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Kundus-Untersuchungsausschuss : Ich kann Ihnen ja eine Skizze machen

„Interessierte Kreise, die Zwietracht säen wollen”: Guttenberg stellt sich vor dem Auftritt im Ausschuss den Fotografen Bild: AP

Ist der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in der Kundus-Affäre immer bei der Wahrheit geblieben? Die Frage ist für seine Zukunft wichtiger als die Bewertung des Luftangriffs.

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          Die Bundeskanzlerin hatte das geschickt gemacht. Just für den Tag, an dem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg vom Kundus-Untersuchungsausschuss in die Mangel genommen werden sollte, setzte die Regierungschefin überraschend eine Regierungserklärung zum Afghanistan-Einsatz an. Der Plan ging auf, umso mehr, als auch die SPD mitspielte und ihren Vorsitzenden Sigmar Gabriel im Bundestag gegen Angela Merkel antreten ließ. Die Botschaft war eindeutig: An diesem Tag sprechen die Großen über die große Politik, über Krieg, Tod und die Sicherheit der Welt. Wer da noch wissen will, ob der Verteidigungsminister seine Darstellung eines vertraulichen Gesprächs mit seinen Spitzenleuten im November vorigen Jahres an die Presse durchgestochen hat, ob vier oder fünf Leute am Tisch saßen, der muss als jämmerlicher Kleingeist durch die Tür gehen.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Oder? War es reiner Zufall, dass Guttenberg gerade an jenem Tag vor dem Ausschuss auftreten musste, an dem der Augsburger Bischof (und Militärbischof!) Walter Mixa mit seinem Rückzug jenem öffentlichen Druck weichen musste, der vor allem deshalb entstanden war, weil Mixa die Unwahrheit gesagt hatte? Lehrt die Erfahrung nicht, dass über die Zukunft eines Prominenten - sei er nun Politiker oder Kirchenmann - weniger seine Fehltritte entscheiden als vielmehr der öffentliche Umgang mit diesen?

          Ein seltener Moment der Unsicherheit

          Für die politische Zukunft von Karl-Theodor zu Guttenberg ist es gleichgültig, warum er wann zu welchem Urteil über den vom deutschen Oberst Georg Klein angeforderten Luftschlag bei Kundus im September vorigen Jahres gekommen ist und warum er sowohl den damaligen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan als auch den ebenfalls damaligen Staatssekretär Peter Wichert achtkantig rausgeschmissen hat. Entscheidend wird am Ende nur sein, ob er im Zuge des Umgangs mit der ganzen Operation irgendwann die Unwahrheit gesagt hat. Daher war Guttenbergs sechs Stunden währende Befragung am Donnerstag eine ziemlich spannende Angelegenheit.

          Als es draußen vor dem Sitzungssaal schon dunkelt, kommt es zu einem der wenigen Momente, in denen der ansonsten selbstsicher auftretende Verteidigungsminister unruhig wird. Es geht um das Gespräch, das er am 25. November vorigen Jahres um 14.20 Uhr mit Schneiderhan, Wichert, seiner Büroleiterin und vielleicht - das wird noch zu klären sein - seinem Adjutanten führte. Es ging damals darum, ob Schneiderhan und Wichert den Minister mit den Berichten über die Bombardierung bei Kundus ausreichend versorgt hatten. Nachdem Guttenberg zu der Auffassung gelangt war, dieses sei nicht der Fall gewesen, feuerte er die beiden wichtigsten Leute des Ministeriums nicht einmal drei Stunden später.

          Das Umfeld als Quelle - eine Lüge?

          Entgegen manchem Gerücht wehrt sich Wichert nicht gegen seinen Rauswurf nur wenige Monate vor dem Erreichen des Ruhestandsalters. Was ihn wütend macht, ist ein Bericht im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ nur fünf Tage später. Dort wird jene Version des Gesprächsverlaufs veröffentlicht, die Guttenberg als Grund für den Rauswurf diente: Die Mitarbeiter hätten auch auf mehrfaches Nachfragen bestritten, dass es nationale Untersuchungsberichte zum Luftschlag gebe. Der Minister hatte aber an diesem Tag erfahren, dass es einen Bericht der Feldjäger gibt. Als Quelle für diese Darstellung wird im „Spiegel“ das „Umfeld“ des Ministers genannt.

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