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Krebsbehandlung in Hessen : Partikeltherapie-Anlage kurz vor Inbetriebnahme

  • -Aktualisiert am

Vorführung einer Anlage, auf der Patienten mit Hirntumoren mit der Partikeltherapie behandelt werden können. Bild: dpa

Die Marburger Partikeltherapie-Anlage zur Krebsbehandlung steht offenbar kurz vor der Inbetriebnahme - anderthalb Jahre zu spät. Hessen hatte dem Rhön-Konzern dafür Millionen erlassen, verzichtet nun aber auf eine Klage.

          Hessen verzichtet vorerst darauf, Klage gegen die Rhön-Klinikum einzureichen. Das Land hatte damit gedroht, weil die vertraglich für Ende 2012 vereinbarte Inbetriebnahme einer speziellen Anlage zur Krebstherapie am Universitätsklinikum in Marburg noch immer nicht erfolgt ist. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier und sein Wissenschaftsminister Boris Rhein (beide CDU) zeigten sich am frühen Mittwochnachmittag „sehr erfreut“, dass die Partikeltherapieanlage in Marburg „unmittelbar vor der Realisierung“ stehe.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Kurz vorher war der Vorstandsvorsitzende der AG, Martin Siebert, der ultimativen Aufforderung Rheins nachgekommen, wonach das Unternehmen ein „klares Bekenntnis zur Inbetriebnahme der Partikeltherapieanlage am Standort Marburg“ abgeben müsse. Andernfalls werde das Land Klage einreichen. Hessen hatte dem Rhön-Konzern bei der Privatisierung der Klinik hundert Millionen Euro unter der Bedingung erlassen, dass diese in Errichtung und Inbetriebnahme der Partikeltherapie investiert werden.

          Siemens mit Rückkauf einverstanden

          Auf der Bilanzpressekonferenz der Rhön-Klinikum sagte Siebert am Mittwochvormittag: „Unmissverständlich und klar: Wir stehen zu hundert Prozent zu dem Projekt und wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Anlage in Betrieb gehen kann.“ Zu diesem Zweck seien „vertragliche Eckpunkte zum Kauf und Betrieb der Partikeltherapie-Anlage sowie zum Nutzungskonzept am Universitätsklinikum Marburg definiert“ worden. Konkret heißt das etwa: Die Rhön-Klinikum wird die Anlage, die bereits in Marburg steht, vom Hersteller und jetzigen Eigentümer Siemens kaufen – besser gesagt: zurückkaufen. Denn schon Jahre zuvor hatte die Rhön-Klinikum die Anlage erst von Siemens gekauft und dann wieder an den Technologiekonzern zurückverkauft, mit dem Argument, sie rechne sich nicht.

          Martin Siebert, der Vorstandsvorsitzende der Rhön-Kliniken

          Siebert sagte am Mittwoch, die entsprechenden Gremien bei Siemens hätten zu dem nun geplanten Kauf bereits ihr Einverständnis gegeben. Im Übrigen werde Siemens weiterhin für Wartungs- und Betriebsleistungen zur Verfügung stehen. Über die Höhe des Kaufpreises wollte er sich nicht äußern.

          Zur langfristigen Sicherstellung des Betriebs der Marburger Anlage wurde mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, wo die Partikeltherapie bereits eingesetzt wird, in Form der „Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum GmbH“ eine gemeinsame Gesellschaft gegründet. Die Heidelberger werden daran mit 75,1, die Rhön-Klinikum mit 24,9 Prozent beteiligt sein. Siebert kündigte an, 2015 könnten in Marburg die ersten Patienten behandelt werden.

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