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Kreuzimpfungen möglich : Wie geht es jetzt in den Impfzentren weiter?

Das Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle, aufgenommen Mitte Mai. Bild: Frank Röth

Nach der Empfehlung der Impfkommission sprechen sich Bund und Länder für Kreuzimpfungen aus. Das neue Impfschema betrifft Hunderttausende, die mit AstraZeneca geimpft worden sind. Wir erklären, wie es für sie nun weitergeht.

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          Dass es jetzt Diskussionen gibt, war ja klar. Ein Herr mittleren Alters sitzt am Freitagvormittag an einem der Schalter des Frankfurter Impfzentrums in der Festhalle. Es ist sein zweiter Impftermin. Beim ersten Mal vor etlichen Wochen hat er das Präparat von AstraZeneca bekommen. Auf seinem Zettel steht, dass er an diesem Tag wieder mit Vaxzevria geimpft werden soll. So heißt das Mittel. Dabei hatten sich die Fachleute der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Tag zuvor gerade dafür ausgesprochen, dass Impflinge wie er beim zweiten Mal einen mRNA-Impfstoff erhalten sollen, also ein Mittel von BioNTech oder Moderna. Ob man das nicht kurzfristig ändern könne, fragt der Mann. Die Frau hinter der Kunststoffscheibe schüttelt den Kopf. Sie sagt: „Heute nur AstraZeneca.“

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Die Empfehlung der STIKO vom Donnerstag, bei AstraZeneca-Erstgeimpften von nun an wegen des besseren Schutzes vor der Delta-Variante auf eine sogenannte Kreuzimpfung zu setzen, hat viele kalt erwischt. Im Frankfurter Impfzentrum haben die Mitarbeiter am Morgen noch keine Anweisungen erhalten, wie sie mit der neuen Lage umgehen sollen. Sie arbeiten die Termine darum wie geplant ab. Wer für eine Impfung mit Vaxzevria einbestellt wurde und auf BioNTech oder Moderna besteht, muss wieder gehen.

          Zur selben Zeit haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern gerade zu einer Konferenz zusammengeschaltet. Sie beraten, was aus der Empfehlung der STIKO folgt. Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach der Sitzung am Mittag in Berlin erläutert, wollen Bund und Länder die Empfehlung der Fachleute rasch umsetzen. Der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens sei bei der Konferenz zugeschaltet gewesen, berichtet Spahn. Und dieser habe dabei „sehr deutlich gemacht“, dass die Kreuzimpfung aus AstraZeneca und BioNTech/Pfizer beziehungsweise Moderna einen „sehr, sehr hohen Impfschutz mit sich bringt“, berichtet Spahn. Der Minister verwies auch darauf, dass mit der Empfehlung der Stiko die Zweitimpfung bereits nach vier Wochen erfolgen könne.

          Bislang lagen die beiden Vaxzevria-Impftermine in der Regel drei Monate auseinander. Der Schritt bringt der Impfkampagne den Vorteil, dass die Zahl der vollständig Geimpften nun schneller steigen kann als bislang – ein Detail, das angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus wichtig ist. Denn Delta unterscheidet sich von den anderen Mutanten dadurch, dass es sich von einer Impfung allein nicht sonderlich beeindrucken lässt. Schon im Juli könnte Delta die dominante Variante in Deutschland werden, schätzen Fachleute. Da kommen steigende Quoten bei den Zweitimpfungen gerade recht.

          Doch hat der Wechsel der Strategie auch einen Preis. Ein Sprecher der Hamburger Sozialbehörde wies am Freitag darauf hin, dass nun mehr mRNA-Impfstoffe für die Zweitimpfungen benötigt würden als zunächst geplant. Das Hamburger Impfzentrum vergibt darum zunächst keine neuen Termine für Erstimpfungen mehr. Das bedeute, dass die Anpassung der Impfstrategie „die mögliche Reichweite der Impfkampagne bei jüngeren Menschen deutlich schmälert“. Auch in Bayern rechnet das Gesundheitsministerium damit, dass in einigen Impfzentren Termine für Erstimpfungen nach hinten verschoben werden müssen.

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          Hamburg will die Umstellung des Impfstoffs in seinem Impfzentrum „kurzfristig“ organisieren, wie ein Sprecher sagte. Impfwillige sollen ihre Termine unbedingt einhalten. Darauf dringt man auch in Brandenburg. Das Land kündigte am Freitag an, die Buchumgssysteme der Impfzentren „schnellstmöglich“ umzustellen. Ähnlich will das Gesundheitsministerium in Thüringen vorgehen. Wer bereits mit dem Präparat von AstraZeneca geimpft wurde, kann den Termin im Impfzentrum für die Zweitimpfung behalten und wählen, mit welchem Präparat die Serie beendet werden soll. In Thüringen sind nach Angaben des Ministeriums 25.000 Personen betroffen. Auch in Sachsen sollen keine Termine ausfallen, wie eine Sprecherin des Sozialministeriums am Freitag bestätigte. Zu erwarten ist jedoch, dass viele, die sich für eine Zweitimpfung im Impfzentrum registriert haben, nun auf ihren Hausarzt ausweichen. 

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