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Kultusminister-Konferenz : Neue Initiative zur Lehrerbildung

Abiturprüfung in Straubing: Vergleichbare Aufgaben von Rügen bis Bayern? Bild: dpa

Die Kultusminister der Länder wollen die Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen verbessern und den Praxisbezug erhöhen. Zudem sollen künftig Schüler noch besser vor möglichen sexuellen Übergriffen durch ihre Lehrer geschützt werden.

          2 Min.

          Die Kultusminister haben sich am Freitag in Berlin auf gemeinsame Eckpunkte in der Lehrerbildung geeinigt. Sie wollen die „Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung“ in einer Bund-Länder-Initiative weiterentwickeln und darüber Gespräche mit dem Bund führen. Das Lehren und Lernen in heterogenen Gruppen und die effektive Planung „kompetenzorientierten Unterrichts“ müssten dabei in die Lehrerbildung einfließen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Konkret geht es darum, die Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen zu verbessern, den Praxisbezug in der Lehrerbildung zu erhöhen, die Studenten während ihres Studiums gezielter zu beraten und die Lehramtsstudenten auf heterogene Klassen vorzubereiten - etwa mit behinderten Schülern. Bisher gibt es keine einheitliche Organisation der Lehrerbildung in den verschiedenen Ländern. Lehrer stoßen auf erhebliche Schwierigkeiten, wenn sie von einem Land in ein anderes wechseln wollen.

          Um auch die Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen zu stärken, wollen die Kultusminister einheitliche Leistungsvergleiche einführen. Dafür sollen die schon existierenden Vergleichsarbeiten der Projektgruppe Vera vereinheitlicht und stärker als Instrument der Unterrichts- und Schulentwicklung genutzt werden.

          „Qualität der Vergleichsarbeiten erhöhen“

          Die Kultusministerkonferenz verständigte sich in Berlin auf eine entsprechende Vereinbarung, die konkrete Hinweise für die Tests und die Rückmeldung der Ergebnisse gibt. Das den Ländern gemeinsame Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) wurde beauftragt, die Qualität der Vergleichsarbeiten zu erhöhen. Für die Nutzung der Vera-Ergebnisse zur Schul- und Unterrichtsentwicklung an Ort und Stelle sind die Schulleitungen zuständig.

          Die Länder vereinbarten, die Schulen dabei durch die Landesinstitute und Schulverwaltungen zu unterstützen. Fachleute sollen den Schulen bei der Interpretation der Daten helfen und sie bei der Planung von Verbesserungen unterstützen. Den Lehrern sollen die Vergleichsarbeiten in Fortbildungen erklärt werden.

          Beschluss zu „sexuellem Missbrauch“

          Um Schüler noch besser vor sexuellen Übergriffen durch ihre Lehrer zu schützen, haben die Kultusminister die „Handlungsanweisungen zur Vorbeugung und Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen und Gewalthandlungen in Schulen und schulnahen Einrichtungen“ aus dem Jahre 2010 ergänzt. Sexuelle Grenzüberschreitungen durch Lehrer „sind als fundamentales Versagen im Kernbereich der dienstlichen und arbeitsrechtlichen Pflichten zu werten“, heißt es nun. Eine möglicherweise fehlende Strafbarkeit schließe die Entfernung aus dem Beamten- oder Angestelltenverhältnis als schärfste Sanktion des Disziplinarrechts nicht aus.

          Damit reagierten die Kultusminister auf den Freispruch eines wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen angeklagten Lehrers durch das Oberlandesgericht Koblenz vom Ende des vergangenen Jahres, der damit begründet wurde, dass kein Obhutsverhältnis zwischen der Lehrkraft und der 14 Jahre alten Schülerin bestanden habe, da der Lehrer sie nur vertretungsweise unterrichtet habe. Die Kultusminister wollen prüfen lassen, ob Paragraph 174 des Strafgesetzbuches entsprechend geändert werden soll. Sie wollen sich in dieser Sache an die Justizministerkonferenz wenden.

          KMK: Abiture vergleichbar machen

          Die Kultusminister wollen das Abitur der unterschiedlichen Länder vergleichbarer machen. Bis Ende dieses Jahres sollen die Bildungsstandards für das Abitur in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch vorliegen, die Standards für Biologie, Physik und Chemie werden im Jahre 2013 erarbeitet. Bildungsstandards umschreiben die Kompetenzen, über die Abiturienten in den jeweiligen Fächern verfügen sollen. Sie sollen für alle Länder gelten und die Grundlage für eine vergleichbare Abiturprüfung sein.

          Von 2013 an soll ein sogenannter Aufgabenpool mit Beispielaufgaben entstehen, der die Schulen länderübergreifend zu gleichen Anforderungen in den Abiturprüfungen hinführt. Im Jahr 2016/2017 soll der Aufgabenpool für das Abitur in ganz Deutschland zur Verfügung stehen.

          Die Kultusministerkonferenz (KMK) reagiert mit diesem Beschluss auf zunehmende Kritik in der Bevölkerung an Mobilitätshindernissen durch Malus- und Bonuspunkte für Abiture unterschiedlicher Herkunft. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Berlin wird entsprechende Aufgaben mit einem „Erwartungshorizont“ und Bewertungshinweisen entwickeln.

          Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Merkel (CDU) verständigten sich die Länder darauf, bei Sprachförderung und Integration enger mit dem Bund zusammenzuarbeiten. Integration sei ein Thema, das vom Kind oder den Eltern her betrachtet werden müsse. Deshalb müsse es eine vernünftige systematische Frühförderung geben. Das sagte Frau Merkel nach ihrem Besuch bei der Kultusministerkonferenz, der im Oktober wegen der Euro-Krise nicht stattfinden konnte.

          Begleitet wurde die Kanzlerin von Bundesbildungsministerin Schavan (CDU) und Staatsministerin Böhmer (CDU). Im Gespräch mit der KMK hätten die Chancen der Integration im Vordergrund gestanden, nicht die Schwierigkeiten, sagte Frau Merkel. Der Präsident der KMK, Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD), sagte, Migration an sich sei kein Nachteil, sondern die Bildungsferne der Elternhäuser, ganz gleich, ob es sich um Migranten oder Deutsche handele. Die systematische Sprachförderung in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen müsse ausgebaut werden, einzelne Angebote führten nicht weiter, sagte Rabe.

          Bund und Länder hatten sich im Dezember 2011 auf eine gemeinsame Initiative verständigt, die auch Sprachstandsfeststellungen und Sprachförderprogramme kritisch prüfen soll. Bei der Integration qualifizierter Einwanderer spiele das am 1. April in Kraft tretende Gesetz zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen eine entscheidende Rolle, bekräftigte die KMK in Berlin. Es eröffnet ihnen einen Rechtsanspruch auf eine individuelle Bewertung ihrer im Ausland erworbenen Qualifikationen. Die KMK hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Länderressorts ein Mustergesetz entworfen, so dass die notwendigen Anerkennungsgesetze in den Ländern zügig verabschiedet werden können.

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