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„Merkelchen“ und Candy Crush : Kritik an Ramelow wegen Clubhouse-Auftritt

  • Aktualisiert am

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow Bild: dpa

Thüringens Ministerpräsident hat in der neuen App Clubhouse Details über die Corona-Beratungen mit Angela Merkel verraten. Seine Äußerungen stoßen auf Kritik – auch bei seinem Innenminister.

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          Nach einem missglückten Auftritt von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow auf der neuen Audio-App Clubhouse hat der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Theurer das Gesprächsniveau der Bund/Länder-Beratungen zur Corona-Krise infrage gestellt. „Herrn Ramelows Einlassungen lassen erahnen, wie es um das Diskussionsniveau in den ausufernden Ministerpräsidentenrunden bestellt ist. Dass diese Runde de facto einen Großteil der Legislativfunktionen in Deutschland von Bundestag und Landtagen ins Hinterzimmer verlagert hat, ist völlig inakzeptabel“, sagte Theurer der Deutschen Presse-Agentur. „Die Entscheidungen und die Diskussion darüber müssen zurück in die Parlamente“, bekräftigte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion eine regelmäßige Forderung der Liberalen.

          Der Linke-Politiker Ramelow hatte in einem Talkformat der noch relativ neuen App Clubhouse erzählt, dass er bei den stundenlangen und immer wieder auch mal unterbrochenen Treffen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Smartphone-Spiel Candy Crush spielt. Zudem bezeichnete er die Kanzlerin dort als „Merkelchen“. Ramelow erhielt für seine Plaudereien am Sonntag viel Kritik. Er entschuldigte sich auf verschiedenen Wegen für die Äußerungen, besonders deutlich für die Bezeichnung „Merkelchen“.

          Kritik von Thüringens Innenminister

          „Wenn sich bewahrheitet, dass Bodo Ramelow während der Ministerpräsidentenkonferenz Handyspiele spielt, dann sollte er sein Verhalten überprüfen“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Dazu ist die Situation zu ernst.“

          FDP-Politiker Theurer stellte mit Blick auf die App Clubhouse die Frage nach der „Selbstbeherrschung mancher Politiker“. „So wie einst Robert Habeck Twitter deinstalliert hat, weil ihm die Disziplin für diese App fehlte, stellen sich ähnliche Fragen, wenn Philipp Amthor (CDU) oder Bodo Ramelow zu nachtschlafender Stunde ein Ständchen trällern“, sagte Theurer.

          Clubhouse ist eine Social-Media-App aus den Vereinigten Staaten, die in Deutschland derzeit einen Hype erlebt. Man kann sich damit an Talkrunden beteiligen, es gibt aber auch geschlossene Gesprächsrunden. Sehen kann man sich in der App nicht, weil es ein Audio-Format ist.

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