https://www.faz.net/-gpf-a2bzj

Flirt mit Kanzlerkandidatur : Kramp-Karrenbauer rief Söder zu Zurückhaltung auf

Super Team oder Nervensägen? Jens Spahn und Markus Söder Bild: dpa

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder entzweit die CDU. Manchen geht er extrem auf die Nerven, andere wollen ihn als Kanzler. Und Spahn soll den Bügel halten.

          3 Min.

          Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder entzweit die CDU. Vier Monate bevor die Partei sich im Dezember einen neuen Vorsitzenden geben will, spielen manche Führungsmitglieder mit dem Gedanken, Söder, der auch Vorsitzender der Schwesterpartei CSU ist, zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten zu machen. Zu ihnen gehören die Landesvorsitzenden Bernd Althusmann aus Niedersachsen und Roland Heintze aus Hamburg.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Andere sind strikt dagegen und zeigen sich irritiert, dass Söder zwar beteuert, in Bayern bleiben zu wollen, zugleich aber ihrer Ansicht nach ständig Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur schürt. Mehrere Quellen aus der Führung der Partei und der Bundestagsfraktion bestätigten das im Gespräch mit der F.A.S.

          Zugleich berichten Eingeweihte aus beiden Schwesterparteien, die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer habe Söder während eines Telefongesprächs am 6. Juli persönlich aufgefordert, sich stärker zurückzuhalten. Sie habe damit auf ein Interview Söders reagiert, das so verstanden wurde, als spreche Söder den drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz, dem nordhrein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, dem einstigen Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz und dem Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen, die Eignung zum Amt ab.

          In der Führung von Fraktion und Partei wird voller Unwillen festgestellt, dass Söder auch nach der Bitte Kramp-Karrenbauers immer wieder Zweideutigkeiten von sich gegeben habe – zuletzt mit dem Vorschlag, den gemeinsamen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU erst im März zu benennen. Dann werden in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz neue Landtage gewählt. Die Aussichten der CDU gelten als unsicher, und manche in der Partei glauben, Söder wolle den Augenblick der Schwäche nutzen, um sich an die Spitze der gesamten Union zu setzen.

          Der Generalsekretär der CDU in Rheinland-Pfalz, Patrick Schnieder, sagte der F.A.S., in seiner Partei seien manche „irritiert über die Diskussion über eine Kanzlerkandidatur Markus Söders“. So etwas wäre riskant sowohl für die CDU als auch für die CSU. Schieder fügte hinzu: „Der künftige Vorsitzende der CDU muss auch Kanzlerkandidat sein.“

          Ein anderes führendes Fraktionsmitglied zeigte sich „genervt“ darüber, dass Söder sich dauernd ins Spiel bringe. Wenn man dessen dauerndes „Mein Platz ist in Bayern“ beiseite lasse, könne man seine Signale nur so deuten, „dass er Bundeskanzler werden möchte“. Dann aber habe Söder zwei Möglichkeiten: „Entweder er offenbart seine Absichten, oder er tut der Schwesterpartei den Gefallen und hält sich ein wenig zurück.“

          Auf der anderen Seite gibt es wichtige Politiker in der CDU, die sich Söder als Kanzlerkandidaten vorstellen können. Oft wünschen sich diese Leute dann Gesundheitsminister Jens Spahn als CDU-Vorsitzenden. Der gehört im Augenblick nicht zu den offiziellen Kandidaten für den Vorsitz der Partei. Althusmann aus Niedersachsen sagte der F.A.S.: „Das Gespann Söder–Spahn wäre eine weitere Möglichkeit für die Union.“ Er fügte hinzu, mit dem „gestandenen Ministerpräsidenten Armin Laschet“ und dem „ausgewiesenen Wirtschaftsexperten Friedrich Merz“ habe die Union insgesamt „viele Optionen“.

          Heintze aus Hamburg schloss sich an. „Söder ist ein möglicher Kanzlerkandidat“, stellte er fest, er würde sich aber „eine CDU-Lösung wünschen“. In Bezug auf Laschet, Merz, Söder und Spahn fügte er hinzu: „Ich glaube, sie können es alle vier.“

          „Spahn und Söder – ein super Team“

          Auch in Ostdeutschland beginnen die ersten CDU-Politiker offen für einen gemeinsamen Antritt von Söder und Spahn zu werben. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Bundestag, Christoph Bernstiel, sagte der F.A.S., sein „Wunschkandidat für die Führung der CDU“ sei Spahn. Da dieser aber Armin Laschet versprochen habe, dessen Kandidatur zu unterstützen, könne man nur hoffen, „dass Armin Laschet erkennt, dass seine wichtigste Aufgabe in Nordrhein-Westfalen liegt, und dass er seine Kandidatur aufgibt“.

          Bernstiel fügte an, wenn Spahn an die Spitze der CDU trete, „könnte ich mir auch Markus Söder gut als Kanzlerkandidaten vorstellen. Spahn und Söder wären ein super Team.“ Der Bundestagsabgeordnete Tino Sorge aus Magdeburg meinte, wenn Laschet sich verständlicherweise auf seine Aufgabe als Ministerpräsident konzentrieren „und seine Kandidatur zurückziehen“ wollte, „wäre Jens Spahn sicher eine sehr gute Wahl für den CDU-Vorsitz“.

          Vorher hatten schon die baden-württembergischen CDU-Abgeordneten Matern von Marschall, Armin Schuster und Michel Hennrich Spahn für das Amt des Parteivorsitzenden ins Gespräch gebracht. Hennrich sagte der F.A.S., die CDU könne als Volkspartei mit einem Vorsitzenden Erfolg haben, der nicht „polarisierend“ wirke. „So ein Vorsitzender wäre Jens Spahn.“ Spahn und Söder sollten dann unter sich regeln, wer von ihnen Kanzlerkandidat werden solle. „Ich könnte mir vorstellen, dass Söder Kanzlerkandidat wird, aber auch umgekehrt wäre denkbar.“ Persönlich sehe er aber „ein Prä für einen Kanzlerkandidaten Söder“.

          Weitere Themen

          Trump attackiert China scharf Video-Seite öffnen

          UN-Rede : Trump attackiert China scharf

          Präsident Donald Trump hat seine Rede bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung für eine scharfe Attacke gegen China wegen der Corona-Krise genutzt.

          Topmeldungen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte Filiale schließen.

          Sparbemühungen : Deutsche Bank trimmt sich für Fusionen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte deutsche Filiale schließen, um zu sparen. In der Branche wird jetzt immer lauter über Zusammenschlüsse diskutiert. Offen ist, wie die Aufseher das Vorhaben sehen.
          Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung im August 2020 in Ahlen

          Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

          Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

          Spenden nach Ginsburgs Tod : Die Angst, die großzügig macht

          Kaum war Ruth Bader Ginsburg tot, flossen demokratischen Wahlkämpfern Spenden in Millionenhöhe zu – mehr denn je. Fällt Trumps Supreme-Court-Plan den Republikanern auf die Füße?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.