https://www.faz.net/-gpf-8c4bm

Edition von „Mein Kampf“ : Fußnoten zu Hitler

  • -Aktualisiert am

Antiquarisch ist „Mein Kampf“ schon jetzt erhältlich. Bild: dpa

Heute erscheint zum ersten Mal seit 70 Jahren in Deutschland eine neue Ausgabe von „Mein Kampf“ – in kritischer Edition. Die Historiker wollen Hitler damit quasi Fußtritte versetzen.

          An diesem Freitag ist es so weit. Kurz vor Mittag wird auf einer Pressekonferenz im Münchener Institut für Zeitgeschichte (IfZ) „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“ vorgestellt: 1948 Seiten in zwei Bänden. Die einen fiebern einer aufklärerischen Sensation oder wenigstens einer überfälligen Grundlagenforschung entgegen, die anderen sehen das Gedenken an die millionenfachen Opfer der NS-Gewaltherrschaft und die Gefühle von Überlebenden und Nachkommen missachtet. Bis zum Kriegsende 1945 ist „Mein Kampf“ allein in Deutschland in 1031 Auflagen insgesamt 12,4 Millionen Mal gedruckt worden. Anschließend waren Nachdrucke und Neuauflagen über sieben Jahrzehnte in der Bundesrepublik verboten, mit Verweis auf das Urheberrecht, das am Neujahrstag erloschen ist.

          Die Geschichte des Buches tritt mit der „kritischen Edition“ in eine neue Phase. Die Veröffentlichung „ordnet die historischen Fakten ein, erklärt den Entstehungs-Kontext, legt Hitlers gedankliche Vorläufer offen und kontrastiert seine Ideen und Behauptungen mit den Ergebnissen der modernen Forschung“. Erklärtes Ziel der IfZ-Editoren ist es, „wissenschaftliche Gegenargumente zu Hitlers Propaganda, seinen Lügen, Halbwahrheiten und Hasstiraden“ zu liefern. Geboten wird der Originaltext samt einer Gegendarstellung in Form von üppigen 3500 Anmerkungen – ein enormer Aufwand, der sich nur aus dem ewigen Streit um das Buch erschließt.

          Am Anfang war ein Putsch – und als Folge eine Freiheitsstrafe, allerdings in modernem Strafvollzug, ohne den es die Schrift des ständig schwadronierenden Häftlings von Zelle 7 in Landsberg am Lech wohl gar nicht gäbe. Am Abend des 8. November 1923 kletterte der 34 Jahre alte Weltkriegs-Gefreite Adolf Hitler bei einer Versammlung im Münchener „Bürgerbräukeller“ auf einen Stuhl, feuerte effektvoll einen Pistolenschuss in die Decke und schrie: „Die nationale Revolution ist ausgebrochen. Die bayerische Regierung ist abgesetzt. Eine provisorische Reichsregierung wird gebildet.“ Den markigen Worten folgte am nächsten Tag der von Hitler und dem weltbekannten General a.D. Erich Ludendorff angeführte „Marsch zur Feldherrnhalle“, der aber im Kugelhagel der Polizei zusammenbrach.

          Sechzehn Hitler-Anhänger und drei Polizisten verloren ihr Leben. Hitler konnte bei dem stümperhaften Putschversuch nur leicht verletzt, aber völlig verwirrt, entkommen und in einem abgelegenen Landhaus am Staffelsee untertauchen. Dort verhaftete ihn die Landespolizei am 11. November. Der Prozess fand vom 26. Februar bis zum 1. April 1924 statt. Die 25 Verhandlungstage nutzte der spätere „Führer“ als Propagandatribüne – angefeuert durch tosenden Beifall der Zuschauer –, um den missglückten Putsch zu einem durch Verrat gescheiterten Märtyrertum umzudeuten. Ludendorff wurde schließlich freigesprochen, Hitler und drei weitere wegen Hochverrats Angeklagte kamen mit der Mindeststrafe von fünf Jahren davon.

          „Hochschule auf Staatskosten“

          In Landsberg konzentrierte sich Hitler im Sommer 1924 auf seine programmatische Schrift mit dem Arbeitstitel: „Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit“. Nur nachts war seine Zellentür verschlossen, tagsüber jedoch ein reger Austausch mit „Kampfgefährten“ möglich, besonders bei Spaziergängen im Garten der Festung, beim Mittagessen und während der Teestunden mit Mohnstrudel. Gestört wurde er immer wieder durch Besucherströme. Wie man heute weiß, tippte er das Manuskript zum größten Teil selbst.

          Weitere Themen

          Merkel bekräftigt EU-Zusicherungen Video-Seite öffnen

          „Brexit-Deal“ auf der Kippe : Merkel bekräftigt EU-Zusicherungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bereitschaft der EU unterstrichen, zur Billigung des Brexit-Austrittsvertrages im britischen Unterhaus beizutragen. Merkel betonte, dass die EU nicht erneut über das Austrittsabkommen verhandeln werde.

          Im absoluten Krisenmodus

          EU-Gipfel in Brüssel : Im absoluten Krisenmodus

          Die Stimmung auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist gereizt. Die EU will Theresa May nicht geben, was sie will, die Stimmen aus ihrer Heimat sind vernichtend. Und dann löchert Angela Merkel die Premierministerin noch mit Fragen.

          Das Gute-Kita-Gesetz kommt Video-Seite öffnen

          Neues Gesetz ab Anfang 2019 : Das Gute-Kita-Gesetz kommt

          Nach dem Entwurf sollen vom Bund zunächst bis 2022 rund 5,5 Milliarden Euro an die Länder fließen. Das Geld soll Kindertagesstätten und Kindergärten zugutekommen.

          Topmeldungen

          EU-Gipfel in Brüssel : Im absoluten Krisenmodus

          Die Stimmung auf dem EU-Gipfel in Brüssel ist gereizt. Die EU will Theresa May nicht geben, was sie will, die Stimmen aus ihrer Heimat sind vernichtend. Und dann löchert Angela Merkel die Premierministerin noch mit Fragen.

          Neue Gesetze : Was sich 2019 alles ändert

          Eine Reihe von Neuregelungen können zum 1. Januar 2019 kommen – in der letzten Sitzung des Jahres gab der Bundesrat dafür grünes Licht. Eine Verfassungsänderung bremst die Länder aber erst einmal aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.