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Koranverteilung : Islamkonferenz will nicht über Salafismus reden

Anhänger der radikalislamischen Strömung des Salafismus verteilten bundesweit kostenlos Korane Bild: dapd

Bundesinnenminister Friedrich will die Koran-Verteilung von Salafisten nicht auf die Tagesordnung der am Donnerstag stattfindenden Islamkonferenz setzen. Das Thema werde aber „am Rande“ besprochen, hieß es.

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          Die Deutsche Islamkonferenz, die am Donnerstag zu ihrer jährlichen Plenartagung zusammenkommen wird, will sich trotz mehrfacher Aufforderung von Innen- und Justizministern aus den Bundesländern nicht mit dem Salafismus, einer radikal-konservativen Auslegung des Korans, befassen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums werde die Tagesordnung der Konferenz nicht geändert. Die Koranverteilungsaktion der Salafisten in deutschen Städten solle aber „am Rande“ der Konferenz besprochen werden, hieß es.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der niedersächsische Innenminister Schünemann (CDU) hatte noch am Dienstag versucht, Bundesinnenminister Friedrich (CSU) davon zu überzeugen, dass das Thema in die Islamkonferenz gehöre. Er sagte: „Wir brauchen einen Pakt gegen den Salafismus in Deutschland.“ Auch Hessens Integrationsminister Hahn (FDP) hatte am Montag eine Änderung der Tagesordnung gefordert.

          Die Deutsche Islamkonferenz (DIK), der Vertreter muslimischer Organisationen, des deutschen Staates und muslimische Einzelpersönlichkeiten angehören, will sich am Donnerstag mit ihrem geplanten Programm befassen. Es sieht für diese Sitzung das Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ vor. Dem Anliegen soll mit einer Resolution gegen Benachteiligung von Frauen und gegen häusliche Gewalt Rechnung getragen werden. Die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) kritisierte die Auswahl der Themen. Sie sagte: „Das vermittelt ein falsches Signal und impliziert, dass es im Islam keine Gleichberechtigung gibt.“

          Anders als früher hat diesmal nicht der Bundesinnenminister selbst die Pressegespräche zu der seit 2006 bestehenden Konferenz geführt, sondern eine Mitarbeiterin. Auch wird sich Friedrich nach der Konferenz nicht gemeinsam mit muslimischen Repräsentanten der Presse stellen, sondern nur eine Erklärung abgeben. Hintergrund dürfte der Umstand sein, dass Friedrich nach seiner ersten DIK-Sitzung im vergangenen Jahr bei der Pressekonferenz von Tagungsteilnehmern kritisiert wurde. Eine Studie über „Islamisches Gemeindeleben in Deutschland“, die die DIK in Auftrag gegeben hatte, wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt.

          Nur „am Rande“ will Innenminister Friedrich auf der Islamkonferenz über die Koranverteilung durch Salafisten sprechen

          An der Studie, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und das Zentrum für Türkeistudien durchgeführt haben, beteiligten sich 1100 von 2340 islamischen Gemeinden in Deutschland. Die meisten von ihnen sind türkisch geprägt, fast alle sind sunnitisch. Mehr als zwei Drittel der Gemeinden betreuen auch Gläubige aus anderen Herkunftsländern. Insgesamt sind in Deutschland zwischen 1700 und 2500 Imamen und Gemeindemitarbeitern tätig. Fast alle Imame sind weder in Deutschland geboren noch hier aufgewachsen, sondern kommen für länger oder kürzer („Drei-Monats-Imame“).

          Überwiegend schlechte Sprachkenntnisse

          Nach Darlegung der Studie sprechen sie überwiegend schlecht Deutsch, ihre Sprachkenntnisse bewerteten die Befragten als „deutlich schlechter als die der muslimischen Gesamtbevölkerung“. Das führe zu Verständigungsproblemen mit Gläubigen etwa aus Marokko oder aus dem Kosovo. Nach Auskunft der Studie haben die Religionsbediensteten aber ein sehr großer Interesse nicht nur an Fortbildung in der deutschen Sprache, sondern auch an Kenntnissen der Gegebenheiten in Deutschland und am besseren Umgang mit Ehe- und Familienproblemen. Schon die hohe Zahl der Teilnehmer an der Studie zeige, so die Autoren, dass sie „mehrheitlich für einen dialogbereiten Islam“ stünden.

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