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Kampf gegen das Coronavirus : „Wir haben zu oft blind getestet“

Abstrich im Corona-Testzentrum des Deutschen Roten Kreuzes am Frankfurter Flughafen Bild: Lucas Bäuml

Der Labormediziner Harald Renz über den (Un-)Sinn von Corona-Massentests, falsche Ergebnisse, trügerische Sicherheit und Politiker auf dem Holzweg.

          5 Min.

          Herr Renz, in Deutschland wurden in den vergangenen Wochen so viele Menschen auf das Coronavirus getestet wie nie zuvor, unter ihnen viele Reiserückkehrer und andere Menschen ohne Symptome. Nun zeichnet sich ein Kurswechsel ab weg von den Massentests zu einer gezielteren Testung von Verdachtsfällen. Wie bewerten Sie das?

          Stefan Tomik
          Redakteur in der Politik.

          Aus Sicht der Labormedizin ist dieser Kurswechsel zu begrüßen. Wir haben zu oft blind getestet, ohne dass es einen konkreten Anlass gab, und sind über das Ziel hinausgeschossen. Die Labore in Deutschland sind an ihrer Kapazitätsgrenze, und das in einer Situation, in der wir keine Lage erleben wie im Frühjahr, sondern eine relativ leichte Welle von Corona-Erkrankten. Angenommen, die Welle würde in den kommenden Wochen stärker werden, könnten wir das Niveau der Tests gar nicht mehr halten. Wir müssen jetzt Laborressourcen schonen, damit wir einen Puffer aufbauen für die wirklich schwierigen Zeiten. Außerdem bekommen wir bei der anlasslosen Massentestung symptomloser Menschen mehr falsche Testergebnisse.

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