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Kritik am deutschen Bildungssystem : Muñoz: „Keiner darf außen vor bleiben“

  • Aktualisiert am

Muñoz: Vernichtendes Urteil über das deutsche Schulsystem Bild: picture-alliance/ dpa

Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Muñoz, hat abermals das deutsche Bildungssystem kritisiert. Vor Abgeordneten des Bundestages mahnte er, Berlin habe die UN-Kinderrechtskonvention nicht lückenlos umgesetzt. Das deutsche Schulsystem sei selektiv, diskriminierend und ungerecht.

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          Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, hat seine Kritik am deutschen Bildungssystem bekräftigt. Wie der Bundestag am Freitag mitteilte, warf Muñoz der Bundesregierung am Donnerstag vor dem Bundestagsausschuss für Bildung vor, die UN-Kinderrechtskonvention nicht lückenlos umzusetzen.

          Die „perverse Folge“ sei, dass die Kinder von Flüchtlingen „in erster Linie vor ihrem Migrationshintergrund und erst in zweiter als Kinder betrachtet werden“, sagte Muñoz am Donnerstag. Bereits vor einem Jahr hatte der Rechtsanwalt und Pädagoge aus Costa Rica ein vernichtendes Urteil über das deutsche Schulsystem gefällt. Die Bundesregierung hatte bei der Ratifizierung der Konvention 1992 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kein besonderes Schutzrecht zuerkennen wollen.

          Deutsches Schulsystem ist diskriminierend

          Mit seiner frühen Aufteilung auf verschiedene Schultypen, überdurchschnittlich vielen Sonderschulen und mangelnder Chancengleichheit für Kinder aus unterprivilegierten Familien sei das deutsche Schulsystem selektiv, diskriminierend und ungerecht. Damit verstoße Deutschland klar gegen das Menschenrecht auf Bildung, erklärte Muñoz.

          Vor dem Bildungsausschuss sagte Muñoz, er warte immer noch auf eine Antwort der Bundesregierung auf seinen Bericht aus dem Jahr 2007. Als Fortschritt wertete er die Ansätze in mehreren Bundesländern, das mehrgliedrige Schulsystem auf ein zweigliedriges umzustellen. Wenig Fortschritte gebe es dagegen auch bei der Integration von Behinderten.

          „Migranten werden benachteiligt“

          Am Mittwoch hatte Vernor Muñoz bereits auf der Bildungsmesse Didacta in Stuttgart gesprochen: „Deutschland ist das Land, in dem der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg am größten ist“, sagte Muñoz. Die strukturelle Benachteiligung von Zuwanderern werde sich wegen der Überalterung der deutschen Gesellschaft in den kommenden 30 bis 40 Jahren rächen, sagte er voraus.

          „Es wird gravierende Auswirkungen haben, wenn Migranten keinen gleichberechtigten Zugang zum Bildungssystem bekommen.“ Mit Blick auf Nachteile der Behinderten im regulären Schulsystem forderte er mehr übergreifende Schulangebote: „Wir leben in einer Welt, die eine integrative Bildung braucht. Keiner darf außen vor bleiben.“

          Auch weibliche Schüler werden nach den Worten des UN-Sonderbeauftragten im deutschen Bildungssystem benachteiligt.: „Wenn die Lehrer dazu auffordern, sich stärker am Unterricht zu beteiligen, werden immer erst die Jungen drangenommen.“ In Schulbüchern und anderen Lehrmaterialien gebe es noch viele Klischees über die Rolle von Mädchen und Frauen.

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