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Kriminelle Clans : Ignoranz als Nährboden

Berlin: Polizisten führen im August 2018 einen verdächtigen Mann nach einer Razzia gegen kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien ab. Bild: dpa

Eine Parallelgesellschaft krimineller Clans gedeiht nicht einfach so – der ignorante Wohlfahrtsstaat hat einen guten Nährboden für sie geschaffen. Da reicht auch das plötzliche, harte Durchgreifen nicht aus.

          Das erscheint vertraut: Der Clan und die Religion bestimmen das Leben, die Familien sind größer als im Herkunftsland Libanon – sieben Kinder im Durchschnitt, fünfzehn keine Seltenheit. Gewalttätige Erziehung. Die Frauen dürfen nicht arbeiten. Das Familienoberhaupt ist Alleinherrscher, doch nicht er ernährt die Großfamilien, sondern das Sozialamt.

          Das Wertesystem wird von der Scharia diktiert, nicht vom Grundgesetz. So wurde schon 2007 das Milieu junger libanesischer Gewalttäter und ihrer Parallelgesellschaften in Berlin ausführlich beschrieben. Fazit: Sozialarbeit im herkömmlichen Sinn war schon damals längst an ihre Grenzen gestoßen. Wenn man die Sippenverhältnisse nicht aufbreche, so die Erkenntnis der wenigen Fachleute, werde sich nichts ändern. Schon damals wurde die Ignoranz der Politik kritisiert, insbesondere die deutsche Flüchtlingspolitik. Diese gestalte nicht, sondern verwalte.

          Ein ignoranter Wohlfahrtsstaat

          Und heute? Heute wird die Clan-Kriminalität neu entdeckt und der Eindruck vermittelt, mit neuen Stellen und hartem Durchgreifen könne dieser großfamiliären Form organisierter Kriminalität bald der Garaus gemacht werden. Immerhin: Endlich gibt es die ersten Lagebilder. Die Herausforderungen einer länderübergreifenden Koordination sind erkannt, ebenso die geldwaschenden Geschäfte der Clans – von Mord, Totschlag und Erpressung noch gar nicht zu reden.

          Dieses Phänomen ist ein Menetekel. Es zeigt im Brennglas die Fehler eines Jahrzehnte währenden Hereinlassens von Fremden, die man hier sich selbst überließ. Und das war zu einer Zeit, zu der noch nicht Zehntausende jeden Tag unkontrolliert die deutsche Grenze passierten (heute sind es wohl immer noch einige hundert täglich). Deshalb ist die Aufregung über das Geordnete-Rückkehr-Gesetz bigott.

          Dieses Rückkehr-zum-Recht-Gesetz muss als Teil einer Strategie verstanden werden: Schutz für Hilfsbedürftige, Integration derjenigen, die bleiben wollen und dürfen – und Rückführung derjenigen, die kein Recht (mehr) dazu haben, hier zu sein. Warum soll nur die Eingliederung konsequent betrieben werden, nicht aber die Abschiebung? Der ignorante Wohlfahrtsstaat ist der beste Nährboden für gewaltsame Milieus, welche die hiesige Ordnung verachten, von der sie so gut leben.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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