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Russische Einflussnahme? : Kreml setzte offenbar auf AfD-Politiker Frohnmaier

Der AfD-Abgeordnete Markus Frohnmaier steht im Verdacht, für die Bundestagswahl 2017 Hilfe vom Kreml bekommen zu haben. Bild: EPA

Laut einem Medienbericht hat der Kreml Markus Frohnmaier als möglichen Einflussagenten betrachtet – und eine Unterstützung seiner Bundestagskandidatur erwogen. Er könne ein „unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter“ sein, so die Einschätzung.

          Für seine Nähe zu Russland ist Markus Frohnmaier schon lange bekannt. Schon vor seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter reiste der AfD-Politiker nach Donezk in die Ostukraine, wo Separatisten mit russischer Unterstützung eine eigene „Volksrepublik“ errichtet haben. Die Annexion der Krim durch Russland hatte er mit den Worten begrüßt: „Ich beglückwünsche die Bürger der Krim zum Erringen der Unabhängigkeit von der Ukraine.“

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Frohnmaier reiste 2016 selbst auf die Krim, nahm an einer Wirtschaftskonferenz in Jalta teil. Die Reise wurde von der russischen Seite bezahlt. Im April 2016 gründete er in Berlin mit anderen das „Deutsche Zentrum für Eurasische Studien“, das „Wahlbeobachtungen“ im Sinne des Kremls organisieren sollte. Als er schon Abgeordneter war, traf er sich mehrfach mit Vertretern der Kreml-Partei „Einiges Russland“.

          Wie sehr Frohnmaier, heute 28 Jahre alt, schon vor der Bundestagswahl 2017 vom Kreml als Einflussagent betrachtet wurde, darauf deutet ein Dokument hin, das die Zeitschrift „Der Spiegel“ nun veröffentlicht. In einem Strategiepapier über Aktivitäten, mit denen die EU-Länder destabilisiert werden sollen, wird Frohnmaier ausdrücklich genannt.

          In dem Papier, das in einer E-Mail Anfang April 2017 an einen hohen Beamten in der Kreml-Administration geschickt worden sein soll, wird die „Unterstützung“ der Bundestagskandidatur von Frohnmaier aufgeführt. Seine Erfolgsaussichten, in den Bundestag einzuziehen, werden als „hoch“ eingestuft. Laut dem Bericht kommen die Autoren des Papiers zu dem Schluss: „Er wird ein unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter im Bundestag sein.“

          Nach Angaben der Zeitschrift wurde das Material vom Dossier Center in London zur Verfügung gestellt, das von dem Kreml-Kritiker Michail Chodorkowskij finanziert wird. Der einstmals reichste Mann Russlands saß dort lange in Haft.

          In einem weiteren Schreiben, das aus anderer Quelle stammt, werde um „materielle und mediale Unterstützung“ für Frohnmaiers Wahlkampf gebeten. Der AfD-Politiker habe über seinen Anwalt mitgeteilt, dass er dieses Schreiben wie auch das Strategiepapier nicht kenne und nie „Unterstützung finanzieller oder medialer Art“ in Kreisen der russischen Wirtschaft oder Politik erbeten habe.

          Frohnmaier ist in Rumänien geboren, er wurde mit einem Jahr von einem Ehepaar aus Schwaben adoptiert, ist mit einer Russin verheiratet. Er ist umtriebig und flexibel. In der AfD war er bis Ende 2016 Sprecher von Frauke Petry, schon im Mai 2017 wurde er Sprecher von Alice Weidel. Bis Februar 2018 war er zudem Bundesvorsitzender der Jungen Alternative. Sein früherer Mitarbeiter Manuel Ochsenreiter steht im Verdacht, in der Ukraine einen Brandanschlag auf das Gebäude einer ungarischen Minderheit in Auftrag gegeben und finanziert zu haben. Frohnmaier trennte sich von Ochsenreiter, als gegen jenen Ermittlungen aufgenommen wurden.

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