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Kritik an Energiepolitik der EU : Nationalakademie warnt vor Biokraftstoff

Laut Leopoldina birgt die Produktion von E10 erhebliche Risiken für die Umwelt. Bild: Manz, Florian

Die Erzeugung von Biokraftstoffen birgt erhebliche ökologische Gefahren: Das geht nach Informationen der F.A.Z. aus einer Analyse der Wissenschaftsakademie Leopoldina hervor. So verbrauche die Produktion von Bioethanol, Biodiesel oder Biogas mehr Fläche und verursache mehr Treibhausgase als andere regenerative Energiequellen.

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          Die Nutzung von Biosprit und Biogas ist in größerem Maßstab „heute und in Zukunft“ keine Option für Länder wie Deutschland. Sie sollten demnach auch kein tragender Bestandteil der Energiewende werden. Das schreibt das wichtigste wissenschaftliche Beratungsgremium in Deutschland, die Nationalakademie Leopoldina, in ihrer neuen Stellungnahme zu „Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen“, die an diesem Donnerstag veröffentlicht wird.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Gut zwanzig Wissenschaftler haben sich dafür aus naturwissenschaftlicher Perspektive mit den Voraussetzungen und dem Anbau von Bioenergie-Pflanzen befasst. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass die Erzeugung von Biodiesel, Bioethanol und Biogas, mit Ausnahme der direkten energetischen Umwandlung von organischen Abfällen, deutlich mehr Fläche verbraucht als andere regenerative Energiequellen, mehr Treibhausgase in den Landwirtschaftsbetrieben verursacht, die Nährstoffbelastung der Böden und Gewässer fördert und in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.

          Berlin wird aufgerufen, darauf hinzuwirken, dass die Energiepolitik in Brüssel korrigiert wird. Die aktuelle EU-Richtlinie, wonach bis 2020 möglichst zehn Prozent der Kraftstoffe hauptsächlich durch Sprit aus Biomasse zu ersetzen sind, sollte „überdacht“ werden, empfehlen die Wissenschaftler. „Deutschland sollte sich vielmehr auf andere erneuerbare Energiequellen wie Photovoltaik, Solarthermie und Windenergie konzentrieren. Die Einsparung von Energie und Verbesserungen der Energieeffizienz sollten Vorrang haben.“

          Grundlage der Analyse sind Lebenszyklusanalysen der Energieträger, in denen auch die Verunreinigung von Böden und Gewässern mit Nitrat und Phosphat, die Versalzung, Entwicklung der Artenvielfalt und Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel eingeflossen sind. Mit ihrer Stellungnahme widerspricht die Leopoldina dem Weltklimarat IPCC, der kürzlich zu dem Schluss gekommen war, dass Biomasse als Energiequelle zu empfehlen sei. Auch die jüngste Schlussfolgerung des Bio-Ökonomierates des Bundes, bis zum Jahr 2050 könnten in Deutschland 23 Prozent der verbrauchten Energie durch Bioenergie gedeckt werden, will die Nationalakademie nicht mittragen.

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