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Kristina Köhler : „Ohne jemals zur Feministin zu werden“

  • Aktualisiert am

Feministin will sie niemals werden Bild: Frank Röth

Ein steiler Aufstieg gelang ihr in der Politik, den Wahlkreis gewann sie direkt, promoviert wurde sie auch schon. Als neue Familienministerin will Kristina Köhler die Politik ihrer Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen fortsetzen. Beim Betreuungsgeld sieht sie einen „schweren Zielkonflikt“.

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          „Ich bin in Zukunft weiter zuständig für Islamkonferenz, Religionsgemeinschaften, Statistik, Integration, Extremismus und Datenschutz.“ So hatte Kristina Köhler noch am Dienstag über Twitter ihre Aufgaben im neuen Bundestag beschrieben. So schnell ändern sich Lebenspläne, denn seit Freitag steht fest: Die 32 Jahre alte Wiesbadener Bundestagsabgeordnete wird Bundesfamilienministerin und folgt damit Ursula von der Leyen nach, die ins Arbeits- und Sozialministerium wechselt.

          Kristina Köhler ist im Gegensatz zu von der Leyen ledig und kinderlos. Die Soziologin wurde gerade erst am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz bei dem Parteienforscher Jürgen Falter promoviert. Zudem studierte sie Philosophie und Geschichte.

          Ihren Wahlkreis gewann sie direkt

          Ein steiler Aufstieg gelang ihr in der Politik. Die künftige Familienministerin ist seit 2002 Mitglied des Bundestags. Bei der Wahl im September gewann sie den Wahlkreis Wiesbaden mit 40,8 Prozent gegen die damalige Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) und den früheren FDP-Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt.

          3. September 2009: Im Wahlkampf mit Roland Koch

          Kristina Köhler war bisher Mitglied des Innenausschusses. Dort hat sie sich vor allem als Fachpolitikerin für Islam, Integration und Extremismus mit deutlichen Wortmeldungen eingeschaltet. Zudem ist sie stellvertretende Vorsitzende des Bundesfachausschusses „Innenpolitik und Integration“ der Bundes-CDU. In Wiesbaden hat Köhler die bundesweit einmalige Integrationsvereinbarung der Stadt mit muslimischen Organisationen mitinitiiert und begleitet.

          Im BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags wurde sie in der vergangenen Wahlperiode gelobt für Befragungen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, dessen Amtsvorgänger Joschka Fischer und Innenminister Otto Schily. Dabei hatte es auch in ihrer Partei zunächst unter der Hand Vorbehalte gegeben, ob die junge, zierliche Frau diesen politischen Schwergewichten gewachsen sein würde.

          Aufsehen erregte Köhler mit der Behauptung, es gebe eine „deutschenfeindliche Gewalt“ von Ausländern. Dabei berief sie sich unter anderem auf Forschungsergebnisse des Kriminologen Christian Pfeiffer, der Köhlers Aussagen allerdings als „Missbrauch“ seiner wissenschaftlichen Befunde zurückwies.

          „Betreuungsgeld ein schwerer Zielkonflikt“

          Bessere Rahmenbedingungen für Familien, damit sich junge Paare leichter für Kinder entscheiden - so formulierte Köhler ihre familienpolitischen Ziele im Bundestagswahlkampf. Das will die regelmäßige Joggerin - vier Mal pro Woche steigt Köhler am Berliner Spreeufer oder im Wiesbadener Kurpark in die Laufschuhe - durch niedrigere Steuern und Abgaben für Familien erreichen; außerdem durch die steuerliche Absetzbarkeit der Kosten für Kinderbetreuung, ein ergänzendes Familiensplitting zum Ehegattensplitting sowie eine familiengerechte Arbeitswelt. Köhler nannte Ursula von der Leyen am Freitagabend im ZDF eine „ganz tolle Familienministerin“ und kündigte an, deren „erfolgreiche Familienpolitik fortzusetzen“.

          Bei der geplanten Einführung eines Betreuungsgelds sieht sich Köhler vor einem Dilemma. „Das ist wirklich ein schwerer Zielkonflikt“, sagte sie am Freitagabend in der ARD. Einerseits müsse der Staat jungen Eltern, die ihr kleines Kind komplett zuhause betreuen wollten, eine Anerkennung zukommen lassen. Denn vom Ausbau der Kinderkrippen hätten diese Eltern nichts. „Auf der anderen Seite darf es aber auch kein Anreiz sein für Familien, in denen das Kind sehr gut profitieren könnte von einer Kinderbetreuungseinrichtung, dass die sagen: 'Dann lass ich mein Kind lieber zu Hause'“, sagte Köhler. „Da müssen wir uns ganz genau
          Gedanken machen, wie wir dieses Dilemma lösen.“ Zum Glück habe die Koalition noch bis zum Jahr 2013 Zeit dazu.

          Köhler gehört der selbständigen Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) an, die eine konservative Richtung lutherischer Theologie vertritt und liberale, feministische oder politische Deutungsmodelle der Bibel ablehnt. Zielstrebig zeigte sie sich schon früh. Nach ihrem Abitur in Wiesbaden 1997 beschrieb Köhler in der Abi-Zeitung ihre Zukunftspläne. Längerfristig wolle sie die erste Frau sein, „die Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringt, ohne dass irgendein Teil darunter leidet und ohne jemals zur Feministin zu werden“.

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