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Kristina Schröder : Nach Hausfrauenart

Will mehr Zeit für die Familie: Familienministerin Kristina Schröder (CDU), hier bei einem Besuch in einer Kita in Erfurt Bild: dpa

Ausgerechnet Familienministerin Schröder, deren Anliegen immer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war, droht angeblich das Karriere-Aus - weil sie Mutter ist. In der CDU stellt man sich jetzt die Frage, woher die Geschichte kommt - und wem sie nutzt.

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          Die vergangene Woche war wieder einmal keine schöne Woche für Kristina Schröder. Erst musste die Bundesfamilienministerin und Wiesbadener CDU-Bundestagsabgeordnete von Montag bis Donnerstag erleben, dass sie trotz Ressortzuständigkeit in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle mehr spielte in dem partei- und koalitionsinternen Drama um eine starre oder flexible Frauenquote. Ihre dominante Vorgängerin Ursula von der Leyen setzte sich mit der festen Quote in Aufsichtsräten ab 2020 weitgehend durch, während Kristina Schröder von der SPD als „sogenannte Ministerin“ verspottet wurde. Dabei war die „Flexi-Quote“ mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung deutscher Unternehmen für deutlich mehr Frauen in den Aufsichtsgremien eine Erfindung der 35 Jahre alten Ministerin.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Am Sonntag dann folgte der nächste Tiefschlag, ebenfalls aus den eigenen Reihen. Fünf Monate vor der Bundestagswahl neige sich ihre Karriere als Bundesministerin dem Ende zu, meldete die Deutsche Presse-Agentur unter Verweis auf einen Bericht in der Zeitung „Bild am Sonntag“. Dort konnte die CDU-Frau lesen, dass sie selbst im Falle eines schwarz-gelben Wahlsiegs von Bundeskanzlerin Angela Merkel kein zweites Mal in ihr Kabinett berufen würde. Als Beleg für diese Prognose wurde ein führendes Mitglied der hessischen CDU zitiert: „Kristina Schröder wird nach der Bundestagswahl keine Ministerin mehr sein. Ihre Familiensituation steht dem entgegen.“ Die Politikerin, die als erste Ministerin im Amt Mutter wurde, wolle sich verstärkt um ihre fast zwei Jahre alte Tochter Lotte kümmern, hieß es. Die böse Botschaft: Die Doppelbelastung von Mutterrolle und Ministeramt habe ausgerechnet jene Politikerin überfordert, die stets eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie predigte.

          „Wir kommentieren das nicht“

          Diese Verzichtsbegründung war in der hessischen CDU-Spitze um Ministerpräsident Volker Bouffier schon vor zwei Wochen zu hören, bezog sich allerdings auf einen anderen zeitraubenden Posten. Da hatte Kristina Schröder offiziell die ihr angebotene Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl abgelehnt. Die Ministerin nannte dabei ihr Ja zur steuerlichen Gleichstellung der Homo-Ehe, das nicht der Mehrheitsmeinung der Partei entspreche, als Grund für ihre Absage an Bouffier. Einer Vorabmeldung der „Bild“-Zeitung, wonach mehr Zeit für Tochter Lotte der Hauptgrund für den Verzicht auf Platz Eins der Landesliste sei, wurde aus ihrem Umfeld heraus entschieden widersprochen. In späteren Versionen dieser Meldung fand sich diese Darstellung dann auch nicht mehr. Die jüngsten Berichte über ihren vollständigen Rückzug aus der ersten Reihe der Politik wegen familiärer Gründe kommentierte ein Sprecher der Ministerin mit der vielsagenden Bemerkung: „Bei solch einer Geschichte muss man sich doch immer fragen: Wer glaubt, dass sie ihm nutzt? Und deshalb kommentieren wir das nicht.“

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          In der CDU in Hessen und Berlin kursieren nun verschiedene Theorien, wem diese Geschichte nutzt und warum gerade jetzt die „Mama statt Ministerin“-Meldung ihren Weg in die Medien fand. Manche in der CDU glauben, dass Frau Schröder selbst die Meldung lancieren ließ, um den ohnehin feststehenden Karriereknick als Berufspolitikerin ohne Fortüne mit einer für viele Mütter und Väter sympathischen Begründung zu ummanteln. Als Indiz wird eine auch als Unmutsäußerung an Kristina Schröder interpretierte Äußerung der Kanzlerin auf dem Familiengipfel der Bundesregierung herangezogen: „Ich würde jetzt übertreiben, wenn ich sagen würde, dass es nicht manchmal auch ein kurzes Innehalten gibt und man überlegt, ob man nicht vielleicht den Vater noch einmal in die Pflicht nehmen könnte. Das ist bei ihr nun nicht so einfach, weil auch der politisch aktiv ist.“

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