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Taubers Mobbing-Affäre : Kaninchen vor der Schlangengrube

Im Mittelpunkt des parteiinternen Streits: CDU-Generalsekretär Peter Tauber Bild: AP

Die CDU im Main-Kinzig-Kreis versinkt derzeit in einer innerparteilichen Schlammschlacht. Mobbing-Schmähschriften und sexistische E-Mails zeigen den Kreisverband von seiner dunklen Seite. Im Mittelpunkt der Streitigkeiten steht Generalsekretär Peter Tauber.

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          „Tiefer kann man nicht sinken.“ Mit diesen Worten umschreibt die einstige CDU-Kreistagsabgeordnete im hessischen Main-Kinzig-Kreis, Marianne Hain, den Zustand ihres Kreisverbands. Tatsächlich wird dort seit Monaten eine innerparteiliche Schlammschlacht geführt, die im Sommer sogar zum Abbruch einer fast fertig ausgehandelten Koalitionsvereinbarung mit der SPD führte. Angewidert befanden die Sozialdemokraten, die CDU sei angesichts ihrer Streitereien kein zuverlässiger Partner mehr. Das würde außerhalb der Grenzen von Hessens größtem Landkreis wahrscheinlich kaum interessieren, stünde mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber nicht ein Mann von besonderer Bedeutung im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Bevor Tauber von der Bundeskanzlerin nach Berlin geholt wurde, führte der in der Kreisstadt Gelnhausen lebende Tauber den damals hoch verschuldeten CDU-Verband. Der junge Bundestagsabgeordnete löste die finanzielle Krise und ließ es auch sonst nicht an Führungsstärke fehlen. Dass in dieser Zeit wohl mancher Parteifreund zum Parteifeind wurde, bekommt Tauber in diesen Tagen schmerzhaft zu spüren.

          „Operation Kaninchenjagd“

          Zuerst war es eine zehn Jahre alte Mobbing-Schmähschrift unter der Überschrift „Operation Kaninchenjagd“, die an die Öffentlichkeit gelangte. Tauber war damals Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender der Jungen Union in Hessen. So plump wie die Überschrift, so geschmacklos ist auch der Inhalt des neun Seiten starken Papiers. Adressiert ist es an Tom Zeller, den Vorgänger Taubers im Amt des Kreisvorsitzenden. Zeller erhält darin genaue Anweisungen, wie die zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren fest angestellte Kreisgeschäftsführerin Anne Höhne-Weigl, in dem Pamphlet immer wieder als „Kaninchen“ bezeichnet, aus dem Job gemobbt werden sollte. Wörtlich heißt es: „Damit das Kaninchen nicht übermütig wird, sollte man ihm das Leben aber durchaus schwer machen. Insbesondere durch Ausübung des Direktionsrechts kann man ihm den Alltag erschweren.“ Vorgeschlagen werden unter anderem die Anordnung von Mehrarbeit, Verbot des Internets für private Zwecke, Ermahnungen bei kleineren Nachlässigkeiten sowie negative Einträge in die Personalakte. „Flankierend“ könne man den Druck auf die Geschäftsstelle erhöhen und Gespräche mit anderen Personen führen. Falls eine Nachfrage komme, was mit dem Kündigungsschutz sei, solle man Sand in die Augen streuen. Auch zur Vorsicht wird ermahnt: „Wenn das Kaninchen zum Gegenangriff ausholt, muss die Jagd natürlich abgeblasen werden.“

          Offensichtlich wollte der Verfasser die resolute Mitbegründerin der Kreisfrauenunion loswerden, um eine jüngere, weniger gestandene Frau auf den Posten zu bringen. Auffällig ist, dass es an keiner Stelle einen Hinweis auf den oder die Verfasser gibt. Das Schreiben ist weder datiert noch unterschrieben. Obwohl es flüssig und stilistisch korrekt geschrieben ist, enthält es aber eine Reihe von Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehlern.

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