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Zurück an die Spitze : Verantwortung für das KSK

Allerdings, und hier liegt schon einer der Webfehler des Kommandos, gehörte das KSK eigentlich gar nicht mehr so richtig zur Bundeswehr. Bezeichnenderweise sagte Kramp-Karrenbauer am Mittwoch, das Kommando müsse in die Bundeswehr „re-integriert“ werden. Viele Kommandosoldaten empfinden sich als eine ganz eigene, abgeschlossene Klasse – hier wir, dort die Bundeswehr. Umgekehrt haben Bundeswehr und Verteidigungsministerium das KSK in einer Weise allein gelassen, wie man das kaum für möglich gehalten hat. Als Generalinspekteur Eberhard Zorn am Mittwoch gefragt wurde, wie viele Kommandosoldaten derzeit wo dienen, gab er eine kurze, präzise Antwort: 30 Mann bei einer Task-Force 888 in Afghanistan. Vor einer Woche wäre eine solche Auskunft noch als Geheimnisverrat geahndet worden. Ebenso verhält es sich mit den Angaben über frühere Einsätze des Kommandos. Aber warum nicht Geschichten von Erfolgen – manchmal auch Niederlagen – erzählen, wie man das von anderen Spezialkräften kennt, den Navy Seals etwa. Es muss ja nicht gleich Hollywood sein. In Deutschland erscheinen frühere Kommandosoldaten medial höchstens als Psychopathen am Vorstadt-Tatort. 

Schlamperei ist noch die harmloseste Deutung

Die Liste der nun endlich ergriffenen Maßnahmen zeigt auch, welche Fürsorge-Zustände am Standort Calw jahrelang herrschten: die Nachwuchsauswahl in der Hand einiger weniger, mitunter extremer Männer, die Karriereverläufe unter weitgehender Kontrolle ewig dort stationierter Vorgesetzter, die ihre Führungskompetenz seit Jahren und manchmal Jahrzehnten nie anderswo beweisen mussten. Fortbildungen an der Führungsakademie – Fehlanzeige, Controlling der Abläufe – nichts da. Selbst bei der Buchführung über Waffen und in Munitionskammern haben wohl wilde Zustände geherrscht. Mehr als 60 Kilo Sprengstoff fehlen derzeit, dazu mehrere zehntausend Schuss Munition. Eine Generalinventur soll jetzt klären, ob eigentlich alle Waffen und Spezial-Ausrüstungen noch da sind. Für die Fehlbestände ist Schlamperei noch die harmloseste Deutung. Was, wenn weitere KSK-Angehörige im Garten, im Wald  Waffen- und Munitionsdepots angelegt haben, so wie der Unteroffizier, der kürzlich in Sachsen verhaftet wurde und seitdem schweigt?

Deutsche Kommandosoldaten gehören zu den weltweit besten. Einige von ihnen müssen das Vertrauen, das die deutsche Demokratie in sie setzt, auch durch besondere politische Zuverlässigkeit neu rechtfertigen. Schwer bewaffnete Halb- oder gar Antidemokraten sind für das Gemeinwesen eine Bedrohung. Das Kommando muss ein verlässliches, hochwertiges strategisches Instrument Deutschlands und seiner Partner in einer Welt voller Bedrohungen und Ungewissheiten sein. 

Peter Carstens
Politischer Korrespondent in Berlin

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