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Kopp-Verlag : Auf dem Heimatplaneten für rechtsextreme Ufologen

Widerstand gegen den Verlag

Bodenmiller sieht das Problem, aber er bleibt auch im Rückblick dabei, dass es ein Fehler war, das Grundstück an Kopp zu verkaufen. „Es war verhängnisvoll, dass Kopp eben auch ein großer Sponsor des Sportvereins gewesen ist, dass viele Gemeinderäte es sich mit dem Verein nicht verderben wollten.“ Einen großen Erfolg kann Bodenmiller im Kampf gegen Kopp immerhin vorweisen: 2013 verurteilte das Amtsgericht Heilbronn einen bekannten Autor des Verlags zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro, weil er Bodenmilller als „SED-Gemeinderatsvorsitzenden“ bezeichnet hatte. „Man muss weiter versuchen, den führenden rechtspopulistischen Verlag Deutschlands zu entlarven, denn man darf zu unmoralischen Dingen nicht schweigen.“ Kritiker werfen dem Kopp-Verlag bis heute vor, weiter Bücher des rechtsradikalen Grabert-Verlags in Tübingen zu verkaufen.

Im Kampf gegen den Verlag: Albert Bodenmiller
Im Kampf gegen den Verlag: Albert Bodenmiller : Bild: Rüdiger Soldt

Sie versuchen auch nachzuweisen, dass Neonazis einer Baufirma aus Altenburg an der Dachsanierung der Koppschen Fabrikhalle beteiligt gewesen sind. Der baden-württembergische Verfassungsschutz beobachtet den Verlag nicht. Dazu müssten „hinreichende Anhaltspunkte“ vorliegen, dass sich die Tätigkeit des Verlags aktiv gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richte. „Beim Kopp-Verlag sind die Voraussetzungen nicht erfüllt“, heißt es in einer Stellungnahme der Verfassungsschützer. Kritiker des Verlags bekamen schon Morddrohungen oder wurden mit Telefonanrufen terrorisiert. Dem Rottenburger SPD-Gemeinderat Hermann Josef Steur ging es zum Beispiel so. Im August 2015 fragte Steur den Verleger Kopp in einem offenen Brief, ob er damit einverstanden sei, wenn sein Autor Gerhard Wisnewski von einer „Kapitulation“ vor der „Migrationswaffe“ schreibe, wenn er Politiker „ferngelenkte Zombies“ nenne und wegen der „Invasion von Flüchtlingen“ den Verteidigungsfall ausrufen wolle. „Sie hätten auch die Möglichkeit gehabt, den Beitrag so nicht zu publizieren“, schrieb Steur und fragte, ob Kopp sich von dem Beitrag dieses Autors nicht „in aller Form und als Folge mit aller Konsequenz“ distanzieren wolle. Kopp lehnte das ab und schrieb, dass ihn das Vorgehen der SPD an die beiden Diktaturen im vergangenen Jahrhundert erinnere, in denen eine Partei den „Systemmedien“ Vorschriften gemacht habe. Steur und seine Familie bekamen über Wochen Hass-E-Mails. „Meiner Meinung nach“, sagt Steur, „könnte das auch organisiert gewesen sein.“ Kopp sei „Geschäftsmann und Gesinnungstäter: „Er bedient die negativen Gefühle und dann hängt er sich das Mäntelchen des Mäzens in Rottenburg um. Dass er selbst andere Meinungen vertritt, kann ich mir nicht vorstellen, dazu fehlen einfach entsprechende O-Töne.“

Der Kopp-Verlag hat auch „Das große Detox-Buch“ im Programm. Es handelt aber von der Belastung des Körpers durch Umweltgifte. Um die giftigen Thesen der Kopp-Autoren wieder aus der Welt zu schaffen, hilft es nicht.

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