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Milliarden-Investitionen : Kramp-Karrenbauer: Entscheidung über Tornado-Nachfolger noch vor Ostern

Ein Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 fliegt eine Übung. Bild: dpa

Die Luftwaffe wird als Nachfolger der altersschwachen Tornado-Jagdbomber wohl einen Mix von Maschinen aus Amerika und Europa anschaffen. Trotz der Corona-Krise soll die Entscheidung rasch fallen.

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          Im Verteidigungsministerium ist die Entscheidung über die Nachfolge des überalterten Jagdbombers „Tornado“ vorbereitet und weitgehend abgestimmt. Auf Arbeitsebene gibt es einen konkreten Vorschlag. Nach Informationen der F.A.Z. werden demnach in den kommenden Jahren zwei Flugzeugtypen als Nachfolger beschafft, ein amerikanisches F-18-Modell mit den Möglichkeiten der elektronischen Kampfführung und dazu in größerer Stückzahl optimierte europäische Eurofighter. Die F-18 sollen auch in der Lage sein, die nukleare Teilhabe Deutschlands zu sichern. Deutsche Piloten können dabei – so wie bisher mit dem Tornado – amerikanische Atombomben tragen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) will die Entscheidung ungeachtet der Corona-Krise noch vor Ostern für ihr Haus bekanntgeben. Der F.A.Z. sagte die Ministerin, es sollten keine Abstriche bei der Sicherheit gemacht werden, das stehe auch im Einklang mit der Haushaltsplanung.

          Die Ministerin sagte: „Deshalb ist es ja auch so wichtig, dass wir zügig eine belastbare Lösung für die Nachfolge unserer Tornado-Jets bekommen. Auf der Arbeitsebene gibt es da jetzt einen Vorschlag. Allerdings müssen wir noch einige Gespräche mit den anderen Ressorts und dem Koalitionspartner führen. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich noch vor Ostern eine Entscheidung für das Verteidigungsministerium treffen werde.“

          Tornados erfüllen drei Aufgaben

          Die Tornados, die seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Luftwaffe geflogen werden, erfüllen drei Aufgaben: Angriff auf Bodenziele, die Fähigkeit, feindliche Flugabwehr auszuschalten, und die genannte Trägerfunktion für Atombomben. Diese Aufgaben werden nun auf zwei verschiedene Typen übertragen, elektronische Kampfführung und Träger-Aufgabe gehen an die F-18. Der eigentlich als Luftüberlegenheitsjäger konzipierte Eurofighter wird in einer weiter aktualisierten Tranche seine Funktion als Jagdbomber verbessern. Mit der Aufteilung würden auch Forderungen der europäischen Luftfahrtindustrie Rechnung getragen.

          Airbus hatte eigentlich vorgeschlagen, die Entwicklung neuer Elektronik für den Eurofighter zu betreiben beziehungsweise dies im Rahmen des deutsch-französischen Flugzeugprojekts „Next Generation Fighter“ zu tun. Dazu hätte aber die Laufzeit des ohnehin schon altersschwachen Tornado-Bestandes weiter verlängert werden müssen.

          Die Bundeswehr besitzt noch rund 100 dieser Flugzeuge, ihr Betrieb wird immer teurer, obgleich die Technik durch Modernisierungen noch zeitgemäß ist. So werden deutsche Tornados bis Ende des Monats im Rahmen des Anti-IS-Kampfes als Aufklärungsflugzeuge über Syrien eingesetzt.

          Nutzung der Tornados maximal bis 2035

          Die Investitionen für die neue Lösung liegen bei 8 bis 10 Milliarden Euro. Zu rechnen ist nach Auskunft von Fachleuten mit 40 bis 50 amerikanischen F-18 sowie einer etwa vergleichbaren Anzahl von Eurofightern, die in den kommenden zehn Jahren angeschafft würden.

          Die Nutzungsdauer des Tornados ist bis längstens 2035 vorgesehen. Im Gespräch und von manchen Experten befürwortet war auch der Kauf der derzeit modernsten amerikanischen Kampfflugzeuge vom Typ F-35.

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