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Kündigungsschutz : An deutschen Universitäten bleibt es ruhig

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1997 gab es einen der letzten großen Studentenproteste Bild: picture-alliance / dpa

Anders als in Frankreich beklagen Studentenvertreter in Deutschland die fehlende Politisierung und Resignation ihrer Kommilitonen. Gegen die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes bei Berufsanfängern gab es kaum Studentenproteste.

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          Während die Studenten in Frankreich in Massen gegen die Regierungspolitik auf die Straße gehen, hat es in den vergangenen Wochen in Deutschland kaum Proteste von Studenten gegen die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes bei Berufsanfängern gegeben. Es werde auch keine Protestbewegung während der Semesterferien entstehen, sagt der Sprecher des Bundesverbandes Grüne Jugend, Schilling, voraus.

          „Studenten sind nicht mehr so stark politisiert wie früher“, sagt der Bundesvorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), Küsters. Der hochschulpolitische Referent der Studentenvereinigung „Bündnis für Politik und Meinungsfreiheit“, Kietzmann, weist darauf hin, daß der Kündigungsschutz in Deutschland zur Zeit kein so großes Thema sei wie in Frankreich. Zudem ließen sich die Studenten schlecht mobilisieren, was zum Teil an fehlenden Basisgruppen liege. Der wachsende Druck, den Berufseinstieg zu schaffen, führe dazu, daß immer mehr Studenten ihr Studium nur noch möglichst schnell abschließen wollten. Außerdem fehle in Deutschland „eine generationsübergreifende Solidarität“.

          „Sehnsüchtiger“ Blick nach Frankreich

          Der Bundessprecher der „Sozialistischen Jugend“, Schalanske, blickt „sehnsüchtig“ nach Frankreich, denn es sei dringend notwendig, gegen Mißstände zu demonstrieren. Das wichtigste Problem sei die Einführung von Studiengebühren. Nationale Proteste gegen Studiengebühren zu organisieren sei schwierig, weil jedes Bundesland für sich und zu unterschiedlichen Zeiten darüber entscheide. Zudem sei die Studentenschaft in dieser Frage gespalten. Die eine Hälfte sei finanziell durch ihre Eltern abgesichert und sehe deshalb Studiengebühren gelassen entgegen.

          Die andere Hälfte müsse sich durch Nebenjobs ihren Lebensunterhalt sichern und habe keine Zeit, um sich politisch zu engagieren. Verschärft werde diese Situation durch die „Modularisierung“ - also die Standardisierung - der Studiengänge. Dies führe zu einer „massiven Disziplinierung“. Da die Studenten mehr Prüfungen ablegen müßten, bleibe für das politische Engagement keine Zeit. Zudem seien die bisherigen Proteste und Streiks an Universitäten meist gescheitert, weshalb sich unter den Studenten Resignation breitmache.

          Ausbeutung hochqualifizierter Arbeitskräfte

          Ähnlich äußert sich der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Liberaler Hochschulgruppen, George: „Die Studenten finden sich mehr und mehr damit ab, daß sie zur Kasse gebeten werden.“ Er sehe eine „gewisse Politikverdrossenheit“ an den Universitäten. So liegt die Beteiligung an den Wahlen zu studentischen Gremien bei nur noch etwa zwölf Prozent - selbst an der Freien Universität in Berlin, an der einst Rudi Dutschke Massenkundgebungen organisiert hat.

          Am 1. April soll gegen die „Ausbeutung“ hochqualifizierter junger Arbeitskräfte, insbesondere Studenten und Berufseinsteiger, protestiert werden. Zu diesem europäischen Praktikanten-Aktionstag ruft die DGB-Jugend auf. Weiße Masken sollen dabei nicht nur den gesichtslosen Mitarbeiter symbolisieren, gleichzeitig ermöglichen sie auch bei wenigen Teilnehmern medienwirksame Bilder.

          Große Studentenproteste erwartet der „Freie Zusammenschluß von StudentInnenschaften“ erst wieder, wenn über den Kündigungsschutz offen diskutiert werde, sagt das Vorstandsmitglied Berg. Sobald die Koalition ihre Pläne, die Probezeit auf zwei Jahre auszuweiten, verwirkliche, werde sie auf deutliche Ablehnung stoßen. Denn im Gegensatz zu Studiengebühren seien davon alle künftigen Arbeitnehmer betroffen.

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