https://www.faz.net/-gpf-9mxsm

Kriminalstatistik : Deutlich mehr antisemitische Straftaten

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Bild: dpa

Laut der Kriminalstatistik geht die politisch motivierte Gewalt zurück, Hasskriminalität nimmt aber zu. Innenminister Horst Seehofer rät „allen Demokraten, die Entwicklung ernst zu nehmen“.

          1 Min.

          Die Zahl antisemitischer Straftaten ist gewachsen. Nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundeskriminalamtspräsident Holger Münch, die am Dienstag in Berlin die Statistik politisch motivierter Kriminalität vorstellten, gab es 2018 insgesamt 1799 judenfeindliche Straftaten, das sind fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa 90 Prozent der Taten wurden demnach von Rechtsextremisten begangen.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          „Ich rate allen Demokraten, die Entwicklung ernst zu nehmen“, sagte Seehofer. Gerade in unserem Land müsse man sich dieser Entwicklung mit allen Mitteln entgegenstellen, sowohl mit polizeilichen Instrumenten als auch in der Gesellschaft insgesamt.

          BKA-Präsident Münch sagte, dass die Zahl der Rechtsextremisten in Deutschland nicht unbedingt zunehme, wohl aber deren Radikalität. Wichtig sei es, die Strukturen genau in den Blick zu nehmen. „Wir gehen allen Hinweisen zu einem frühen Zeitpunkt nach“, sagte Münch, „terroristische Netzwerke sollen schon im Entstehen verhindert werden.“

          Laut Statistik ist die politisch motivierte Kriminalität insgesamt zurückgegangen. Die Zahl der Fälle sank gegenüber dem Vorjahr um knapp neun Prozent auf 36.000. Das sei aber kein Grund für eine Entwarnung, sagte Seehofer. So habe etwa die „Hasskriminalität“, die sich vorurteilsbeladen gegen bestimmte Gruppen richtet, zugenommen. Laut Statistik gab es in dem Bereich mehr als 8000 Taten, die meisten von ihnen haben einen fremdenfeindlichen Hintergrund.

          Linksextreme Taten bewegen sich in der gleichen Größenordnung, sind aber um etwa 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Als einen der Gründe führte Seehofer an, dass es im vergangenen Jahr in Deutschland keine internationalen Großereignisse gegeben habe, wie etwa den G-20-Gipfel im Vorjahr in Hamburg. Die Mehrheit der linksextremen Straftaten stehen im Zusammenhang mit den Demonstrationen im Hambacher Forst.

          Weitere Themen

          Videokonferenz mit der Queen Video-Seite öffnen

          „Nice to meet you“ : Videokonferenz mit der Queen

          Königin Elizabeth hat sich per Videoschalte mit Angehörigen der britischen Streitkräfte im Ausland unterhalten. Auch das Königshaus nutzt in Coronazeiten zunehmend Videoschalten, um Termine wahrnehmen zu können.

          Topmeldungen

          Kann sich auch mal leisten, wer nicht als „reich“ gilt: Dinner in Amsterdam.

          Vermögensverteilung : Die Neuvermessung der Reichen

          Wer die Lücke zwischen Arm und Reich verringern möchte, muss am unteren Ende ansetzen und den Aufbau von Vermögen unterstützen. Viel zu viele Deutsche haben keinerlei Ersparnisse. Das ist ein Armutszeugnis.

          Sondergipfel zu Corona-Hilfen : Verhindert Rutte die EU-Aufbaufonds?

          Ende dieser Woche sollen sich die EU-Chefs auf den 750-Milliarden-Corona-Aufbaufonds einigen. Erfolg oder Misserfolg könnte von einem einzigen Mann abhängen: dem niederländischen Premier Mark Rutte.
          Lauthals gegen Biden: Trump bei der Pressekonferenz im Rosengarten.

          Trumps Ersatz-Wahlkampf : Noch konfuser als sonst

          Wegen Corona kann Donald Trump keine Kundgebungen abhalten. Ersatzweise lädt er Journalisten ins Weiße Haus. Der Vorwand? Die neue China-Politik. Das tatsächliche Thema? Joe Biden. Denn der wolle alle Fenster abschaffen!
          Sturmumtost: das Gebäude der „New York Times“ in New York

          „New York Times“ in der Kritik : Ein Forum für alle?

          Von Kollegen gemobbt, von Twitter bevormundet: Meinungsredakteurin Bari Weiss verlässt die „New York Times“ – und erklärt in einem gepfefferten Kündigungsbrief, warum sie dort nicht mehr arbeiten möchte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.