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Kriminalitätsstatistik : Straftaten sinken, aber Kindesmissbrauch steigt

Bundesinnenministerin Nancy Faeser am Dienstag zusammen mit dem Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, und BKA-Präsident Holger Münch Bild: Imago

In Deutschland werden immer weniger Straftaten registriert. Die Zahl der Gewalttaten fällt ebenso wie die der Einbrüche. Bei der Verbreitung von Kinderpornographie hingegen sind die Zahlen explodiert.

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          Die Zahl der erfassten Straftaten in Deutschland ist weiter rückläufig. 2021 registrierte die Polizei insgesamt gut fünf Millionen Taten, das sind 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Seit 2017 sinkt Zahl der festgestellten Taten, 2016 hatten die Fallzahlen noch über sechs Millionen gelegen. „Wir sind ein sehr sicheres Land und ein starker Rechtsstaat“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Dienstag. Die Investitionen in mehr Personal hätten sich ausgezahlt.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Faeser lobte in der Pressekonferenz die abermals gestiegene Aufklärungsquote. Sie erreichte im vergangenen Jahr mit 58,7 Prozent einen neuen Höchststand. Das Bundeskriminalamt erklärte die höhere Quote teilweise mit dem Rückgang der Diebstahlsfälle um mehr als zehn Prozent. Diebstähle werden seltener aufgeklärt als andere Taten. Insgesamt hat die Polizei 2021 knapp zwei Millionen Tatverdächtige ermittelt, drei Viertel von ihnen waren männlich.

          Die Bundesinnenministerin verwies auch auf negative Entwicklungen. Sie sprach vom „entsetzlichen Ausmaß“ von sexuellem Missbrauch an Kindern. Die Zahl der Missbrauchsfälle ist um 6,3 Prozent auf 15.507 Fälle angestiegen. Die Fallzahlen bei der Verbreitung von Kinderpornographie haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt (plus 108,8 Prozent). Die amerikanische Organisation National Center of Missing and Exploited Children hat den deutschen Behörden zuletzt wieder viele Fälle von Delikten mit Tatort in Deutschland gemeldet.

          Weil hierzulande die Speicherung von IP-Adressen durch Telekommunikationsanbieter nicht zulässig ist, können die Ermittler die Identität der Täter oft nicht ermitteln. Ein weiterer Grund für die Explosion der Zahlen liegt darin, dass es unter Jugendlichen teilweise verbreitet ist, über Gruppenchats kinderpornographische Bilder zu teilen. Oft wissen die Jugendlichen nicht, dass das verboten ist. Der Schutz von Kindern habe höchste Priorität, sagte Faeser. „Diese Entwicklung müssen wir stoppen.“ Die Arbeit der Ermittler will sie durch den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Auswertung der Datenträger erleichtern.

          Weniger Einbrüche

          Die Zahl der registrierten Gewaltdelikte ging im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent auf 164.646 Fälle zurück. Etwa vier von fünf Gewaltstraftaten wurden aufgeklärt. Messerangriffe wurden erstmals in der Statistik erfasst. 2021 wurde bei 6,6 Prozent der Gewaltdelikte ein Messer benutzt oder als Drohmittel verwendet.

          Für Einbrecher ist die Pandemie keine gute Zeit, weil viele Menschen von zuhause aus arbeiten. Die Zahl der Einbrüche ist um 27,7 Prozent auf 54.236 Fälle gesunken. Bereits 2020 hatte es einen Rückgang gegeben. Zugenommen hat demgegenüber die Kriminalität im Cyberbereich: Hier gab es 146.000 Fälle, ein Plus von mehr als zwölf Prozent. Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, sprach von einer „Verschiebung von einem analogen Hellfeld in ein digitales Dunkelfeld“ und forderte, den „digitalen Wandel in der Polizeiarbeit“ voranzutreiben.

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