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AKK : Merkels Tritt in die Kniekehlen

Unter immer stärkerem Druck: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, Kanzlerin Angela Merkel am Montag Bild: AFP

Für Annegret Kramp-Karrenbauer läuft es derzeit nicht gut. Selbst die Kanzlerin lässt sie aussehen, als wollte sie sagen: Sie kann es (noch) nicht.

          Die CDU-Vorsitzende muss mit einer paradoxen Situation zurechtkommen. Sie selbst kann sich von der Kanzlerin nur mit aller Vorsicht distanzieren. Schon leise Andeutungen werden ihr selbst in der eigenen Partei als „Rechtsruck“ ausgelegt; ginge sie noch weiter, wäre es nicht weit bis zur „Königinmörderin“.

          Ganz anders sieht es offenbar für Angela Merkel aus. Ohne Not sah sie sich in der vergangenen Woche veranlasst, Annegret Kramp-Karrenbauer und die Leute, mit denen sie sich umgibt, im Umgang mit dem Rezo-Video als, gelinde gesagt, blutige Anfänger („das müssen wir lernen“) hinzustellen. Dabei war das Video nicht, wie immer getan wird und auch der Titel suggerierte („Zerstörung der CDU“), in erster Linie ein Angriff auf die CDU, sondern auf die Regierungskoalition und auf Merkel ganz persönlich. 

          Eigentlich wäre also durchaus die Kanzlerin es gewesen, die auf das Rezo-Video hätte reagieren können und müssen. Aber sie delegierte die Verantwortung elegant an ihre Nachfolgerin an der Parteispitze. Für Kramp-Karrenbauer war das ein Tritt in die Kniekehlen. Denn sie muss nun schon seit Monaten für etwas geradestehen, was sie nicht verantwortet und nur sehr indirekt beeinflussen kann.

          Merkel verrät ihren eigenwilligen politischen Stil, indem sie dieses Spiel (unbewusst?) für sich ausnutzt. Ein anderes Beispiel: Wenn sie in der Klimapolitik das Ende von „Pillepalle“ ausruft, klingt das gar so, als sei es gar nicht sie gewesen, die bald 14 Jahre lang regiert hat, sondern ein Hoffnungslicht namens Angela Merkel die Nachfolgerin von Kramp-Karrenbauer im Kanzleramt ist und nun alles viel besser machen will.

          Auf den neuen Geschäftsführer kommt viel Arbeit zu

          Auch der Gegenwind aus Ostdeutschland kann Kramp-Karrenbauer derzeit nicht zur Profilierung dienen. Wenn die CDU-Landesverbände dort im Kampf gegen die starke AfD Unausgegorenes hervorbringen oder von halsbrecherischen Koalitionsgedanken verunsichert werden, wird das nicht als Folge von Merkels Regierungszeit wahrgenommen, sondern der angeblichen Führungsschwäche Kramp-Karrenbauers angekreidet.

          Kramp-Karrenbauer hat jetzt bei „Anne Will“ ein Machtwort gesprochen. Dass außerdem ein ehemaliger Generalsekretär der Partei, Peter Tauber, sich in Sachen AfD ins Getümmel wirft, sollte nicht nur ihr, sondern auch dem amtierenden, Paul Ziemiak, zu denken geben. Auf den neuen Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig kommt jedenfalls viel Arbeit zu.

          Auch er wird aber mit dem Dreieck aus ungeliebter Koalition, schwebender Kanzlerin und hängender Parteivorsitzender zu kämpfen haben. Weil es so ist, wie es ist, wächst wiederum die Sehnsucht, die schon seit Jahren nicht nur in der CDU besteht: nach der vermeintlich unverbrauchten Kraft mit klaren Kanten. Kein Wunder, dass Friedrich Merz wieder Morgenluft wittert und Armin Laschet sich bereithält. Gab es da nicht noch jemanden? Jens Spahn hält sich auffallend zurück. Das nennt man wohl Loyalität.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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