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Krawalle in Hamburg : Proteste gegen „Tag der Patrioten“

Bild: dpa

Die Polizei hatte schwere Krawalle wegen einer rechtsextremen Kundgebung befürchtet. Am Hamburger Hauptbahnhof eskalierte die Lage, der Zugverkehr wurde zeitweilig eingestellt.

          Der „Tag der Patrioten“ hatte Hamburg schon seit Tagen in Unruhe versetzt. Rechtsextreme hatten unter diesem Titel eine Demonstration am 12. September in Hamburg angemeldet, ausgerechnet jetzt angesichts der Flüchtlingswellen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Polizei sah sich jedoch nicht in der Lage, den Schutz des Aufmarsches zu gewährleisten, und verbot den Aufmarsch. Mehr als 2000 Beamte würden dafür fehlen, hieß es. Auch Anforderungen an die anderen Bundesländer blieben weitgehend ohne Ergebnis – wegen der Fußballspiele, aber auch wegen Cruise Days in Hamburg, einer Großveranstaltung im Hafen an diesem Wochenende.

          Die Gerichte bestätigten das Verbot der Polizei, weil mit schweren Ausschreitungen zu rechnen sei, gäbe es den „Tag der Patrioten“. Am späten Freitagabend bestätigte auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das Verbot.

          Dennoch war von Anfang damit gerechnet worden, dass Rechtsextreme nach Hamburg kommen würden. Auch waren inzwischen gleich sieben Gegendemonstrationen angekündigt worden, darunter die auf dem Rathausmarkt „Hamburg bekennt Farbe“, auf der dann auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sprach.

          Die Polizei hatte von Anfang an mit linksextremer Gewalt gerechnet, aber auch den Aufmarsch der Rechtsextremen als gewaltbereit eingestuft, zumal hunderte Hooligans anreisen wollten.

          Einige potentielle Gewalttäter wurden schon vorab mit einem Aufenthaltsverbot belegt. Dennoch kam es schon am Samstagmittag zu Auseinandersetzungen auf dem Hamburger Hauptbahnhof.

          Als linke Demonstranten eine Gruppe Rechtsextremer entdeckten, die weiter nach Bremen fahren wollten, warfen sie Steine aus dem Gleisbett. Die Polizei griff ein, trennte die Gruppen und sperrte für einige Zeit den Bahnhof komplett.

          Erst gegen 14 Uhr war wenigstens teilweise wieder ein Betrieb möglich. Unterdessen hatten sich etwa  60 Rechtsextreme in Bremen gesammelt.

          Die Polizei löste deren Demonstration auf, hatte zuvor aber auch schon den Wochenmarkt in der Stadt vorsichtshalber vorzeitig räumen lassen. Auch etwa 150 linke Gegendemonstranten formierten sich am Bahnhof, eingekesselt von der Polizei. Dennoch kam es dort zu Schlägereien zwischen beiden Gruppen.

          Ein Zug aus Hamburg mit offenbar gewaltbereiten Linksextremen wurde in Buchholz gestoppt und zurückgeschickt. In Hamburg selbst zählte die Polizei etwa 14 000 friedliche Demonstranten.

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