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KSK unter Verdacht : Ein Brief ist nicht genug

Im freien Fall: Soldaten des Kommandos Spezialkräfte bei einer Übung (Archivbild) Bild: Pressestelle KSK

Verquere Kameraden zu enttarnen reicht nicht aus, um die Reihen der Bundeswehr-Elitetruppe dauerhaft von Extremisten frei zu halten.

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          Mit der Bundeswehr ist es ein wenig wie mit dem Fußball: Jeder hat dazu eine Meinung. Diese Woche bot Fans und Gegnern reichlich Stoff, um sich bestätigt zu fühlen. Schließlich sagte der Kommandeur der Eliteeinheit KSK, Markus Kreitmayr, Extremisten in seinem Verband quasi öffentlich den Kampf an. So etwas hat es in der Geschichte der 65 Jahre alten deutschen Streitkräfte noch nicht gegeben. Die dahinterstehende Frage taucht immer wieder auf, wenn Ermittlungen gegen verdächtige Soldaten öffentlich werden. Wie viele Rechtsextreme, Nazis und Wehrmachtsnostalgiker befinden sich in der Bundeswehr?

          Kreitmayr dient mit seinem Brief beiden Lagern als Kronzeuge. Für die einen belegt er, dass nun auch die letzten Rückzugsräume für Extremisten geschlossen werden. Die anderen werten den Brief als Alarmsignal, frei nach dem Motto: Wenn sich ein Kommandeur zu einem solchen Schritt genötigt sieht, wie viele Problemfälle muss er dann in seinen Reihen vermuten?

          Die Realität liegt wohl dazwischen. Ja, es gibt Hinweise, dass sich im KSK mehr Extremisten tummeln könnten als in anderen Truppenteilen. Sollte sich zeigen, dass im jüngsten Fall ein Kommandosoldat mit Nazi-Devotionalien und opulentem Waffenversteck im Garten Komplizen hatte, wäre das ein enormer Reputationsschaden für das KSK. Für einen Generalverdacht gegen die Soldatinnen und Soldaten des Kommandos besteht dennoch kein Anlass. Von den rund 1000 Angehörigen werden 20 genauer untersucht. Ein Systemversagen lässt sich daraus nicht ableiten.

          Ob es gelingt, das KSK von Extremisten freizuhalten, dürfte ohnehin nicht in erster Linie von der Fahndung nach verqueren Kameraden abhängen. Wer clever genug ist, wird sich nicht in den Kopf gucken lassen. Deshalb muss die Bundeswehr das Problem an der Wurzel packen. Das Signal Kreitmayrs an Extremisten reicht nicht aus. Es muss untersucht werden, warum Soldaten im KSK unter Umständen eher in den Extremismus abdriften als anderswo. Liegt es zum Beispiel an innerer Zerrissenheit oder fehlender Anerkennung? Nur wenn das geklärt ist, kann die Bundeswehr sicher sein, dass das KSK dauerhaft aus den negativen Schlagzeilen verschwindet.

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