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Kandidatin für CDU-Vorsitz : Kramp-Karrenbauer: Keine Lebensmodelle vorschreiben

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„Ich wende mich klar gegen die Werbung für Abtreibung“, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) Bild: EPA

Die Politik müsse den Menschen zutrauen, freie Entscheidungen zu treffen, findet Annegret Kamp-Karrenbauer. Nicht nur beim Thema Islam vertritt sie aber eine strikte Haltung.

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          Der Staat sollte Familien nach Ansicht der Kandidatin für den CDU-Vorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer, keine Lebensmodelle vorschreiben. Er müsse etwa beim Ganztagsschulbesuch „Rahmen für die freie Entscheidung“ schaffen, sagte Kramp-Karrenbauer am Dienstag in Berlin im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dabei bekräftigte sie die Bedeutung des „C“ für die CDU als „Leitbild und Verantwortung“, das zu einem umfassenden Lebensschutz verpflichte.

          Der Lebensschutz im engeren Sinne gelte etwa mit Blick auf den Paragrafen 219a. „Ich wende mich klar gegen die Werbung für Abtreibung. Es geht nicht darum, Frauen Informationen vorzuenthalten. Aber ein Schwangerschaftsabbruch ist eben gerade keine Blinddarm-OP“, so Kramp-Karrenbauer. Beim Lebensschutz im weiteren Sinne verpflichte das „C“ zur Bewahrung der Schöpfung und damit „unserer natürlichen Lebensgrundlagen“.

          Die Politikerin hob den Gedanke der Subsidiarität hervor: „Politik steht im Dienste des Menschen und wir trauen ihm etwas zu: Er kann und will für sich einstehen. Wenn er aber scheitert, alt oder krank wird, muss er die Gewissheit haben, dass sich die Gesellschaft solidarisch mit ihm verhält“.

          „Kopftuch kein eindeutig religiöses Symbol“

          Mit Blick auf den Islam sagte sie, es gehöre „zu den großen Herausforderungen in Deutschland und Europa, ob sich ein Islam herausbildet, der mit unserer freien Gesellschaft vereinbar ist“. Der Staat müsse dabei „für eine Imam-Ausbildung in Deutschland sorgen und einen muslimischen Religionsunterricht mit hierzulande ausgebildeten Lehrern unter Aufsicht der Kultusministerkonferenz“. Beim Kopftuch vertrete sie eine sehr strikte Position, so Kramp-Karrenbauer. „Das Kopftuch ist für mich kein eindeutig religiöses Symbol. Es steht in weiten Teilen für ein spezifisches Frauenbild. Gerade wegen dieser Zweideutigkeit ist es das falsche Vorbild für Kinder und sollte für Lehrerinnen verboten sein.“

          Die Kirchen sollten wiederum „Salz im gesellschaftlichen Leben bleiben, auch wenn das nicht jedem schmecken mag“, sagte die Politikerin. „Ihr spiritueller Beitrag für den Einzelnen wie die Gesellschaft ist unersetzlich“. Um ihre Glaubwürdigkeit zu bewahren, sollten die Kirchen „zugleich eigene Fehlentwicklungen und Schuld wie beim Missbrauch aufarbeiten“.

          Mit Blick auf ihren persönlichen Glauben nannte Kramp-Karrenbauer das tägliche Gebet bedeutsam. Der Glaube an Gott schenke Vertrauen, auch Ämter mit hoher Verantwortung zu übernehmen. „Die Erkenntnis, nicht tiefer fallen zu können als in Gottes Hand, macht Mut und tröstet zugleich.“

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