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Krieg in Afghanistan : „Es ist gefährlich und es bleibt gefährlich“

Guttenberg über die Gemütslage deutscher Soldaten: Bedrückt, in Trauer, aber nicht resigniert Bild: REUTERS

Sichtlich betroffen berichtet Minister Guttenberg von der Lage der deutschen Soldaten in Afghanistan. Trotz der Vulkanwolken sollen die Verwundeten schon bald mit ihm in Deutschland landen. Am Donnerstag hatten ein vergrabener Sprengsatz und Panzerfaustangriffe in Baghlan vier ihrer Kameraden getötet.

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          In einem olivgrünen T-Shirt, die Deutschlandflagge als Hoheitszeichen auf dem Ärmel, einen Klett-Streifen auf der Brust, auf den Soldaten ihr Dienstgradabzeichen heften können, steht Verteidigungsminister zu Guttenberg auf dem Rollfeld des Flughafens Termes in Usbekistan. Die Jacke hat er nach seiner kurzen Stellungnahme vor der Kamera abgenommen, jetzt erläutert er, wie er die Stimmung im Feldlager Mazar-i-Scharif empfunden habe.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Dorthin war der Minister tags zuvor umgekehrt, nachdem er über den Angriff auf deutsche Soldaten in der Provinz Baghlan erfahren hatte, bei dem vier Mann getötet und fünf verwundet wurden. Nach diesen Schilderungen erscheinen die Soldaten natürlich bedrückt und in Trauer, aber nicht resigniert zu sein.

          Gefallen sind ein Oberfeldarzt (33 Jahre) aus dem Bundeswehrkrankenhaus in Ulm, ein Major (38) aus Weiden/Oberpfalz von der Unteroffizierschule des Heeres sowie ein Hauptfeldwebel (32) und ein Stabsunteroffizier (24) von den Gebirgspionieren in Ingolstadt. Verwundet wurden ein Oberstleutnant (46) von der Offizierschule des Heeres in Dresden, ein Hauptfeldwebel (35) aus Stetten am Kalten Markt, ein Oberfeldwebel (27) aus Stetten, ein Stabsfeldwebel (44) aus Amberg und ein Hauptfeldwebel (32). Mit den Verwundeten wollte Guttenberg nun zurück in die Heimat fliegen, das „gehört sich“, wenn man als Minister in einer solchen Situation schon dort sei. Freilich sagt er auch, er sei „in der Hoffnung, dass wir in Deutschland auch landen können, weil die Vulkanwolke noch über Deutschland hängt.“

          Bangen und Hoffen: Verletzte Soldaten werden auf dem Rollfeld zum MedEvac-Airbus der Bundeswehr gebracht

          Mehrere Stunden musste der Airbus 310, ausgestattet mit dem Rüstsatz für medizinische Evakuation (MedEvac) deswegen auf der Rollbahn ausharren. So erscheint selbst im fernen Zentralasien die Vulkanwolke über Deutschland wie eine böse Metapher für das Unglück, das in den letzten Wochen über der Bundeswehr im Afghanistaneinsatz gelegen hat. Der Abflug des MedEvac in Köln hatte sich bereits verzögert. Medizinisch bedeutete das allerdings kein Problem, da die Verwundeten in Mazar auf hohem Niveau behandelt werden können.

          Der MedEvac-Airbus kann Schwerverletzte, wenn ihr Zustand stabilisiert ist, mit den Einrichtungen einer Intensivstation nach Hause transportieren. Dazu wird ein spezieller Rüstsatz in einen der A310 gebaut, wie sie sonst für Truppentransporte in Köln zur Verfügung stehen. Guttenberg hatte nach Erhalt der Meldung über die Verluste seinen Rückflug von einem zweitägigen Truppenbesuch abgebrochen. Im Hubschrauer erhielt er die Nachricht.

          Ein Sprengsatz tötete die deutschen Soldaten

          Der Minister hatte am Donnerstag das Regionale Wiederaufbauteam in Faizabad besucht, das im äußersten Nordosten Afghanistans liegt. Gerade aus Faizabad waren die Soldaten für die Operation im annähernd 200 Kilometer entfernten Baghlan abgestellt worden. Sie gehören zu einem sogenannten OMLT (Operational Mentoring and Liaison Team), das die Führer eines Kandaqs der afghanischen Nationalarmee (ANA) ausbildet. Ein Kandaq hat etwa 500 Soldaten und entspricht etwa einem deutschen Bataillon. Wie am Freitag deutlich wurde, war es ein gewaltiger vergrabener Sprengsatz, durch den die deutschen Soldaten getötet und verwundet worden sind. Er schleuderte ihr Fahrzeug vom Typ „Eagle IV“ weit zur Seite und hinterließ, wie es heißt, einen großen Krater in die Straße.

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