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Berlin-Hohenschönhausen : Kritik an Entlassung von Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Berlin

Hubertus Knabe während einer Pressekonferenz im Juni 2014 (Archivfoto) Bild: dpa

Vorwürfe wegen sexueller Belästigung kosteten den Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hubertus Knabe seinen Job. Bei einigen ostdeutschen CDU-Bundestagsabgeordneten löst das jetzt Unmut aus.

          Die Entlassung des Leiters der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, veranlasst zu Kritik und Nachfragen. So verlangte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag Arnold Vaatz von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Aufklärung. Es drohe der Aufarbeitung der DDR-Geschichte ein „irreparabler Rückschlag“. Der Vorgang sei von „nationaler Bedeutung“, wird Vaatz’ Brief von Nachrichtenagenturen zitiert. Sein Brief sei in Absprache mit fünf von sechs ostdeutschen CDU-Landesgruppenvorsitzenden verfasst.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der DDR-Forscher Knabe war Anfang der Woche auf Betreiben des Kultursenators Klaus Lederer (Linke) und mit Zustimmung des Stiftungsrats von seinen Aufgaben entbunden worden. Grund der Maßnahme, die ohne vorherige Abmahnung und ohne Gelegenheit zur Stellungnahme verhängt wurde, waren Vorwürfe sexueller Belästigung und sexistischer Äußerungen, die zunächst ausschließlich gegen Knabes Stellvertreter Helmuth F. erhoben wurden. Dem Gremium gehören Vertreter des rot-rot-grünen Senats an, aber auch eine Vertreterin von Kulturstaatsministerin Grütters und ein CDU-Politiker aus Brandenburg.

          Die Vorwürfe waren bereits früher bekannt. Knabe wurde vorgehalten, nichts oder nicht genug dagegen getan zu haben. Dem widersprechen allerdings Mitglieder des Beirats. So war Knabe zwar bereits im April über neue anonymen Belästigungsvorwürfe von der Senatsverwaltung informiert worden, hatte aber auch auf mehrfache Nachfrage keine Details erfahren. Bei der Sitzung des Stiftungsrates wurde Knabe in dieser Woche zur Sache offenbar nicht gehört, sondern wartete zwei Stunden vor der Tür, bis Lederer ihm die Entscheidung mitteilte.

          Der Berliner CDU-Politiker Kai Wegner, früher Generalsekretär der Landespartei, warf Lederer vor, er habe Knabe abgeblockt und ihm bei der Aufklärung nicht geholfen. In einem offenen Brief forderten Mitte der Woche vier Mitglieder des Beirats der Gedenkstätte Knabes Wiedereinsetzung. Die Art und Weise, wie das Dienstverhältnis beendet wurde, sei „entwürdigend und von der Sachlage keinesfalls gerechtfertigt“. Nach Ansicht von vier weiblichen Beiratsmitgliedern, unter ihnen Freya Klier, habe der Vorgang den „Anschein einer Strafaktion, die sich eher als Reaktion auf seine politische Unangepasstheit denn als Antwort auf (vorgebliche) Verfehlungen deuten lässt“.

          Die Zeitung „Tagesspiegel“ berichtete am Freitag, nun gebe es auch Vorwürfe sexueller Belästigung und sexistische Äußerungen gegen Knabe selbst. Sie würden von mehreren Frauen erhoben. Die Zeitung will das aus der Kulturverwaltung Lederers und von einer anonymen, ehemaligen Mitarbeiterin erfahren haben, die gegenüber der Zeitung ohne Konkretisierung behauptete, Knabe habe „körperlichen Kontakt zu jungen Mitarbeiterinnen gesucht.“ Versuche, Knabe zu den Vorwürfen zu befragen, seien fehl geschlagen.

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