https://www.faz.net/-gpf-abmh9

Sinkende Corona-Zahlen : Wo Lockerungen schon in Sicht sind

  • Aktualisiert am

Dürfen bald auch ins Freibad: Münchner an der Isar Bild: dpa

Vielerorts sinkt die Inzidenz unter den maßgeblichen Wert von 100. Wo die Bundesnotbremse gelöst wird, gibt es wieder ein föderales Durcheinander. Ein Überblick.

          3 Min.

          Das Infektionsgeschehen der dritten Corona-Welle in Deutschland flaut weiter ab. Mehrere Kennwerte weisen auf eine anhaltende Entspannung der Lage hin. So lag die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) am Mittwoch bei 107,8. Schon am Donnerstag könnte der politisch maßgebliche Wert im Bund unter 100 liegen. Immer mehr Menschen in Deutschland können mit baldigen Lockerungen der Beschränkungen im Alltag rechnen.

          Die Hälfte der Bundesländer liegt schon unter dem Wert von 100. Den RKI-Daten zufolge sieht es in Schleswig-Holstein mit 49 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche besonders gut aus. Auch in Hamburg (67), Niedersachsen (78), Mecklenburg-Vorpommern (78) und Brandenburg (82) liegen die Werte deutlich unter 100. Etwas knapper ist es in Rheinland-Pfalz (93), Bremen (90) und Berlin (86). Nur noch knapp über 100 liegen das Saarland (105) und Bayern (107). Schlusslichter sind weiterhin Sachsen (144) und Thüringen (168).

          Politisch bedeutsam ist die Schwelle vor allem auf Kreisebene. Wenn der Wert an fünf Tagen hintereinander unter 100 liegt, treten zwei Tage später die einheitlichen Regeln der Bundesnotbremse außer Kraft, etwa die nächtliche Ausgangssperre und strenge Kontaktregeln. Derzeit liegt die Inzidenz laut RKI bereits in mehr als 190 von 412 erfassten Kreisen und kreisfreien Städten unter 100. In den kommenden Tagen dürften weitere hinzukommen. Für die Corona-Maßnahmen in diesen Regionen sind dann wieder die Länder zuständig.

          Die ersten Länder haben in den vergangenen Tagen schon Lockerungen für den Fall beschlossen oder angekündigt, dass die Inzidenz unter 100 bleibt. Vor allem der Tourismus und die Gastronomie können jetzt auf Erleichterungen hoffen. Die Details werden in den Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt, aber in der Regel gelten die üblichen Abstand- und Hygieneregeln weiterhin und sind negative Coronatests oder Impfnachweise erforderlich, um von den neuen Freiheiten profitieren zu können.

          In Hamburg gilt seit Mitternacht die nächtliche Ausgangsbeschränkung nicht mehr. Restaurants und Kneipen sollen aber frühestens Anfang Juni öffnen dürfen – und vorerst nur die Außenbereiche. Auch kulturelle Einrichtungen wie Theatervorstellungen sollen dann erlaubt werden. Auch in Brandenburg gelten von Mittwoch an neue Lockerungen. In Regionen mit entsprechender Inzidenz ist Dauercampen wieder erlaubt. Vom Freitag vor Pfingsten an sollen die Außenbereiche der Gastronomie wieder öffnen und Übernachtungen auf Campingplätzen erlaubt sein. Die Landesregierung hat am Dienstag auch beschlossen, dass vom 21. Mai an Theater, Konzerte und Freiluftkinos für bis zu 100 Besucher öffnen dürfen.

          In Schleswig-Holstein werden von Montag an vor allem die Regeln im Tourismus und der Gastronomie gelockert. Unter strengen Auflagen dürfen Gaststätten auch ihre Innenbereiche öffnen. Ähnlich sieht der Plan in Mecklenburg-Vorpommern aus: Dort darf die Gastronomie von Pfingstsonntag an wieder öffnen – außen und innen. Der Tourismus in dem Bundesland wird am 7. Juni an für Einwohner des Landes und am  14. Juni für Gäste aus den anderen Bundesländern geöffnet.

          In Niedersachsen gelten für Tourismus und Gastronomie schon seit Montag Lockerungen. Übernachtungen in Hotels, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen sind zunächst für Einwohner des Bundeslandes möglich. Daran soll voraussichtlich bis Ende Mai festgehalten werden. Geöffnet hat zudem die Außengastronomie.

          Bayerische Freibäder öffnen

          In bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 dürfen am Pfingstwochenende Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätze und Jugendherbergen wieder für Touristen öffnen. Ebenso gilt das für Freibäder. Zudem sollten Kulturveranstaltungen möglich werden, unter freiem Himmel mit maximal 250 Besuchern auf festen Sitzplätzen. Biergärten und die Außengastronomie dürfen schon jetzt wieder öffnen. Auch ist der kleine Grenzverkehr nach Österreich wieder möglich. So dürfen sich etwa Freunde und Verwandte grenzübergreifend treffen.

          In Rheinland-Pfalz darf von Mittwoch an der Einzelhandel wieder öffnen. Auch kontaktarmer Urlaub, etwa Übernachtungen in Ferienwohnung und im eigenen Wohnwagen, und kontaktfreier Sport sind wieder möglich. Für die Außengastronomie gelten die Öffnungsmöglichkeit bereits. Vom Freitag vor Pfingsten an sind im Freien kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 100 Besuchern auf festen Sitzplätzen erlaubt. Fällt die Inzidenz fünf Tage unter 50 sind zudem Innengastronomie und Kultur in Innenräumen wieder möglich.

          In Nordrhein-Westfalen darf die Gastronomie von Samstag an draußen wieder Gäste bewirten; innen erst, wenn die Inzidenz unter 50 sinkt. In Berlin sollen Cafés und Restaurants zu Pfingsten die Außenbereiche wieder öffnen dürfen, außerdem sollen Stadtrundfahrten und Schiffsausflüge für Touristen erlaubt werden. In Sachsen lockert vorerst nur Leipzig die Regeln. Von Freitag an dürfen Biergärten und Außengastronomie unter Auflagen wieder öffnen, wie die Stadt am Mittwoch mitteilte. Die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen fallen weg. In Baumärkten kann von Freitag an ohne Termin eingekauft werden. Kinos dürfen am Montag öffnen. In Baden-Württemberg wiederum soll es bald eine Entscheidung über das weitere Vorgehen geben. Die Ministerien arbeiten an einer Verordnung. Klappt alles wie geplant, könnten am Donnerstag Lockerungen notverkündet werden und am Freitag in Kraft treten.

          Bei allen Unterschieden zwischen den Ländern gilt überall gleichermaßen: Mit den neuen Freiheiten ist es wieder vorbei, wenn die Inzidenz drei Tage hintereinander über 100 liegt – und die Bundesnotbremse wieder greift.  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Dienstag schon vor Leichtsinn bei den Corona-Öffnungen gewarnt. Erstmals seit rund zwei Wochen sank die Zahl der Kreise mit hohen Inzidenzen nicht mehr weiter ab. Übermut sei fehl am Platz, sagte Spahn. „Sonst holt uns das viel zu schnell wieder ein. Das hat man in anderen Ländern auf der Welt schon gesehen.“

          Weitere Themen

          Spahn plant Maskenpflicht bis 2022

          Gesundheitsminister-Bericht : Spahn plant Maskenpflicht bis 2022

          Mindestens bis zum Frühling will die Bundesregierung die Maskenpflicht aufrechterhalten. Gratistests sollen im Herbst entfallen und für Ungeimpfte könnten „erneut weitergehende Einschränkungen notwendig werden“.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.