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Kritik am Entwicklungsminister : Gerd Müllers richtige Worte

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Entwicklungsminister Gerd Müller Bild: dpa

Der Entwicklungsminister bekam gerade reichlich Nachhilfe in Sachen Afrika und Frauen. Das war unfair und ziemlich dumm. Ein Kommentar.

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          Kaum ein Politiker spricht so eindringlich über Afrika wie der Bundesentwicklungsminister. So war es auch bei jener Veranstaltung Anfang November, als Gerd Müller über afrikanische Männer sagte, sie gäben ihr Gehalt vor allem für Alkohol, Drogen und Frauen aus.

          Was ist da nur passiert? CDU und CSU trafen sich in Bonn zur Paartherapie. Die beiden Partner wollten sich wieder annähern, bereit machen für den Bundestagswahlkampf. Sechs Sitzungen gab es, „Deutschlandkongresse“, Vorbereitung für ein gemeinsames Parteiprogramm. An jenem Tag ging es um Migration. Die Unionsmitglieder saßen im alten Bonner Plenarsaal, einer Retro-Version des Berliner Plenums: silberner Adler an der Wand, blaugepolsterte Stühle, helle Holztische um das Rednerpult.

          Armin Laschet, CDU-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, eröffnete die Veranstaltung und nannte Afrika das wichtigste entwicklungspolitische Thema. Er sprach von den vielen Menschen, die sich aufmachten, durch die Wüste marschierten und dabei ihr Leben ließen, womöglich mehr noch als im Mittelmeer. Laschets „Dreiklang“ gegen den tödlichen Exodus: „Hilfe im Herkunftsland, Schutz der Außengrenzen und Bekämpfung von Schleppertum.“ Nach ihm sprach die Europa-Abgeordnete Angelika Niebler von der CSU, dann trat Müller, ebenfalls CSU, ans Rednerpult.

          Afrika braucht Bildung

          Er redete länger, als er sollte, fast vierzig Minuten. In der ersten Reihe saß der Bundestagsabgeordnete Tobias Zech von der CSU und rechnete durch, ob er seinen Flieger noch bekommen würde. Im Bundestag gehört Zech dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an, er berichtet Müller regelmäßig über seine Reisen in Flüchtlingslager. Er fand die Rede des Ministers sehr gut, sehr komplex. Er teilt Müllers Ansichten: Es gibt für Deutschland kein Zurück zum Status quo ante. Die Konflikte, mit denen wir es jetzt zu tun haben, gibt es schon lange. Wir wollten sie nur nicht wahrhaben.

          Gerd Müller sprach respektvoll von Afrika, fast ehrfürchtig: „Hundertmal so groß wie Deutschland! Dreitausend Sprachen, Ethnien, Stämme, Religionen!“ Die Einwohnerzahl werde sich bis 2050 verdoppeln. Das sind zwei Milliarden Babys, rechnete Müller mit bayerischem Singsang vor. „Stellen Sie sich mal diese Freude vor, diese Dynamik von zwei Milliarden schreienden Babys, die in Afrika auf den Planeten treten und leben wollen, ein Recht zum Leben haben, genauso wie wir. Aber eine enorme Herausforderung natürlich.“ Die Jugend in Afrika brauche Bildung, das gelte vor allem für Mädchen und Frauen.

          Müller ist Pragmatiker, er zielt mitten rein in die elementaren Fragen des Lebens: Wasser, Ernährung, Energie, Umwelt. „Halten Sie mal den Atem an“, sagte er in Bonn, „und dann merken Sie, dass Sie nach einigen Sekunden schon wieder schnaufen müssen.“ Sauerstoff, Klima: keine theoretische Debatte, sondern eine Überlebensfrage. Manche der Zuhörer hatten das Gefühl, am Rednerpult stünde ein Grüner.

          Dann zitierte Müller Forschungsergebnisse aus Entwicklungsländern und machte es wie immer sehr anschaulich. „Wenn eine afrikanische Frau hundert Dollar verdient, Preisfrage: Wie viel bringt die nach Hause zur Familie? Die bringt neunzig Dollar nach Hause.“ Er sprach frei, die Zahlen hatte er im Kopf. Er wandte sich an den Abgeordneten Zech. „Wenn ein afrikanischer Mann hundert Dollar verdient, Preisfrage, Tobi, was bringt der nach Hause? Dreißig Dollar. Und du weißt sicher, was er mit dem Rest macht: Nämlich Alkohol, Suff, Drogen, Frauen natürlich.“ Der Mann investiere nicht in seine Kinder, in seine Familie, in Bildung und in Zukunft. Müller fügte dann noch hinzu, und dieser wichtige Nachsatz wurde in der späteren Empörungswelle überhaupt nicht beachtet: „Bei uns ist das auch nicht viel anders.“

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