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Thüringen : Krawalle in Flüchtlingsheim in Suhl

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Das Wohnheim für Flüchtlinge in Suhl in der Nacht zum Donnerstag Bild: dpa

15 Personen sind bei Auseinandersetzungen in einem Flüchtlingsheim in Thüringen verletzt worden. Zunächst ging es offenbar um eine aus einem Koran herausgerissene Seite. Dann richtete sich die Gewalt gegen die Polizei.

          In der Außenstelle Suhl der Thüringer Erstaufnahmestelle für Asylbewerber ist es in der Nacht abermals zu Ausschreitungen gekommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers waren am Ende mehr als 100 Bewohner der Unterkunft in die gewalttätigen Auseinandersetzungen verwickelt. Elf Asylbewerber und vier Polizisten seien verletzt worden. Die Polizei war mit 125 Beamten im Einsatz, darunter auch mit einem Spezialeinsatzkommando. Sieben Polizeifahrzeuge, ein Rettungswagen, zwei Privatfahrzeuge und Räume der Erstaufnahmestelle seien beschädigt worden. Erst nach vier Stunden beruhigte sich die Lage wieder.

          Der Streit soll seinen Ausgang in einer Auseinandersetzung um den Koran genommen haben. Ein Asylbewerber wurde nach Angaben der Polizei zu Beginn des Streits am Mittwochabend von rund 20 anderen Heimbewohnern verfolgt, weil er mit dem Koran „unflätig“ umgegangen sei. In einem Bericht hieß es, er habe eine Seite aus dem Koran gerissen. Wie die Lokalzeitung „Freies Wort“ berichtet, floh der Mann daraufhin in die Wache der Einrichtung. Von da an eskalierte offenbar die Lage. Die Angreifer-Gruppe versuchte, die Wache zu stürmen und die Tür des Wachlokals einzutreten. Die dortigen Sicherheitsdienst-Mitarbeiter setzten gegen die Angreifer Tränengas ein. Polizeibeamte, die in eines der Gebäude betraten, wurden dort „belagert“, am Verlassen des Hauses gehindert und mit Steinen beworfen.

          Ein Büro des Heims nach den Krawallen

          Als die Polizei versucht habe, die Lage zu beruhigen, sei sie mit Steinen und Stangen beworfen worden. Die Situation sei „rasch eskaliert“, sagte ein Sprecher der Landeseinsatzzentrale der Polizei in Erfurt der Zeitung „Freies Wort“, die in Suhl erscheint. Die Beamten des Inspektionsdienstes Suhl seien mit der Lage „überfordert gewesen“. Daraufhin seien geschlossene Polizeieinheiten unter anderem aus Erfurt nach Suhl verlegt worden.

          Das „Freie Wort“ beschreibt die weiteren Geschehnisse so: „Vor dem Heim selbst spielten sich zwischenzeitlich bürgerkriegsähnliche Szenen ab: Menschen, die offenbar durch Messerstiche und Eisenstangen verletzt worden waren, lagen auf den umliegenden Rasenflächen und Gehwegen; Möbel flogen aus den Fenster der Unterkunft; Polizeiautos wurden angegriffen und beschädigt; Fensterscheiben gingen zu Bruch, Steine wurden auf Beamte geworfen.“

          Schon Anfang August war in Suhl ein Fußballspiel unter Asylbewerbern aus Afrika und vom Balkan eskaliert. Der Streit, in dem die Fäuste „geflogen“ sein sollen, hatte 80 Personen erfasst. Die Polizei hatte daraufhin mehr als 20 Albaner als Rädelsführer identifiziert, aus deren Gruppe in den folgenden Tagen abermals Gewalt gegen andere Asylbewerber verübt wurde.

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          Die Aufnahmestelle in Suhl in früheren Wohnblocks der Nationalen Volksarmee der DDR ist für etwa 1200 Personen ausgelegt, aber mit 1800 Asylbewerbern belegt. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) hatte die Zustände in der Unterkunft schon zu Beginn des Monats als „unhaltbar“ bezeichnet und Abhilfe in Aussicht gestellt. Da aber seither immer mehr Flüchtlinge nach Thüringen kamen und das Land die Kapazität an Erstaufnahmeplätzen nicht mit dem Anstieg der Fluchtwelle erhöhen konnte, hat sich die Lage offenbar nicht gebessert. Suhls parteiloser Oberbürgermeister Jens Triebel hatte Anfang August mit der Schließung der Unterkunft wegen Baumängeln gedroht. Diese Mängel wurden indes beseitigt.

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