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Korrektur : Wie sicher ist der Frankfurter Flughafen?

  • Aktualisiert am

Am Frankfurter Flughafen wird ein Frachtflugzeug beladen. Bild: Norbert Müller

Ein F.A.S-Test offenbarte Mängel am Frankfurter Flughafen. Ein Reporter passierte drei Schranken, wurde jedoch nicht kontrolliert. In den höchsten Sicherheitsbereich des Flughafens hätte er aber, anders als in diesem Artikel nahegelegt, nicht vordringen können.

          Im vergangenen Jahr war es verdeckten Prüfern bei jedem zweiten Versuch gelungen, Waffen oder gefährliche Gegenstände am Wachpersonal vorbei in die Kabinen von Passagiermaschinen zu schmuggeln. Die Prüfer waren im Auftrag der EU-Kommission unterwegs. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wollte sich deshalb den Frachtbereich des Flughafens näher ansehen. Das Ergebnis: Ein Reporter konnte binnen weniger Minuten von der öffentlichen Straße aus auf den Hinterhof des Umschlagzentrums für frische Ware vordringen - ohne Ausweis und ohne Kontrollen, nur mit einer gelben Warnweste, die es in jedem Supermarkt gibt. Von dort aus passierte er eine weitere Schranke, die dritte insgesamt, und erreichte so das Gelände von Air Canada. Es grenzt direkt an das Flugvorfeld, ist von diesem aber durch einen Zaun getrennt.

          Der Reporter vermutete in diesem Bereich eine Zaunlücke, die er vorher auf Satellitenaufnahmen bei Google Maps erkannt haben wollte. Er hätte dann durch den Zaun auf das Vorfeld schlüpfen können, wo große Flugzeuge standen. In dem F.A.S.-Bericht entstand der Eindruck, dass dies möglich gewesen sei. Der Flughafenbetreiber Fraport, der für die Sicherung des Vorfeldes verantwortlich ist, hat jedoch am Sonntag Bilder der fraglichen Stelle veröffentlicht, auf denen keine Lücke zu sehen ist. Der Reporter „hätte den sicherheitsrelevanten Bereich ohne Befugnis und Sicherheitskontrolle auf keinem Weg erreichen können“, schrieb das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Das trifft zu. Der Reporter war zwar auf dem Gelände von Air Canada, hatte aber, anders als im Text nahegelegt, keine Sichtkontrolle vorgenommen. Offenbar gibt es an dieser Stelle keine Zaunlücke. Die F.A.S. bedauert diesen Fehler und hat die Geschichte deshalb zurückgezogen.

          Der Test hat somit keine Sicherheitslücke im höchsten Sicherheitsbereich des Flughafens offenbart, sondern Mängel im Betriebsbereich des Frischezentrums - dem größten Umschlagplatz für verderbliche Ware in Europa - und am Eingang von Tor 26. Normalerweise ist der Zutritt zu diesem Teil des Flughafens nur Personen mit entsprechender Genehmigung und einem Ausweis erlaubt, der offen zu tragen ist. Der Reporter konnte jedoch an Tor 26 einfach durch eine Schranke gehen, ohne dass ihn jemand angesprochen hätte; in dem Kontrollhäuschen war niemand zu sehen. Er passierte anschließend eine weitere Schranke zum Hinterhof des Frischezentrums; sie stand offen. Der Reporter ging durch, nach zehn Metern sprach ihn ein Wachmann an. „Gehören Sie zu Lufthansa?“, fragte er. „Ja, kann ich durchgehen?“, antwortete der Reporter. Der andere lachte und sagte: „Nun sind Sie ja schon drin.“ Dann verschwand er wieder in seinem Container.

          Der Reporter begab sich dann auf das Gelände von Air Canada, wo ein Wachmann ihn passieren ließ, der offenbar abgelenkt war. Als der Reporter umkehrte, wurde er angesprochen. „Hallo, ich glaube, Sie sind hier irgendwie falsch“, rief der Wachmann, „wohin wollen Sie denn?“ Der Reporter stellte sich dumm: „Zu Lufthansa Cargo. Ich dachte, ich bin hier richtig“. Der Wachmann schüttelte den Kopf: „Da kommen Sie hier nicht lang.“ Er begleitete den Reporter bis zum Hofeingang und grüßte zum Abschied freundlich: „Tschüss.“

          Die Fraport teilte am Sonntag mit, dass für die Sicherung der einzelnen Betriebsbereiche die jeweiligen Firmen selbst verantwortlich seien. Bei dieser Form der Sicherung gehe es in erster Linie um Schutz vor unbefugtem Zutritt und Diebstahl. „Dennoch werden die in dem Bericht dargestellten Hinweise von Fraport nun ernsthaft mit den zuständigen Unternehmen, insbesondere auch in deren eigenem Interesse, aufgearbeitet“, versicherte der Flughafenbetreiber. Er nehme jeden Hinweis ernst, da Sicherheit höchste Priorität habe.

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