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Kristina Schröder : „Es gibt keine Einheitsfamilien“

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Mag keine ideologischen Debatten: Familienministerin Kristina Schröder Bild: Pein, Andreas

Kristina Schröder möchte mehr Zeitsouveränität für Familien. Im Gespräch mit der F.A.Z. nennt sie als wichtigstes Ziel bis zur Bundestagswahl im Herbst 2013 den Ausbau der Krippenplätze.

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          Frau Ministerin, im Moment legen Sie sich anscheinend mit allen an und werden von allen Seiten kritisiert. Haben Sie noch Verbündete?

          Für meine These, dass wir in der Familienpolitik wegkommen müssen von den ideologischen Debatten, habe ich ausgesprochen viele Verbündete. Da spreche ich für alle Frauen und Familien in Deutschland, die es leid sind, sich hineinreden zu lassen und rechtfertigen zu müssen.

          Wie viele sind das?

          Das ist mit Sicherheit die Mehrheit der Bevölkerung.

          Und in der Politik? Haben Sie da noch Mitstreiter?

          Meine Politik nimmt die Wahlfreiheit für Familien wirklich ernst und steht dafür, niemanden in eine bestimmte Richtung zu drängen. Das ist die Linie der Bundesregierung, vor allem auch der Bundeskanzlerin. Da sind wir uns komplett einig.

          Nehmen wir das Betreuungsgeld. Da zerren die CSU auf der einen Seite und die Unzufriedenen in der CDU auf der anderen Seite. Bei der Gleichstellung blockiert die FDP Ihre Flexi-Quote, Frau von der Leyen macht Druck für eine globale Quote. Kocht da nicht jeder auf Ihre Kosten sein eigenes Süppchen?

          Familienpolitik ist traditionell ein sehr umstrittenes Feld. Direkt am Anfang meiner Amtszeit hat mir die Kanzlerin gesagt, dass es ein gutes Zeichen ist, wenn man von gegensätzlichen Seiten gleichzeitig Kritik bekommt. Das sei ein Indikator dafür, dass man richtig liegt. Sie war ja auch mal Frauen- und Jugendministerin.

          Deswegen haben Sie in Ihrem Buch wohl nicht nur die Emanzen angegriffen, sondern auch die Strukturkonservativen, wie Sie sie nennen?

          In der Tat richte ich mich gegen alle, die versuchen wollen, Frauen zu erzählen, wie ein richtiges Frauenleben auszusehen hat. Auf der einen Seite sind das radikale Feministinnen, die den allein seligmachenden Weg für Frauen darin sehen, in Vollzeit erwerbstätig zu sein. Auf der anderen Seite sind das Strukturkonservative wie Eva Herman, die erzählen, es sei allein seligmachend, zumindest in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes zu Hause zu bleiben. Diese ganzen verkrampften und sehr persönlich geführten Debatten machen Frauen das Leben unheimlich schwer. Sie sorgen nicht dafür, dass man Lust auf Familie bekommt.

          Alice Schwarzer und Eva Herman - sind das nicht nur Randphänomene?

          Es geht um sehr breite gesellschaftliche Strömungen. Wenn man sieht, wie übereinstimmend das Betreuungsgeld als „Herdprämie“ abgewertet wird: Das ist die herablassende Abqualifizierung von Frauen, die nach einem bestimmten Lebensentwurf leben. Bei den unter Dreijährigen wollen nach belastbaren Erhebungen immerhin 60 Prozent der Eltern ihre Kinder nicht in eine Krippe geben. Und auf der anderen Seite: Wenn man schnell wieder in den Beruf einsteigt, dann ist das vielleicht am Prenzlauer Berg kein großes Thema, aber in ländlicheren Regionen durchaus. Da geht es nicht nur um offene Kritik, sondern auch um die hochgezogene Augenbraue. Ich kenne keine junge Mutter, die nicht eine dieser Erfahrungen gemacht hätte.

          Was ist der rote Faden Ihrer Familienpolitik?

          Der Grundsatz, dass es keine Einheitsfamilien gibt. Deshalb brauchen wir für die ganz unterschiedlichen Lebensentwürfe, Werthaltungen und Bedürfnisse von Familien auch unterschiedliche Antworten. Eine moderne Familienpolitik braucht eine Bandbreite, die es den Familien ermöglicht, selbst souverän ihre Entscheidungen zu treffen. Das Thema Zeit steht dabei im Mittelpunkt meiner Familienpolitik.

          Ihre Vorgängerin hat das Elterngeld und den Krippenausbau durchgesetzt. Welches eigene Projekt wird man mit der Ministerin Kristina Schröder verbinden?

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