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FAZ.NET exklusiv : Kurden bestätigen Einsatz von Leopard 2

Türkische Soldaten auf Leopard-2-Panzern, am Sonntag im Reyhanli-Distrikt in der Provinz Hatay, Türkei Bild: dpa

Bei der türkischen Offensive im Norden Syriens kommen offenbar deutsche Waffensysteme zum Einsatz. Die kurdische Seite bestätigt zudem den Besitz von Panzerabwehrraketen – und will erste türkische Panzer zerstört haben.

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          Zahlreiche türkische Leopard-2-Kampfpanzer deutscher Herstellung nehmen offenbar inzwischen an den Kämpfen gegen die Kurdenmiliz YPG im Norden Syriens teil . „Wir können bestätigen, dass sie im Einsatz sind. Und zwar an allen Fronten“, sagte Şerzad Hisên vom kurdischen „Information Center of Afrin Resistance“ (ICAR) mit Sitz in Qamischli FAZ.NET. Ob sie bereits in Gefechte verwickelt gewesen seien, sei indes noch offen. Neben den Leopard-2-Panzern seien auch ältere Panzer amerikanischer Bauart in Afrin gesichtet worden.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Weiter bestätigte der ICAR-Sprecher, dass die YPG über Panzerabwehrraketen verfüge. Sie stellt den Kern des Militärbündnisses „Demokratische Kräfte Syriens“, dass das Kanton Afrin verteidigt. Seit Beginn der türkischen „Operation Olivenzweig“ am vergangenen Wochenende seien drei Panzer der türkischen Streitkräfte zerstört worden. Über ihre Herkunft machte er keine Angaben. Schwere Waffen besitze die Miliz hingegen nicht. Auch fehle es an Luftabwehrwaffen, um sich gegen türkische Luftangriffe zu verteidigen.

          Über die Nachrüstung der Leopard-2-Kampfpanzer war in den vergangenen Tagen in Deutschland eine Diskussion entbrannt. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte am Donnerstag eine entsprechende Anfrage aus Ankara mit Verweis auf die laufenden Koalitionsverhandlungen auf Eis gelegt. Sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu reagierte überrascht und forderte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DHA von Deutschland „Unterstützung und Solidarität.“ Bei ihrer Offensive gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ hatte die Türkei mehrere Leopard-2-Kampfpanzer durch feindlichen Beschuss verloren. Die von Deutschland gelieferte Version 2A4 verfügt über keine Reaktivpanzerung. Mit Hilfe von Panzerabwehrraketen lässt er sich von der Seite und von hinten so leicht außer Gefecht setzen. Auch gegenüber Minen ist er anfällig. Eine Nachrüstung der Leopard-Panzer würde den türkischen Streitkräften in der laufenden Operation allerdings vermutlich nicht helfen. Die Modernisierung würde einige Zeit in Anspruch nehmen.

          Der „Spiegel“ berichtete am Freitag unterdessen, dass die Bundesregierung im Oktober 2017 bereits eine  Vorgenehmigung für Nachrüstungen anderer türkischer Panzer erteilt habe. Der Bundessicherheitsrat habe damals grünes Licht gegeben für die Modernisierung von 120 türkischen Panzern amerikanischer Herstellung. Die M60 sollten besser gegen improvisierte Sprengfallen und Minen geschützt werden. Bislang wurde die Entscheidung aber noch nicht bestätigt.

          Die türkische Armee setzte am Freitag ihre Offensive zusammen mit der verbündeten Freien Syrischen Armee fort. Laut übereinstimmenden Berichten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte und des ICAR kamen bei einem Luftangriff in Afrin fünf Zivilisten ums Leben. Das Militärbündnis „Demokratische Kräfte Syriens“, dessen Kern die YPG stellt, bezifferte am Freitag die zivilen Verluste bislang auf 59 Tote und 134 Verletzte. Von türkischer Seite wird bestritten, dass bei ihren Angriffen Zivilisten zu Schaden gekommen sind. Sie bestätigte hingegen die Angriffe ihrer Luftwaffe. Seit Anbeginn der Offensive seien 23 Ziele zerstört und 343 Kämpfer „neutralisiert“ worden, hieß es. Damit kann Ankara sowohl Getötete als auch Verletzte oder Gefangene meinen. Der türkische Gesundheitsminister Ahmet Demircan teilte laut der Nachrichtenagentur Reuters mit, auf türkischer Seite seien bislang drei Soldaten sowie elf Rebellen der FSA getötet worden. Zudem gäbe es 130 Verwundete.

          Über die Geländegewinne der Türken gibt es zur Zeit keine verlässlichen Angaben. Laut (ICAR bewegten sich die Kämpfe jedoch „entlang der Grenze“ zur Türkei und östlich von Afrin gelegenen syrischen Kantons unter Kontrolle der Freien Syrischen Armee. Ihre Kämpfer seien es auch, die die Hauptlast der Kämpfe am Boden trüge. Die türkische Infanterie halte sich bislang zurück.

          Die kurdische Kantonsverwaltung in Afrin wandte sich am Freitag an die syrische Regierung in Damaskus. In einer Mitteilung hieß es, „das syrische Regime ist bislang seiner Pflicht nicht nachgekommen, die Grenzen von Afrin zu sichern.“ Das Kanton sei ein integraler Bestandteil Syriens.

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte am Freitag in Aussicht, die Offensive seiner Streitkräfte auszuweiten. Nach Afrin werde die Türkei sich auf den Osten, einschließlich der Stadt Manbidsch konzentrieren, sagte er bei einer Veranstaltung seiner AK-Partei. Dort bilden amerikanische Spezialkräfte YPG-Truppen aus. Beobachter warnen davor, dass dort die beiden Nato-Verbündeten in Gefechte miteinander verwickelt werden könnten.

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