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AKK im Baltikum : Drüben wird mitgehört

Auch Fake-News-Kampagnen gehören zum Alltag. Ein deutscher Presseoffizier berichtet, dass kürzlich in Litauen die Nachricht verbreitet wurde, deutsche Panzer hätten bei Kaunas die Mauer eines jüdischen Friedhofs durchbrochen und die Gräber plattgewalzt. Es gab sogar eine Fotomontage dazu. Die Falschnachricht verbreitete sich rasch, es dauerte eine Weile, bis Erkundigungen, unter anderem bei der jüdischen Gemeinde, die Sache aufklärten und Dementis verbreitet werden konnten. So bekommen auch die Deutschen hier einen Eindruck, dass von guter Nachbarschaft nicht die Rede sein kann.

Russische Machtdemonstration auf dem Wasser

Die eigentliche Aufgabe der vier Battle-Groups der Nato mit rund 4000 Soldaten besteht darin, im Falle eines massiven russischen Vorgehens den Angriff zu verzögern – so lange, bis Verstärkung aus dem Westen eintrifft. Alles sei, so versichern deutsche und baltische Militärs, immer auf Defensive ausgerichtet. Auf der anderen Seite, wo rund 20.000 Soldaten entlang der Grenze und etwa 200.000 im westlichen Militärdistrikt stationiert sind, werde stets offensiv trainiert, zu Lande, in der Luft und auch zur See.

Erst kürzlich haben beträchtliche russische Marineverbände mit etwa fünfzig Schiffen ein großes Manöver vor den baltischen Haustüren abgehalten. Zwischen der Enklave Kaliningrad und Sankt Petersburg testen die russischen Marineeinheiten auch die Reaktionsfähigkeit der Nato, so wie immer wieder auch in der Luft. Es gehe ihnen darum, heißt es von den westlichen Militärs, die Abläufe und Fähigkeiten der Nato kennenzulernen. Das See-Manöver der Russen machte klar, wie schwer es sein würde, Verstärkung über das Wasser ins Baltikum zu bringen. Ein Grund mehr, die Landverbindungen zu verbessern.

Im kommenden Winter soll ein großes Logistik-Manöver der Nato, „Defender 2020“, genau das üben. Rund 20.000 amerikanische GIs werden dazu über den Atlantik gebracht, insgesamt 37.000 amerikanische Soldaten sollen beteiligt sein. Eine ziemlich beeindruckende Streitmacht, die quer durch Europa an die Ostflanke der Nato verlegt wird. Auch das gehört zur fairen Beschreibung der Trump-Präsidentschaft dazu.

Die deutschen Panzergrenadiere, die derzeit in Rukla stationiert sind, haben diesen Weg ebenfalls hinter sich gebracht und sind mit ihrem gesamten Fuhrpark inklusive Kampf- und Schützenpanzern per Tieflader und Bahn hierher gezogen. Dabei gibt es noch ein besonderes Hindernis aus Sowjetzeiten: Weil nämlich die Spurbreite der russischen Bahn auch im Baltikum galt, müssen an der Grenze alle Züge vom gewohnten Niveau auf das russische umgesetzt werden. Inzwischen sind von Tallinn über Riga bis Kaunas neue Trassen im Bau, die das Baltikum vor allem aus wirtschaftlichen Gründen an das mitteleuropäische Schienennetz anbinden sollen. Aber auch aus militärischen Gründen.

Wertvolle Lektionen von der Vorgängerin

Kramp-Karrenbauer ist zum ersten Mal in diesem Teil Europas unterwegs, den Anfang der Woche hatte sie in Afrika verbracht, in Niger und Mali die Kontingente besucht, die dort an der Seite der Franzosen im Sahel den islamistischen Terror eindämmen sollen. Daheim wird weiter gegen sie gearbeitet, die CDU-Vorsitzende steht im Feuer der Kritik.

Zu Hause wartet am Wochenende ein Treffen der Jungen Union, die auch Friedrich Merz als Redner eingeladen hat und für eine Urwahl des nächsten Kanzlerkandidaten wirbt. Kleine Attacken am Rande. Die Ministerin hat im Juli mit dem Verteidigungsministerium ein riesiges Sachgebiet übernommen, auch um einem anderen Konkurrenten zuvorzukommen: Jens Spahn. Jetzt muss sie von Bamako oder Riga aus auch die unruhige Partei führen und zwischendurch den richtigen Ton treffen, wenn, wie bei den Ereignissen in Halle, schnelle Reaktionen gefragt sind. Das gelingt nicht immer.

Wohl zu fühlen scheint sie sich mit den Soldaten, bei allen Stationen ihrer Reisen in die Einsatzgebiete der Bundeswehr nimmt sie sich viel Zeit für Gespräche mit ihnen, im Ministerium wird gelobt, dass sie weniger distanziert zur Truppe sei als ihre Vorgängerin. Von der kann und will sie aber offenkundig auch lernen. Etwa die Lektion, dass es sich politisch auszahlt, für kleinere Partner Zeit und Aufmerksamkeit zu erübrigen. Und so trifft sie die baltischen Minister und Ministerpräsidenten auch zu Mittag- und Abendessen. In Kaunas hat der litauische Präsident Gitanas Nauseda sogar schon mittags den Kamin im Offiziersclub anheizen lassen, um bei seinem Treffen mit der deutschen Ministerin eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen.

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