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Kurt Beck : Der Rheinland-Pfälzer

  • -Aktualisiert am

Kurt Beck: Sensibel für die Sorgen der Bürger Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck gelingt es im Wahlkampf, glaubwürdig die Rolle des bodenständigen Landesvaters auszufüllen. Popularität, Kennen und Gekanntwerden sind bei ihm Programm.

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          „Grüß' dich, Hans! Grüß' dich, Ernst!“ Wenn Kurt Beck bei einer Wahlkampfveranstaltung das Podium betritt, dann begrüßt er erst einmal mit Vornamen die Personen, die er auf den ersten Blick unter seinen Zuhörern wiedererkennt, und das können recht viele sein.

          Nach Möglichkeit fügt er für das Publikum auch noch ein paar Worte über die persönlichen Lebensumstände des Angesprochenen hinzu: „Karl, du siehst gut aus. Der Ruhestand scheint dir zu bekommen.“ Es kommt sogar vor, daß Beck auch später seine Wahlkampfrede kurz unterbricht, wenn er noch jemanden erkennt, den er anfangs übersehen hat. Dann entschuldigt er sich sogar, daß er den Angesprochenen nicht gleich begrüßt hat.

          Wuchern mit der Popularität

          Popularität, Kennen und Gekanntwerden wird beim Wahlkämpfer Beck zum Programm, ja, fast zur Masche. Der Regierungschef, der seit Oktober 1994 als Nachfolger des in den Bundestag gewechselten Rudolf Scharping in Rheinland-Pfalz regiert, kennt jeden in Rheinland-Pfalz, und jeder dort kennt ihn. So kommt es zumindest beim Publikum rüber, und so soll es nach Ansicht von Beck und seinen Wahlkampfberatern auch sein.

          „Ich wäre ja töricht“, so gibt der Regierungschef offen zu, „wenn ich mit dem großen Vorsprung meiner Popularität gegenüber meinem CDU-Herausforderer Christoph Böhr nicht wuchern würde.“ Und zu diesem Konzept gehört natürlich auch, daß Beck ein Fernseh-Duell mit Böhr ablehnt, um diesem nicht zu einem Zuwachs an Popularität zu verhelfen.

          Als vor einigen Wochen zu Beginn des Wahlkampfs für die Landtagswahl am 26. März auf einem Landesparteitag der SPD-Bundesvorsitzende Matthias Platzeck ein Grußwort sprach, erzählte er zur Charakterisierung von Beck eine kleine Geschichte.

          Gutes Gespür

          Diesen habe ein Bürger wegen irgendeines persönlichen Problems aufgesucht, und beim Abschied habe der Ministerpräsident dem Besucher aufgetragen, zu Hause dem Nachbarn zur Rechten Genesungswünsche auszurichten und den Nachbarn zur Linken mit einem Gruß vom Ministerpräsidenten aufzufordern, es mit dem Schneeräumen ernster zu nehmen.

          Die Delegierten lachten und klatschten zustimmend: Ja, so ist Beck, er kümmert sich, er nimmt Anteil, er kennt sein Land und seine Bewohner. Die Anekdote, die Platzeck erzählte, haben ihm natürlich Becks Leute aufgeschrieben, weil es so schön zum Popularitätsnimbus des Ministerpräsidenten paßt.

          Man muß es dem Wahlkämpfer Beck lassen: Er und seine Berater haben ein gutes Gespür dafür, was ihm nützt und was beim Publikum ankommt. Wie geschickt war mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf doch die Geschichte mit dem angeblich möglichen Bundesvorsitz der SPD eingefädelt.

          Publikumswirksame Inszenierung

          Als über einen Amtsverzicht Franz Münteferings zum ersten Mal öffentlich debattiert wurde, hatte Beck wortreich dementiert, daß an der Sache überhaupt etwas dran sei und er selbst auch nur eine Spur von Interesse an der Nachfolge habe.

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