https://www.faz.net/-gpf-9dhct

Küstenwachschiff „Diciotti“ : Salvinis Paradoxie

  • -Aktualisiert am

Italiens Innenminister Matteo Salvini besucht am 15. August Genua nach dem Zusamnenbruch der Autobrücke, bei dem knapp 40 Menschen ums Leben kamen. Bild: AFP

Wenn es um das Vermeiden von Migration geht, wird Italiens Innenminister zum Pedanten. Da kommt es auf jede Seemeile an. In anderen Fällen ist er nicht so genau. Ein Kommentar.

          1 Min.

          In seiner Abschottungspolitik ist Italiens Innenminister Matteo Salvini bei einer besonderen Paradoxie angelangt: Er verweigert selbst Schiffen seiner eigenen Küstenwache die Einfahrt in italienische Häfen, wenn diese Migranten an Bord haben. Stattdessen will er, dass Malta die Geretteten aufnimmt, weil die knapp 180 Flüchtlinge zuvor in maltesischen Gewässern waren. Wenn es um das Vermeiden von Migration geht, wird Salvini also zum Pedanten – da kommt es auf jede Seemeile an. In anderen Fällen ist er nicht so genau. Wie auch immer dieser Einzelfall ausgeht, das Schicksal der Welt wird sich nicht daran entscheiden – wohl aber an jenem Politikstil, dessen Vertreter auch in Deutschland reüssieren.

          Als in Genua eine Autobahnbrücke einstürzte, machte Salvini kurzen Prozess mit der Betreiberfirma und empörte sich über Sparauflagen der EU. Wer wollte schon auf Ergebnisse von Untersuchungen warten oder auf einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen der Fehlkonstruktion einer einzelnen Brücke und der europäischen Finanzpolitik? Besonnenes Argumentieren ist für Salvini nicht notwendig, es zählt das Gefühl des Augenblicks. Für seine Anhänger muss Salvini einer sein, der mutig handelt, wo andere feige abwägen. Ein starker Tribun des Volkes.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Auf einem Verkehrsschild bei Mitterkirchen in Österreich hat jemand im Sommer 2020 die weiblichen Formen hinzugefügt.

          Allensbach-Umfrage : Eine Mehrheit fühlt sich gegängelt

          Nach dem Eindruck vieler Deutscher ist es um die Meinungsfreiheit derzeit so schlecht bestellt wie nie zuvor in der Bundesrepublik: Etwas weniger als die Hälfte glauben, man könne seine politische Meinung noch frei äußern.
          Abschiedsfoto vor dem Tierheim: Elvis, Koffer, Hut. Kurz darauf beginnt das Abenteuer.

          Hunde aus dem Tierheim : Die Bestie und mein großes Herz

          Wie ist es, einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren – insbesondere, wenn das Tier als schwierig gilt? Unser Autor berichtet von seinen ersten Wochen mit dem Mischling Elvis. Es sieht nicht gut aus.
          Ist das Geld bald wieder weniger wert?

          Tipps für Anleger : Neue Zeiten an den Finanzmärkten

          Die Geldentwertung kehrt zurück. Kluge Anleger stellen deshalb ihr Depot sorgfältig auf den Prüfstand. Doch worauf sollten sie jetzt setzen? Dieser Gastbeitrag zeigt die Alternativen.