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Kopp-Verlag : Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen

Zentrale im Kampf gegen geheime Verschwörungen: das Gebäude des Kopp-Verlags in Rottenburg Bild: Rüdiger Soldt

Der Kopp-Verlag wurde mit Ufo-Büchern groß. Dann kam die Flüchtlingskrise. Seither sammeln sich um den Verlag Ufologen, Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker. Ein Besuch, der die Augen öffnet.

          Das Rottenburger Gewerbegebiet „Siebenlinden III“ sollte mal ein Technologiepark mit Vorzeige-Start-ups werden. Entstanden ist ein profaner Gewerbepark mit billigen Imbissen, Tankstellen, einem Baumarkt, metallverarbeitenden Firmen, Lagerhallen. An einer Straßenkreuzung ist ein Bordell. Eigentlich kein Gelände, das sich Verleger und Lektoren für die geistige Produktion suchen. Jochen Kopp wählte die Ackerfläche in den Neckarauen im Norden Rottenburgs dennoch als Standort für seinen gleichnamigen Verlag aus. Es sind nämlich nur vier Kilometer bis nach Wurmlingen, wo Kopp aufgewachsen ist. Aus den Büros an der Nordseite des Verlags kann man bis zur Wurmlinger Kapelle schauen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zwischen gefrorenen Schilfgräsern steht Manfred Kopp, der Vater des Verlegers. Hin und wieder hilft er seinem Sohn bei der Gartenarbeit oder beim Laubfegen. „Wir reden nicht gern mit der Presse, uns ist da zu viel Geschmier in den Zeitungen. Man sieht ja jetzt, es war nicht alles falsch, was wir veröffentlicht haben.“ Er meint die Folgen der Flüchtlingskrise, die Anschläge, den islamistischen Terrorismus. Ohne die Flüchtlingskrise würde vom Kopp-Verlag in Rottenburg niemand Notiz nehmen. Denn esoterische Verlagshäuser für Trivial- und Gesundheitsliteratur gibt es schon länger. Doch der Kopp-Verlag hat sich spätestens seit 2015 zu einem der maßgeblichen Ideenlieferanten für die Anhänger von AfD und Pegida, Rechtsextremisten und andere Kritiker der Merkelschen Flüchtlingspolitik entwickelt. „Grenzenlos kriminell“, „Die Asylindustrie“, „Wiederentdeckung der Knochenbrühe“, „GEZ-Zwangsgebühr“ oder „Deutschland wird zum Links-Staat“ – diese Titel sind nur ein kleiner Ausschnitt aus dem aktuellen Kopp-Verlagsprogramm.

          Auf „Kopp-Online“ heißt es: „Überall Panzer und Soldaten zum Schutz vor Migrantenbanden“ oder „Merkel-Republik Deutschland: Der Countdown zum Bürgerkrieg beginnt“. Auch harmlose Titel wie „Nichtraucher in 120 Minuten“ oder „Du kannst schaffen, was du willst“ kann man bei Kopp bestellen, außerdem eine „Blue-Magic-Kugel“, die den Schweißgeruch in der Waschmaschine stoppen soll, oder Magnesiumöl gegen Verdauungsprobleme. Jochen Kopp war viele Jahre Polizist, dann stieg er aus und gründete 1993 seinen Verlag, angeblich in einem Keller, weshalb eine Zeitung ihn einmal höhnisch den „Kellerwurmling“ nannte. An diesem Tag verlassen drei Schwerlaster eines Paketdienstes das Firmengelände, beladen mit Büchern von Kopp. Etwa 60 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, bis zu 25000 Bücher versendet der Verlag nach eigenen Angaben pro Tag. Fünf bis zehn neue Bücher bringt er pro Monat heraus, der Jahresumsatz liegt bei etwa zehn Millionen Euro. Kopp führt seine Firma als Einzelunternehmen, er ist somit voll haftender Einzelkaufmann, ihm soll und kann niemand reinreden. Kein Aufsichtsrat, kein Vorstand, kein weiterer Geschäftsführer. Im Kopp-Verlag bestimmt Kopp allein Inhalte und Strategie.

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