller „unerträglich“. Während der vom SPD-Vorsitzenden Kurt Beck im vergangenen Herbst angestoßenen „Prekariats“-Debatte hatte Christa Müller gesagt, man müsse die „Reproduktion des asozialen Milieus“ durch staatliche Familienberatung begrenzen. Ihre Wortwahl löste Empörung aus. Heiko Maas, SPD-Vorsitzender im Saarland, bezeichnete Lafontaines Ehefrau als Koalitionshindernis.

          Wider den Vorschlägen der eigenen Partei

          Bei der Linken im Saarland wird gemunkelt, dass im eigenen Landesverband nur deshalb kaum jemand Frau Müller laut kritisiere, weil niemand es sich mit ihrem Mann verderben wolle. Er hat angekündigt, bei der Landtagswahl 2009 noch einmal für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Es gibt an der Saar aber auch Unterstützer Müllers, darunter Frauen aus Ostdeutschland, die ihren Kindern kein Krippensystem zumuten wollten.

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