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Kritik an Buschkowskys Buch : Der Bürgermeister versteht es nicht

  • -Aktualisiert am
Sieht doch schön aus: Das Maybachufer in Neukölln
          2 Min.

          Schöner hätte es niemand inszenieren können: Vertreter etlicher Neuköllner Initiativen luden am Freitag zur Diskussion über das Bild des Bezirks ein, das dessen Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) in seinem Buch „Neukölln ist überall“ zeichnet. Die Veranstaltung hieß dementsprechend: „Wir sind Neukölln! Neukölln ist anders“.

          Doch nachdem etliche der in der Jugend- und Bildungsarbeit engagierten Sprecher - etwa des Projekts „Neuköllner Talente“, des Vereins „Aufbruch Neukölln“, des Unternehmens Juma (für: jung, muslimisch, aktiv) oder der Arabischen Eltern-Union - gegen Verallgemeinerungen und die als verletzend empfundenen Schilderungen Buschkowskys argumentiert hatten, meldet sich ein Gewerkschaftssekretär: Seiner Ansicht nach beschreibe Buschkowsky die Probleme sehr differenziert, er nenne Ursachen und Zahlen, fast liebevoll schildere er die guten Beispiele.

          Eine „gelinde Untertreibung“

          Verglichen mit dem, was ihm Erzieher, Busfahrer und Polizisten über ihre Erfahrungen erzählten, sei das Bild des Bürgermeisters von Neukölln eine „gelinde Untertreibung“. Endlich nenne jemand mal die Probleme. Schließlich nutzten noch so viele „Projekte“ nichts. Nur „die Politik“ könne die Verhältnisse ändern.

          „Das halten Sie für die Realität?“, fragte Barbara John (CDU), die frühere Ausländerbeauftragte des Berliner Senats, leicht entgeistert. Buschkowsky, legen viele Sprecher dar, nenne seine Quellen eben nicht, seine Kronzeugen trügen keine Namen, seine Statistiken kein Datum. Idil Efe von den „Neuköllner Talenten“, einem Mentorenprojekt, das nicht mehr nur Defizite ausgleichen, sondern Talente fördern will, erinnerte daran, noch vor 20 Jahren sei „Kreuzberg das Getto der Nation gewesen“.

          Anliegen der heute in Neukölln Aktiven sei es gerade nicht, Probleme zu verschweigen, sondern herauszufinden: „Was schlägt einer vor?“ Und da Buschkowsky seit vielen Jahren Bürgermeister und eben nicht „Klaus aus der Eckkneipe nebenan“ sei, der sich mal Luft mache, sei zu fragen, wie er seiner Verantwortung gerecht geworden sei und ob er seine Möglichkeiten genutzt habe. Frau John sagte, Buschkowsky sei zwar dafür, dass Migrantenkinder früh in die Kita gingen, doch bei der Versorgung mit Kindergärten liege Neukölln hinten.

          Buschkowskys Bild erschwere Sozialarbeit

          Asia Afaneh-Zureiki von Juma sagte, es sei nicht zu leugnen, dass es Menschen und Verhalten, wie Buschkowsky es schildert, gebe. Doch Verallgemeinerungen und die „Sprache des strafenden Vaters“ wirkten kontraproduktiv: Wie es wohl um die Integration in Neukölln stünde, wenn alle Deutschen umstandslos als arbeitslose Alkoholiker mit vielen Hunden wahrgenommen würden?

          Es sei Opferfest, eigentlich feierte er lieber mit seiner Familie, sagte Ghassan Hajjo von der Arabischen Eltern-Union, aber ihm sei wichtig, öffentlich zu sagen, dass Buschkowskys Bild von Neukölln die Sozialarbeit erschwere. Dorothea Kolland von der „Bürgerstiftung Neukölln“ berichtete von Erfahrungen mit Kindern afrikanischer Eltern.

          Um deren Bildungseifer und -erfolg müsse man sich keine Sorgen machen. Aber „die „Dealer in der Hasenheide machen Sorgen“. Ein „Dickicht von Vorurteilen“ liege über Neukölln, sagte Frau John, und seit Buschkowskys Buch nutze jeder den Bürgermeister als vermeintlich seriöse Referenz für seine Ressentiments.

          „Wir wollen auf keinen Fall Schönredner sein oder als Gutmenschen auftreten“, sagte Deniz Eroglu (von den „Neuköllner Talenten“). Man wolle sich auch gar nicht weiter am Buch des Bürgermeisters abarbeiten. Doch schlage es Türen zu, „die wir seit Jahren zu öffnen versuchen“.

          Kornelia Hmielorz vom Fortbildungsinstitut für die pädagogische Praxis sagte, die Erzieherinnen ihres Vereins „könnten auch viele Probleme erzählen“. Doch brauche man nicht immer wieder neu fragen, „wie Integration geht“, weil das längst bekannt sei: „Es ist nicht schwer, es besser zu machen.“

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