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Koranverteilungen in deutschen Städten : Die Sache mit der Wahrheit

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Eigentlich ist die Diplom-Biologin Unterbezirkssprecherin für Umweltschutz in Offenbach - und Atheistin. Aber mit dem Islam beschäftige sie sich schon seit fünfzehn Jahren, sagt sie. Und als sie am Karfreitag nicht einschlafen konnte, im Internet surfte und las, dass die Salafisten aus Frankfurt am nächsten Tag nach Offenbach ausweichen wollten, war die Sache für sie klar. Sie schrieb einen kleinen Text auf ihrem Laptop, Überschrift: „Dem Fundamentalismus keine Chance“, unten klein ihr Name und ihre Adresse, druckte ihn ein paar Dutzend mal auf weißem Papier aus und schloss die Augen. Der nächste Tag könnte Kraft kosten, dachte sie.

So war es auch. Von 15 bis 20 Uhr stand sie in der Fußgängerzone, nur ein paar Meter entfernt vom Stand mit den Koranen. Drei Konvertiten hätten ihn aufgebaut, mit ihnen sei sie noch ins Gespräch gekommen, erinnert sich Herrmann-Marschall. Zwei der drei jungen Männer hätten ihr ein wenig über sich erzählt: dass sie beide ohne Vater aufgewachsen seien, dass sie im Islam Halt und Sinn fänden. Der dritte Mann sei aggressiv gewesen, habe sie aufgefordert zu gehen und sie nachgeäfft.

Harmlos waren die Männer in der Fußgängerzone nicht

Später, als schon acht bis zehn Männer am Stand waren, kam ein Mann von dort zu ihr, forderte ein Flugblatt, und als sie es ihm gab, warf er es demonstrativ in den Müll. Dann verlangte er grinsend das nächste. Ein paar zehnjährigen Jungs, die sich Korane geholt hatten, wollte Herrmann-Marschall auch ihre Zettel geben. „Von Ungläubigen nehmen wir nichts an“, hätten sie voller Verachtung zu ihr gesagt, erinnert sich die Politikerin, „das war super erschreckend, denn das waren ja noch Kinder.“ Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes, der kam, um sich ein Bild vom Infostand zu machen, habe ihr geraten, bei Gefahr in ein nahegelegenes Geschäft zu flüchten. So weit sei es aber nicht gekommen.

Harmlos waren die Männer in der Fußgängerzone indes nicht. Einige von ihnen erkannte Herrmann-Marschall später in Videos auf Youtube wieder: Es waren Mitglieder des salafistischen Vereins „DawaFFM“ aus Frankfurt, der schon länger vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Er ist einer der Knotenpunkte des islamistischen Netzes in Deutschland. Zu ihm gehören auch die Männer, die im März noch auf der Frankfurter Einkaufsstraße Zeil ihren Infostand aufbauten - und die seit einigen Wochen in andere hessische Städte ziehen, um auch da Koran-Ausgaben zu verteilen.

In Wiesbaden meldeten im März an vier Samstagen vier Männer „aus dem Frankfurter Raum“ einen Infostand an, der auch genehmigt wurde. Als Privatpersonen hätten sie die Anträge gestellt, erinnert sich ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Aber alle hätten dieselbe E-Mail-Adresse angegeben, die eines Vereins, allerdings nicht von „DawaFFM“. Und auch sie behaupteten, die „Gemeinsamkeiten der drei semitischen Religionen“ aufzeigen zu wollen - um dann die blauen Koran-Ausgaben von Abu Nagie zu verteilen.

„1500 Bestellungen für den kostenlosen Koran“

Sigrid Herrmann-Marschall ist wütend über diese Tricks. Auf ihrem Flugblatt warnt sie vor den Aktivisten, die „labile junge Menschen in ihren Bann“ ziehen wollten. Bei vielen ist ihnen das schon gelungen: Im Internet feuern sie einander an, trotz der Kritik weiterzumachen. „Möglichkeiten gibt es immer, den Koran zu verteilen, da brauchen wir uns wirklich keine Sorgen zu machen“, schreibt einer auf der Facebook-Seite von „Die wahre Religion“. Schließe sich eine Tür, öffne Allah zehn andere. „Vor sechzig Jahren war Anti-Juden-Propaganda, jetzt Islam“, schreibt ein anderer, und viele loben die „Brüder und Schwestern“ für ihren unermüdlichen Einsatz.

Auch Ibrahim Abu Nagie feuert seine Mitstreiter an. „Liebe Geschwister im Islam, wir haben seit gestern mehr als 1500 Bestellungen für den kostenlosen Koran von Nicht-Muslimen erhalten“, schrieb er am Freitag auf Facebook. Auf den Straßen hielten sich die Salafisten an diesem Samstag allerdings zurück: In mehreren der 35 Städte, in denen sie Infostände angemeldet hatten, bauten sie dann doch keine auf. Nach Offenbach kamen sie. Vier junge Männer, viele Korane - und zwanzig Meter entfernt stand Sigrid Herrmann-Marschall. Sie gehe erst, wenn der Stand wieder abgebaut sei, sagt sie. „Alles andere verbietet mir mein Stolz.“

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