https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kriegsfolgen-wie-gefluechtete-ukrainerinnen-beruflich-neu-anfangen-18200774.html

Neuanfang von Ukrainerinnen : „Ich bin hier wieder eine Schülerin“

Trennbare Verben lernen fürs Leben in Deutschland: Zana Spasovska (rechts) unterrichtet bei der Initiative „Bildungsprofis“ in Frankfurt geflüchtete Ukrainerinnen. Bild: Lucas Bäuml

Viele Ukrainerinnen wollen in Deutschland so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen. Manchmal klappt das – auch wenn sie viele Hürden zu überwinden haben.

          7 Min.

          Oksana Lozinska hat nur drei Monate gebraucht, um sich ein neues Leben aufzubauen. Eine Woche nach Beginn des Kriegs in der Ukraine floh sie mit ihrer Tochter, ihrer Mutter und ihrer Schwester nach Deutschland. Sie hatte wenig eingepackt, weil sie davon ausging, bald nach Kiew zurückzukehren. Doch schnell wurde klar, dass das nicht möglich sein würde. Also meldete sie sich bei der Arbeitsagentur, schrieb Bewerbungen, führte Vorstellungsgespräche. Und nun ist sie hier, am südlichen Rand von Weimar, auf dem unscheinbaren Gelände der Firma Ibu-Tec, ihres neuen Arbeitgebers.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.
          Kim Maurus
          Volontärin.

          Es ist ein schwülheißer Tag Mitte Juli, als Lozinska ihre Geschichte erzählt. Sie wirkt stark und sortiert, weiß genau, was sie will: ankommen, etwas Neues lernen, Geld verdienen. Ob es trotzdem Momente gibt, in denen sie darüber nachdenkt, wie das Leben ihrer Familie durch den russischen Angriff von jetzt auf gleich über den Haufen geworfen wurde? „Ich versuche, eher an die Zukunft zu denken und weniger an die Vergangenheit“, sagt sie in nahezu perfektem Deutsch.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Ein russischer Raketenwerfer im September in der Region Donezk

          Moskaus Heer in der Ukraine : Die russische Kampfkraft schwindet

          Die russischen Streitkräfte haben schwere Verluste erlitten. Mit der von Putin verkündeten Teilmobilmachung können personelle Lücken gefüllt werden. Bei der Ausrüstung ist das schwieriger.
          Wenn schon sterben, dann mit Musik, lautet eine alte russische Soldatenredensart: Mobilisierte in einer Rekrutierungsstelle im südrussischen Bataisk

          Russland macht mobil : Das große Völkerbegräbnis

          Russland rekrutiert Zivilisten für den Ukrainekrieg. Die entlegenen und verarmten Regionen trifft es besonders hart. Die hochgerüsteten Ordnungshüter gehen brutal gegen Unwillige vor, doch dann werden die Soldaten oft unterversorgt an die Front geschickt. Ein Gastbeitrag.
          Russlands Präsident Wladimir Putin verliert an Rückhalt.

          Fachmann im Interview : „Er sagt sich: Wer braucht eine Welt ohne Putin?“

          Die wichtigste Methode Putins war bisher die Demobilisierung des eigenen Volks. Jetzt setzt er auf Mobilisierung. „Das ist ein absolut neues Experiment“, sagt der Moskauer Sozialwissenschaftler Grigorij Judin im Interview.