https://www.faz.net/-gpf-96h3m

Kurden gegen Türken : Faustkampf am Nebenschauplatz

  • -Aktualisiert am

Teilnehmer einer prokurdischen Kundgebung demonstrieren vor der türkischen Botschaft in Berlin gegen Erdogans Militäroffensive auf Afrin. Bild: AFP

Schlägereien, Beschmierungen, Zerstörungen: Eskaliert in Deutschland gerade die politische Gewalt wegen der türkischen Militäroperation in Syrien?

          Die türkische Militäroffensive auf die nordsyrische Enklave Afrin wirft ihre Schatten bis nach Deutschland. Seit Beginn der Operation „Olivenzweig“ vor sechs Tagen zog es Gegner und Befürworter zu Demonstrationen auf die Straße. Meist blieb es bei den kurdisch dominierten Protestveranstaltungen und Gegendemonstrationen von Erdogan-Anhängern friedlich – in einigen Fällen aber eskalierte die Lage.

          In Stuttgart wurden bei einer Demonstration am Mittwoch Böller geworfen, auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen gerieten am Montagabend Anhänger beider Seiten so heftig aneinander, dass es zu einer wüsten Massenschlägerei kam. Videos von der gewalttätigen Auseinandersetzung, bei denen die schreienden Männer mit Fäusten und Fahnenstangen aufeinander losgingen, verbreiteten sich rasch in den sozialen Netzwerken.

          Die Vorkommnisse in dieser Woche lassen mit Blick auf die Großdemonstration, die das „Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland“ (Nav-Dem) für Samstag in Köln angemeldet hat, nichts Gutes erahnen. Angesichts von bis zu 20.000 Teilnehmern, mit denen die Veranstalter rechnen, erwarten die Polizisten einen Großeinsatz – zumal parallel noch Einsatzkräfte abgestellt werden müssen, um das Fußballspiel zwischen den Bundesliga-Vereinen 1. FC Köln und FC Augsburg abzusichern.

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte an diesem Freitag schon vor gewalttätigen Ausschreitungen auf den für das Wochenende angemeldeten Demonstrationen. Die Beamten rechnen damit, dass die kurdischen Aktivisten, die neben der zentralen Kundgebung in Köln noch in 20 weiteren deutschen Städten Demonstrationen angemeldet haben, von „gewaltbereiten Demonstranten aus der linksextremen Szene“ unterstützt werden.

          Der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow sagte am Freitag in Kiel, Deutschland dürfe kein Schauplatz für innertürkische Auseinandersetzungen werden. Nicht zu tolerieren seien „Stellvertreterkonflikte, die sich in gewalttätigen Angriffen auf politische Gegner, Unbeteiligte und die Polizei Bahn brechen“.

          Umgekehrt klagen die Veranstalter von Nav-Dem gegen die aus ihrer Sicht „inakzeptablen Auflagen“ der Stadt Köln, mit denen diese „Demonstrationsteilnehmer schikanieren“ wolle. Ayten Kaplan, die stellvertretende Vorsitzende von Nav-Dem, sprach am Donnerstag gar von staatlichen „Repressionen“ gegen kurdische Demonstranten.

          Angriffe auf Bürgerbüro und Ditib-Moscheen

          Generell richtet sich der Protest nicht allein gegen die Militäroperation „Olivenzweig“ und die türkische Außenpolitik. Kritisiert wird auch die Haltung der Europäischen Union und besonders der deutschen Regierung in dem Konflikt. „Wir sehen einen klaren Zusammenhang zwischen dem erneuten Tauwetter in den deutsch-türkischen Beziehungen und den tagtäglichen Repressionen, denen sich Protestierende in Deutschland zur Zeit ausgesetzt sehen“, sagte Kaplan von Nav-Dem. Sie kritisierte in dem Kontext auch deutsche Waffenlieferungen an die Türkei und eine indirekte Unterstützung der türkischen Kriegspolitik im Nahen Osten durch die Bundesregierung.

          Weitere Themen

          Tausende protestieren gegen rechte Demo Video-Seite öffnen

          Kassel : Tausende protestieren gegen rechte Demo

          Die Stadt Kassel war vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof mit dem Versuch gescheitert, den Aufmarsch der Rechtsextremen der Kleinstpartei „Die Rechte“ zu verbieten.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.