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Urlaubsplanung : Wie die Schulferien in Deutschland festgelegt werden

Pausengespräch: Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU, links) und Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen), Präsidentin der Kultusministerkonferenz Bild: dpa

Die Ferien in den Bundesländern liegen 2014 besonders eng beieinander. Der Tourismusverband befürchtet schon Millioneneinbußen. In den Folgejahren sieht es besser aus. Was die Minister bei der Planung alles beachten müssen.

          Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter von Eltern und Vertretern der Tourismusbranche mehr als die Ferienregelung. In Familien mit mehreren Kindern werden zumindest die Sommer über Jahre hinweg von der Schulferienregelung beeinflusst. Auch in der Kultusministerkonferenz (KMK) gehören Diskussionen über künftige Sommerferien zu den Zerreißproben. Es war Nordrhein-Westfalen, das 2007 um jeden Preis einen späten Ferienbeginn mit Bayern und Baden-Württemberg erwirken wollte und damit scheiterte. Besonderes Aufsehen hat der Ferienkorridor in diesem Jahr erregt, der sich im Unterschied zu anderen Jahren auf insgesamt 73 Tage erstreckt, während zwischen dem frühesten Ferienbeginn und dem spätesten Ferienende vom kommenden Jahr an bis zum Jahr 2024 insgesamt 80 bis 86 Tage liegen werden. Das sieht jedenfalls die langfristige Ferienregelung der KMK vor, die dieser Zeitung vorliegt. Die Amtschefkonferenz soll darüber im Mai beraten, die Kultusministerkonferenz im Juni entscheiden. Wenn alle anderen bildungspolitischen Ziele von den Kultusministern so langfristig festgelegt werden könnten, wäre manches einfacher, hört man aus dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz in Berlin.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Es ist nämlich keineswegs so, dass die Kultusminister jedes Jahr nach Gutdünken die neuen Ferientermine ausheckten. Es spielt auch keine Rolle mehr, dass Bayern und Baden-Württemberg als von der Landwirtschaft geprägte Länder ihre Kinder bei der Ernte als Hilfskräfte brauchen und die Ferien in diesen beiden Ländern deshalb immer spät beginnen und entsprechend spät enden, weil beide Länder vom Rotationsprinzip der übrigen Länder ausgenommen sind. Ausschlaggebend für den späten Beginn der Sommerferien sind nach Auskunft des Generalsekretärs der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik, die zweiwöchigen Pfingstferien in beiden Ländern. Und weil Ostern und Pfingsten in diesem Jahr sehr spät seien, das Land mit dem frühesten Ferienbeginn also zwei Wochen nach Pfingsten schon mit den Sommerferien hätte beginnen müssen, wurde der Ferienkorridor in diesem Jahr auf nur 73 Tage gestrafft.

          Oberstes Gebot sind pädagogische Gesichtspunkte

          Der Tourismusverband hatte in diesem Ausnahmejahr Alarm geschlagen und Horrorszenarien mit Einbußen von bis zu 120 Millionen Euro für jeden entfallenden Ferientag ins Spiel gebracht, dazu weitere Umsatzeinbußen durch eine geringe Auslastung zu Ferienbeginn und Ferienende. Die extrem hohe Nachfrage bei Herbergen und Gastronomie führe zu Preissteigerungen und höheren Urlaubskosten für die Betroffenen, außerdem seien Hauptreiserouten und Urlaubsregionen überfüllt. Die Wirtschaftsministerkonferenz forderte die Kultusministerkonferenz daraufhin auf, für die Ferien einen Zeitraum von 90 Tagen auszuschöpfen, unterbreitete aber nach Angaben der KMK nie einen konkreten Vorschlag dazu.

          Der Tourismus solle endlich von seinen starren Belegungszeiten (Samstag Anreisetag) abweichen, auch dadurch lasse sich der Verkehr zu Ferienbeginn und Ferienende entzerren. Auch der rasante Anstieg von Flugpreisen zum jeweiligen Ferienbeginn erschwere Familien den Start, entgegnet man in Berlin und verweist auf Kriterien für die künftige Sommerferienplanung. So sollen die beiden Schulhalbjahre etwa gleich lang sein, Schüler sollen kontinuierlich lernen können, Unterrichtsphasen sollen mindestens sechs Wochen lang sein, Klassenfahrten und Sportwettkämpfe auf das Jahr verteilt werden. Dazu müssen Prüfungsabläufe gesichert werden. Bei zentralen mündlichen Prüfungen (etwa beim Abitur) sind drei Lehrer gleichzeitig beschäftigt, ihr Unterricht in anderen Klassen muss also organisiert werden. Viele Schulen retten sich über diese Zeit, indem sie eine Klassenfahrt mit einem anderen Begleitlehrer anberaumen.

          Grundlage für die Festlegung der Ferientermine ist das sogenannte Hamburger Abkommen in der Fassung vom 14. Oktober 1971. Oberstes Gebot für die Ferienfestlegung sind demnach pädagogische Gesichtspunkte. Die Gesamtdauer der Schulferien liegt bei 75 Werktagen. Erklärt die Schulbehörde einen Schultag für unterrichtsfrei, der außerhalb der Ferien liegt, wird dieser nicht mitgerechnet. Außerdem sollen die Sommerferien zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen und regional gestaffelt werden. So sollen zwei benachbarte Bundesländer nicht gleichzeitig Ferien haben, damit Staus vermieden werden. Während die KMK ausschließlich die Sommerferientermine festlegt, terminieren die Länder alle übrigen Schulferien selbst.

          Die einen wollen Ski fahren, die anderen in den Süden

          Gemäß dem Hamburger Abkommen werden deshalb Ländergruppen gebildet, die mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg rotieren. So bildet das bevölkerungsreiche Land Nordrhein-Westfalen eine eigene Gruppe, aber auch Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Immer wieder versuchen Kultusminister, aus dem Rotationsprinzip auszuscheren, der Neid auf Baden-Württemberg und Bayern ist bei den einen groß, die anderen wollen gar nicht im Frühherbst Ferien machen. Doch die KMK hat aus den früheren Auseinandersetzungen gelernt: Dieses Mal hat eine Kommission mit Vertretern aller Länder den Plan gemacht. Die Prüfungstermine für das Abitur müssen so koordiniert werden, dass die Abiturnoten vor Ablauf der Bewerbungsfristen bei Hochschulen und Universitäten vorliegen. Hinzu kommen Partikularinteressen wie die Angleichung von Betriebs- und Schulferien oder verwandtschaftliche Interessen einer gemeinsamen Ferienplanung über Länder hinweg.

          Zur Zufriedenheit aller sind nicht einmal die längeren Ferienperioden nach Weihnachten und an Ostern in den einzelnen Ländern zu regeln. Die einen wollen Ski fahren, die anderen zögen es vor, an Ostern mehr Zeit für eine Fahrt in den Süden zu haben. Das Wohl und Wehe des Bildungssystems hängt gewiss nicht an der Ferienplanung, auch wenn manche Beteiligten mitunter diesen Eindruck erwecken. Wer sich den Jahreskalender in Deutschland anschaut und zur Kenntnis nimmt, wann einmal alle 16 Länder Unterricht haben, kommt auf wenige Wochen. Große Spielräume lassen die unterrichtsorganisatorischen Zwänge und der Kirchenkalender mit den hohen Festtagen also nicht. Und wer in Schleswig-Holstein oder Berlin und Brandenburg schon immer einmal gern bis Anfang September Ferien gehabt hätte, kann sich auf die Jahre 2016 und 2017 freuen, bevor die Ferientermine für diese Ländergruppe in den darauffolgenden Jahren wieder nach vorne rücken.

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