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Kriminalstatistik 2010 : „Netz-Kriminalität ein enormes Problem“

Bundesinnenminister Friedrich bei der Präsentation der Kriminalstatistik in Berlin

Bundesinnenminister Friedrich bei der Präsentation der Kriminalstatistik in Berlin Bild: REUTERS

Die Internetkriminalität nimmt zu - das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Innenminister Friedrich am Freitag vorstellte. Insgesamt ist die Zahl der erfassten Straftaten aber auf einen Tiefstand gesunken. Auch die Zahl tatverdächtiger Jugendlicher ging zurück.

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          Die Kriminalität in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gesunken; nur die Zahl der Delikte im Internet stieg stark an. Insgesamt wurden 5,9 Millionen Straftaten registriert. Zugleich stieg die Aufklärungsquote mit 55,6 Prozent auf eine Bestmarke. Die sicherste Stadt in Deutschland war 2010 statistisch München. Am gefährlichsten lebt es sich in Frankfurt am Main. Dort war die Wahrscheinlichkeit doppelt so groß, Opfer einer Straftat zu werden.Trotz insgesamt sinkender Zahlen ist in einigen Kriminalitätsfeldern ein Anstieg zu vermerken. So wurden mehr Wohnungseinbrüche und Autodiebstähle angezeigt. In manchen Regionen, etwa in Sachsen, war der Anstieg besonders stark.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Auf diesem Deliktfeld ist zugleich die Aufklärungsquote besonders gering. Lediglich jeder sechste Wohnungseinbruch wird aufgeklärt, nur jeder vierte Autodieb gefasst. Hingegen werden bei den insgesamt 2197 Fällen von Mord und Totschlag die Täter fast immer gefasst. Innenminister Friedrich (CSU), der die Kriminalitätsstatistik gemeinsam mit seinem hessischen Kollegen Rhein (CDU) vorstellte, dankte der Polizei für ihrer Arbeit. Rhein stellte intensivere Bemühungen der Ermittlungsbehörden gegen Wohnungseinbrüche und Autodiebstähle in Aussicht, die in Hessen, besonders aber in Sachsen stark zugenommen haben. Es gebe, so Rhein, Anhaltspunkte, dass aus dem Ausland einreisende Banden stark auf diesem Felde der Kriminalität tätig sind.

          Die Zahl der registrierten Rauschgiftdelikte ist im vergangenen Jahr leicht um zwei Prozent auf 231.000 Fälle gesunken, wobei insbesondere bei Heroin und Kokain ein Rückgang (um zehn beziehungsweise 15 Prozent) festzustellen war. Zu den guten Nachrichten zählt auch, dass die Gewaltkriminalität rückläufig ist. Einen klaren Zusammenhang gibt es zwischen Gewaltkriminalität und Alkohol. Etwa bei einem Drittel der Fälle von gefährlicher Körperverletzung standen die Täter unter Alkoholeinfluss. Schusswaffen wurden als Tatmittel 2010 seltener verwendet als noch 2009, in 5553 Fällen wurde auch tatsächlich geschossen.

          Bild: dpa

          „Professionalisierung“ bei der Netzkriminalität

          Weiter stark steigend ist die Zahl der Verbrechen, die im Internet verübt werden. 224.000 Straftaten wurden erfasst, acht Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Friedrich erläuterte, dass es in diesem Bereich eine starke „Professionalisierung und Internationalisierung“ gebe. Während früher nur wenige Experten in der Lage gewesen seien, das Netz zu manipulieren, könnten heute viele Täter in einer „ausgedehnten underground economy“ Trojaner, Schadsoftware oder gestohlene Kunden- oder Kreditkartendaten erwerben und nutzen. Die Aufklärung von Straftaten im Netz sei schwierig, da manchmal die Opfer gar nicht merkten, dass sie angegriffen oder ausspioniert worden seien und weil Firmen bisweilen aus Angst um ihren Ruf auf Anzeigen verzichteten. „Das ist eine der großen und wichtigen Herausforderungen“, sagte Friedrich.

          Unter den etwa 2,1 Millionen Tatverdächtigen, die von der Polizei ermittelt wurden, waren 2010 weniger Jugendliche. Damit setzte sich der Trend sinkender Jugendkriminalität fort. Leicht gestiegen ist der Anteil der Ausländer an den Tatverdächtigen auf 21,9 Prozent. Fragt man nach der Sicherheit der Bürger in verschiedenen Gegenden der Bundesrepublik, so ist einerseits ein Nord-Süd-Gefälle zu verzeichnen. Das bedeutet: Im Norden gibt es statistisch mehr Kriminalität als im Süden des Landes. Zu den Großstädten mit hoher Kriminalitätsrate zählen neben Frankfurt auch Hannover, Berlin und Bremen (bis zu 15.977 Delikte auf 100.000 Einwohner). Besonders unbehelligt von Kriminellen lebt man in München (7684 Delikte auf 100.000 Einwohner), Dresden und Nürnberg.

          Im Rheinland werden besonders wenige Delikte aufgeklärt

          Nirgends werden mehr Straftaten aufgeklärt als in Augsburg. Dort wurden im vergangenen Jahr 73 Prozent der 24.000 angezeigten Straftaten aufgeklärt. Auch in München ist die Quote mit 61,5 besonders hoch. Im Rheinland hingegen werden besonders wenige Delikte aufgeklärt. Städte wie Köln, Düsseldorf und Bonn haben eine Aufklärungsquote von um die 45 Prozent. Ob diese großen Unterschiede an lokalen Besonderheiten oder statistischen Verfahren liegen ist schwer zu sagen. So unterschiedet sich von Großstadt zu Großstadt etwa der polizeiliche Umgang mit „Leistungserschleichern“, also Schwarzfahrern, erheblich.

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